Die besten Restaurants mit Take-Away in Berlin

Essen gehen ist vorerst gestrichen, Bars und Cafés sind geschlossen: Berlin steht im Zeichen des Lockdowns, und das vorerst bis zum 21. Dezember. Gerade in der Weihnachtszeit trifft uns Ausgehfreudige und Fans des guten Essens das hart. Das mag ein vertretbares Luxusproblem sein, die Gastronomie hingegen befindet sich vielerorts in einer lebensbedrohlichen Situation. Schließlich wurden schon im ersten Lockdown herauragende Köche entlassen, und einige ambitionierte Restaurants haben die Krise gar nicht überstanden. „Support your local restaurant“ und „verantwortungsvoller Genuss zu Corona-Zeiten“ lauten die Gebote der Stunde. Deshalb haben wir eine Woche lang die Mitnehm-Angebote toller Restaurants in den verschiedenen Kiezen getestet – hier sind die besten Restaurants mit Take-away in Berlin.

Fine Dining für zuhause: Der India Club

Berlins wohl feinste indische Küche verspricht der India Club. Für seine „Authentic North Indian Cuisine“ im Hotel Adlon heuerte Betreiber Enno August Jagdfeld Manish Bahukhandi als Küchenchef an. Wir ordern das Chicken Tikka HIghway aus dem Original Tandoori-Ofen, köstliches Buttered Chicken nach Familienrezept von Chef Manish Bahukhandi und hervorragendes Lamm (Rara Meat). Dazu verschiedene Brote, Dals und unbedingt Raita mit Joghurt, Gurke, Minze und Kumin zum Abmildern der Schärfe. Als Vorspeise überzeugt uns besonders der fantastisch gewürzte Kohlrabi-Apfel-Salat. Das göttliche Mango-Lassi geht in seiner opulenten Süsse fast schon als Dessert durch. Wäre da nicht das göttliche Gulab Jamun aus Grieß, Milch und Rosenblättern, dass in der Nase entfert an Spritzkuchen erinnert. Die Preise sind dem Niveau des Restaurants entsprechend gehoben (15-21 Euro für die Vorspeisen, 21-27 Euro für die Hauptspeisen, Side Dishes 4-9 Euro). Dafür kommt das Essen ökologisch korrekt in stylischen Pappschachteln verpackt und ready-to-eat nach Hause. Das Aufwärmen entfällt, und in ganz Berlin ist die Lieferung ab 50 Euro Bestellwert frei. Zusätzliches Highlight: Restaurantleiter Mika Rahimkhan, der die besondere Gastfreundschaft des India Club sogar übers Telefon transportiert. Unser Tipp für besondere Anlässe!

India Club, Lieferservice von Donnerstag bis Dienstag von 15:00 – 21:00 Uhr

Feinkost mit Weinbegleitung: Restaurant Bricole

In unserer Liste für die besten Restaurants mit Take-away in Berlin darf das Bricole am Prenzlauer Berg nicht fehlen. Schließlich zählt das Restaurant mit den vielen köstlichen Kleinigkeiten zu den vielversprechendsten kulinarischen Orten Berlins. Nun hat pünktlich zum Lockdown wieder die PopUp-Feinkostwirtschaft Bricole geöffnet. Am Verkaufsfenster steht der wunderbare Gastgeber Fabian Fischer, der zu den appetitlich in Einmachgläsern verpackten Spezialitäten persönlich den passenden Wein für Zuhause empfiehlt. Heiß begehrt sind die Königsberger Klopse (perfekt aus Kalb und mit genau der richtigen Dosis Kapern) mit Nussbutter-Kartoffelpüree und Rotebeete-Salat. Köstlich zum Aperitiv das Malzbrot mit Karamell-Butter, Gänserillettes und Entenleberparfait – am liebsten würden wir alles gleich vor Ort auspacken und mit einem Glas Champagner in der weitläufigen Senefelder Straße verköstigen. Achtung: Am Nachmittag wird es meist schon knapp mit Klopsen, Bouillabaisse & Co., also rechtzeitig kommen!

Bricole Restaurant, Senefelderstraße 30, 10437 Berlin. Donnerstag bis Sonntag 13-18 Uhr.

Pizza napoletana mit Aperitiv: Antica Pizzeria da Michele

Eine neue Pizzeria genau zwischen den beiden alteingesessenen Pizza-Ikonen Prometeo und Malafemmena? Da hat sich die junge Neapoletanerin Roberta Marcone mit ihrer Antica Pizzeria da Michele from 1870 in der Schöneberger Fritz-Reuter-Straße ganz schön was getraut. Entsprechend neugierig waren wir auf das kurz vor dem ersten Lockdown eröffnete Restaurant mit dem markanten roten Holzofen. Die Pizzen sind riesig, der Teig aus frischer Hefe darf 24 Stunden lang gehen. Belegt wird er mit hochwertigen, regionalen Zutaten wie Friarielli (einer Art Grünkohl), Büffelmozzarella und Ciccioli (neapolitanischem Speck). Als glühende Pizza-Fans sind wir restlos begeistert. Allerdings sollte man sich angesichts winterlicher Berliner Temperaturen beim Verzehr auf der Palette um die Ecke beeilen. Der Spritz-to-go (die Kombi mit Pizza kostet von 13-15 Uhr nur 12 Euro) bleibt zwar kalt, die Pizza ist es nach 10 Minuten aber leider auch. Eine zweite Pizza haben wir mitgenommen und zu Hause für max. 5 Minuten in den 180 Grad heißen Ofen geschoben. Das Ergebnis war durchaus zufriedenstellend und immer noch 100 Mal besser als jede Pizza von einem der einschlägigen Pizza-Lieferservices der Stadt. Weil ihr Take-Away-Service so gut ankommt, öffnet Roberta jetzt übrigens auch am Donnerstag von 17-22 Uhr, zusätzlich zu Freitag-Sonntag 13-22 Uhr.

Antica Pizzeria da Michele, Fritz-Reuter-Straße 7, 10827 Berlin.

Take-Away statt Opening: Markt12 im 12seasons

Eigentlich sollte das 12seasons im ehemaligen Julep’s in der Giesebrechtstraße schon längst Tür und Küche geöffnet haben. Statt der geplanten Restauranteröffnung haben die Gastgeber Tim Hansen und Vitali Müller sowie Küchenchef Kamel Haddad die Aktivitäten kurzerhand VOR die Tür gelegt. Unter dem Interimsnamen „Markt12“ wartet auf der hauseigenen Terrasse nun ein improvisierter, aber höchst stylisher Tresen auf hungrige und durstige Gäste. Wer mag, kann auch Eingemachtes und Eingekochtes wie Quitten-Marmelade, Rosmarin-Sirup oder hausgebackenes Sauerteigbrot und köstlich angemachte Butter mit nach Hause nehmen. Zu einem Glas köstlichem Bamberger Sekt locken kleine Gerichte wie köstliche Kartoffel-Butternut-Rösti mit Gorgonzola-Salbei-Creme oder Rote-Beete-Gnocchi. Besonders empfehlenswert ist die Wild-Bratwurst auf einem verboten leckeren Tomaten-Confit, dazu krosse Streifen aus Kartoffelschalen und Chili-Mayo. Zum Essen und Trinken kann man die nahegelegenen Verteilerkästen Corona-konform zu Tischen umfunktionieren oder das Ganze mitnehmen. Wer einen kleinen Vorgeschmack auf das zukünftige Fine Dining im 12seasons bekommen möchte, ordert für faire 40 Euro das nur am Wochenende vorbestellbare Menü zum Mitnehmen.

12seasons, Giesebrechtstraße 3, 10629 Berlin, Dienstag bis Samstag 12-20 Uhr

Fingerfood aus Tel-Aviv: Restaurant Joseph im Amano Hotel

Die besten Restaurants mit Take-away in Berlin wären nicht komplett ohne einen Vertreter der zur Zeit so angesagten israelischen Küche. Das Joseph im Hotel AMO by AMANO in der Friedrichstraße bietet zur Lockdownseason eine leicht abgespeckte Karte zum Mitnehmen an. Zu Hause angekommen, packen wir die ansprechend verpackten Speisen aus und stellen fest, dass wir noch nicht mal den Ofen anwerfen müssen. Alles präsentiert sich heiß, appetitlich und ready-to-eat. Besonders begeistert hat uns der Cheeseburger mit Süßkartoffeln, der sogar geviertelt noch ziemlich satt macht. Sehr empfehlenswert sind auch die Brotvariation mit Hummus, Tahini, Chimichurri und der geröstete Blumenkohl, hier mit Tomatensalsa und delikaten Salzzitronen. Auch die gefüllte Aubergine überzeigt auf ganzer Linie. Das Streetfood des Joseph ist ideal für einen entspannten Abend im Family-Style, das heißt wie in Tel-Aviv teilen und und von allem probieren. Das gilt übrigens auch für den hausgemachten, geheimnisvoll gewürzten Glühwein, der die Wartezeit im hübsch dekorierten Außenbereich versüßt – unbedingt kosten!

Joseph, Friedrichstraße 113, 10117 Berlin, Mo-Fr 12-20 Uhr, Sa 15-20 Uhr

Vakuumierte Geschmacksbomben: Der Schüsseldienst

Wer trotz Homeoffice und Lockdown nicht auf gesundes, leckeres Essen verzichten will, aber keine Lust aufs Schnippeln und Kochen hat, kann sich beim Schüsseldienst eindecken. Felix Mielke bietet seine warmen Schüsseln nämlich auch vakuumiert zum Mitnehmen an. Wir entscheiden uns gegen die vielgepriesene Ente à l’Orange und für die vegetarische Option, den gebackenen Spitzkohl mit Brotcrumble, Pilz-Polenta, Edamame und Miso Mayo. Zu Hause folgen wir den präzisen Instruktionen und haben nach 20 Minuten ein ausgesprochen köstliches Gericht auf dem Tisch. Faszinierend, zu welchen kulinarischen Höhen sich ein Spitzkohl unter dem EInfluss von Felix Mielke aufschwingen kann! Die mit Vakuum verpackten Fine-Dining-Imbisse sind zwei Tage haltbar und können zum Ladenpreis als Duo ab 19 € oder als Viererpackung ab 38 € spontan oder auf Vorbestellung innerhalb der Öffnungszeiten abgeholt werden. Einen Lieferservice gibt es für dieses Special nicht, während alle anderen Speisen des Schüsseldienst über Lieferando bestellt werden können.

Schüsseldienst, Akazienstr. 3a, 10823 Berlin. Montags von 12.00 – 16.00 Uhr und dienstags bis samstags von 12.00 – 21.00 Uhr für Abholer geöffnet.

Champagner & Cheeseburger: Schlosshotel im Grunewald

Das perfekte Lunch-to-go nach einem Herbstspaziergang gibt es im Schlosshotel am Grundwald. Der köstliche hausgemachte Cheeseburger mit verführerischen Brioche-Brötchen und die weltbesten, crispy Pommes haben definitiv Suchtpotenzial. Als (wahrscheinlich nur gefühlt) leichte Alternative reicht die Schlossküche ein cremiges Maronensüppchen, das an kalten Tagen Seele und Füße wärmt. Passend zum noblen Ambiente des von Hoteldirektor Stefan Athmann wieder zum Leben erweckten Schlosshotel trinken wir ein Glas Ruinart Champagner. Wer den nicht mag (gibt’s das?), greift zum Brombeer-Vermouth-Glühwein oder zu einem der exzellent gemixten Cocktails von der Hotelbar. Unsere Empfehlung für einsame Westberliner Adventssonntage ohne Weihnachtsmarkt im Grunewald!

Schlosshotel Berlin by Patrick Hellmann, Brahmsstraße 10, 14193 Berlin.

Take-Away: Das beste Mittel gegen den Corona-Blues

Abgesehen davon, dass wir nach der letzten Woche kurz vor dem Platzen standen, war unsere Genussreise durch die besten Restaurants mit Take-Away in Berlin ungemein spannend. Von Charlottenburg bis Prenzlauer Berg, von Schöneberg bis MItte konnten wir uns persönlich davon überzeugen, mit viel Engagement ambitionierte Gastronomen dem Lockdown trotzen. Wir freuen uns, wenn ihr diese und alle anderen Restaurants tatkräftig unterstützt, damit es euer Lieblingsrestaurant auch nach COVID-19 noch gibt. Viel Spaß beim Verkosten und vor allem: Bleibt gesund!

Bacg Berlin: Frisches Streetfood in Mitte

Bacg Berlin: Frisches Streetfood in Mitte

Mitte ruft. Wir wollen raus an diesem Mittwoch im Oktober, der Lockdown liegt schon in der Luft und ein einsamer November vor uns. Herrlich ist es hier. Vor unserem Besuch im Bacg Berlin spazieren wir am sensationellen Hinterhof am Café Cinema  in der Rosenthaler Straße vorbei. Wer braucht schon New York, wenn sich gleich hinter dem Anne Frank-Zentrum ein pittoresk-urbaner Hinterhof auftut, der Vergangenheit und Zukunft vereint und so herrlich anders ist als das gediegene Charlottenburg? Selbst die Läden von Mainstream-Anbietern sehen hier wie coole Designerboutiquen aus: im H&M The Garden hängt neben feinem Cashmere & edlen Stöffchen auch das eine oder andere Burberry-Teil. Ein paar Meter weiter entdecken wir den Picknweight-Laden in der Münzstraße. Hier kauft man Vintage nach Kilos und könnte sich perfekt für jede Mottoparty einkleiden. Martina ersteht einen Hut von Leni Gockel und strahlt.

Family-Style in Mitte

Wir sind happy und betreten beseelt das einladend leuchtende Bacg Berlin direkt am U-Bahnhof Weinmeisterstraße. Eröffnet hat das stylische Restaurant mit Diner-Anmutung erst im Sommer 2020. Das jüngste Baby von Berlins Großgastronom Roland Mary hatte trotz Selbstläufer-Lage einen schwierigen Start. Mitten in der Corona-Pandemie fehlen die internatiolen Touristen, und besonders abends ist es beängstigend leer in der sonst pulsierenden Schönhauser Allee. Das Team unter der Leitung von Sorin Madularu ist jung und international. „Die meisten von uns sind Quereinsteiger, die liebevoll mit ihrer Message umgehen“ betont der Restaurantleiter. Tatsächlich wirkt der Service ausgesprochen angenehm und zugewandt, so ganz ohne die für Berlin-Mitte so typische coole Nachlässigkeit.

Streetfood zum Teilen

So international wie das Team und das zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz in die Knie gezwungene Berlin sind auch die frisch zubereiteten Speisen aus der Showküche. Das Produkt soll im Mittelpunkt stehen, höchste Qualität ist den Machern genauso wichtig wie der Geschmack. Für die hippe, gesundheitsbewusste Crowd sind neben Kebap & Co. auch vegane und vegetarische Alternativen wie Kürbissuppe oder ein kräutrig-frischer Avocado-Salat zu finden. Deshalb am besten ganz viel bestellen und dann teilen – im Bacg Berlin ist Family Style angesagt. Dazu eine hausgemachte Limonade, ein Aperol Sprizz oder ein Moscow-Mule: der Abend fängt gut an.

Frisches Kebap-Update

„Berlin based fresh food“ lautet das Motto des Bacg Berlin. Von den „Pimped Fries“ (unbedingt die mexikanische Variante mit Tomaten-Salsa, Jalapenos und Sour Cream probieren) über die Plates bis hin zu den namensgebenden „Bags“ ist alles hausgemacht. Letztere tragen auf der Karte den Untertitel „the other kebap“ und sind tatsächlich als hippes Update des Streetfood-Klassikers zu verstehen. Ins hausgebackene Sauerteigbrot kommen jede Menge frisches Gemüse und Salat, getoppt wird das Ganze dann mit Falafel, 24-48 Stunden mariniertem Tempeh, Huhn oder Rindfleisch. Wer Low Carb bevorzugt, bestellt die „Plate-Variante“ – unser Favorit war hier das Buttermilk lemon fried chicken in Bio-Qualität, dessen wunderbar zartes, zitroniges Fleisch knusprig frittiert und absolut unwiderstehlich auf den Tisch kommt.

Hausgebackene Kuchenträume

Wir könnten nicht satter und zufriedener sein. Bis ein Blick in die Vitrine mit Kuchen aus der hauseigenen Bäckerei neue Begehrlichkeiten weckt. Wir entscheiden uns schließlich für eine Schoko-Pecan-Tarte, den American Cheesecake und einen Carrot Cake, der die Ausmaße einer kleinen Hochzeitstorte hat. Sorin hat Erbarmen und packt uns ein himmliches Doggie-Bag, das am nächsten Morgen für neue Glücksmomente sorgt. Der Cheesecake könnte nicht cremig-zitroniger sein, die Schokoladentarte schmeckt genauso schlotzig wie beste Brownies. Und der Carrot Cake? Schlichtweg großartig: Welcome to Calorie-Heaven!

Take away – auch während des Lockdowns

Kurz bevor wir den Abend beenden, erreicht uns die Nachricht, dass im November wieder alles runterfährt. Sarin Madularu behält die Nerven, denn er glaubt an sein Konzept: „Wir verhandeln gerade mit Wolt, dem finnischen Essenslieferdienst, der erst im August in Berlin startete. „Die passen mit ihrem Portfolio perfekt zu uns.“ Und genauso clever wie diese Idee ist der ans Restaurant angeschlossene Kiosk. „Take away gehörte von Anfang an zu unserem Konzept.“ Ab sofort können alle Speisen auf der Seite Bacg & Weg vorbestellt und abgeholt werden. Wir drücken die Daumen. Und freuen uns auf unseren nächsten Moscow Mule oder Aperol Spritz auf der sonnendurchfluteten Terrasse mitten in der Mitte dieser tosenden Stadt.

Bacg Berlin, Neue Schönhauser Straße 1, 10178 Berlin, Tel: +49 (0) 30 34 666 785, info@bacg-berlin.de

Restaurants am Schiffbauerdamm: Fünf Gastro-Profis retten Spreepromenade

Restaurants am Schiffbauerdamm: Fünf Gastro-Profis retten Spreepromenade

Berlins größte und schönste Sommerterrasse direkt an der Spree ist eröffnet! Welch herrlicher Blick! Was für eine stimmungsvolle Atmosphäre! Ein perfekter Ort fürs Feiern und die Seele baumeln lassen. Dank des gemeinsamen Auftritts der Restaurants am Schiffbauerdamm hat sich die berühmte Uferterrasse in Mitte nun zu Berlins schönster Sommerterrasse gemausert. Fast wie ein bisschen am Rhein fühlt es sich an. Oder Paris, Venedig…einfach den Booten hinterher schauen und den Sommer in der Stadt genießen.

Geniale Lösung für schwierige Zeiten

Gerade in Zeiten eingeschränkter Reisefreiheit freuen wir uns über die stilvollen, gemütlichen Kneipen, Bars und Restaurants am Schiffbauerdamm. An diesem Teil der Spree vereint sich lauschige Atmosphäre mit Großstadtfeeling und einem überraschend guten kulinarischen Angebot. Natürlich mit dem verordneten Abstand und an der frischen Luft, wo wir uns noch eine lange Zeit deutlich sicherer vor Ansteckung fühlen werden als in geschlossenen Räumen. Hut ab also vor der Initiative Die Fünf vom Schiffbauerdamm, die die Promenade gemeinsam mit dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Eigenfinanzierung neu gestaltete. So wurde das Ufer mit einem Geländer und einer durchgehenden Befestigung versehen, und die Sonnenterrasse wird nun von allen fünf Mitgliedern gemeinsam bewirtschaftet.

Gastronomische Europareise

Das einheitliche architektonische Bild kommt der Gesamtoptik der Sonnenterrasse an der Spree zugute. Umso vielfältiger präsentiert sich die Küche der fünf Restaurants am Schiffbauerdamm. Bereits die Namen klingen wie eine kleine Europareise: Das Vaporetto mit klassisch italienischer Küche, die kölsche Institution Ständige Vertretung, die Hauptstadtkneipe Berliner Republik, der irische Murphy‘s Irish Pub, das Brechts Steakhaus, die Piano Bar Vincent, die lauschige Weinbar Bar á Vin und der traditionsreiche Franzose Ganymed Brasserie. Bei den „Fünf vom Schiffbauerdamm“ machen Irland, Italien, Frankreich, das Rheinland und natürlich Berlin in erfreulicher Eintracht gemeinsame Sache. Location, Zeit und der Sommer werden geteilt und die – hoffentlich bald auch wieder internationalen – Gäste mit vielfältiger Küche, Livemusik und Kerzenschein verwöhnt.

Kulinarisch verwöhnt – von Austern bis Ziegenkäse

Was hatten wir Spaß! Endlich wieder raus. Endlich wieder gemeinsam – zwar mit Abstand, aber mit Sehnsucht im Herzen nach einem unbeschwerten Sommer. „Wir Gastronomen möchten allen Gästen unvergessene, kulinarische Momente bereiten auf der längsten und schönsten Spreeterrasse Berlins“, schwärmt Gastronom Michael Pankow. Tatsächlich konnte sich dieser Premierenabend sehen lassen. Die fünf Restaurants am Schiffbauerdamm überboten sich gegenseitig mit einem nicht enden wollenden Flying Buffet. 30 oder eher 40 unterschiedliche Leckereien waren das, jede für sich charakteristisch für die Küchen, aus denen sie kamen. Den (maskierten) Servicekräften war anzumerken, dass sie nach dem Lockdown mit viel guter Laune alles geben wollten für uns Gäste. Schließlich haben wir irgendwann aufgehört, die Gänge zu zählen. Genauso wie es uns zunehmend schwerer fiel, uns zwischen Kölsch und Cider, Lillet, Aperol Spritz und Shiraz zu entscheiden.

Von A wie Auster bis Z wie Ziegenkäse

Wer die entsprechende Ausdauer mitbringt, könnte sich hier einen kompletten Abend durch die europäische Küche essen. Zum Start deftiges hausgemachtes Irish Stew & Stepherd’s Pie aus Irland, dann ab ins Rheinland mit köstlichen Himmel un Ääd-Pralinen, Mini-Mini-Eisbeinchen mit Erbsen und Röggelchen. À la francaise folgen beste Austern „Fines de Claire“, Garnelen mit köstlichem Mangosalat, Ententerrine und Ziegenkäse. Besonders empfohlen sei hier der Oktopus, den der Küchenchef der Ganymed Brasserie zum Niederknien zart mit aufregenden Fenchelaromen kombiniert. Während das französische Restaurant Berliner Gourmets seit langem als zuverlässige Konstante für gutes Essen gilt, überrascht das als simples Steakhaus titulierte Brechts neuerdings ebenfalls mit ambitionierter Küche. Uns begeistern perfekt gewürztes Rinder- und Lachstatar, gebratene Garnelen, eine sensationelle Avocado-Mousse und Tapas wie Datteln im Speckmantel, Fenchelsalami und Hummus-Grissini. Irgendwann scheint gar nichts mehr zu gehen, bis auf den köstlichen Minimilchreis mit Äpfeln, das Tiramisu, die flambierte Créme Brûlée oder die umwerfende Mango-Panna Cotta vielleicht;-)

Glanzvolles Flair seit den 1920er Jahren

Seit den goldenen 1920er-Jahren ist das Viertel bekannt für seine unzähligen Angebote und verbindet Kunst, Kultur und Gastronomie. Das „Berliner Ensemble“ liegt direkt um die Ecke. Genauso wie die Friedrichstraße, der Tränenpalast, die Museumsinsel und das Regierungsviertel. Geplant sind weitere Attraktionen und Events, ganz wie zu den legendären Zeiten dieser Gegend: Vom Flanierfestival bis zum Kunstmarkt, Live-Musik bis zum Weinfest. Und vielleicht wird dann auch irgendwann wieder Straßenkarneval gefeiert in den Restaurants am Schiffbauerdamm.

Solidarität zählt: Die Fünf vom Schiffbauerdamm

Zum Zusammenschluss Die Fünf vom Schiffbauerdamm gehören die Familie Niederhuebner (Vaporetto), Jörn Brinkmann und Jan Bubinger (Ständige Vertretung), René Gamper mit Geschäftsführer Fabian Granow (Berliner Republik), Sam Lewin mit Betriebsleiter Till Haffner (Murphy‘s Irish Pub) und Michael Pankow (Ganymed, Brechts, Vincent und Bar à Vin). Gerade in diesen schwierigen Zeiten zahlt sich ihre Solidarität aus. Die fünf Gastronomen haben mit ihrer ungewöhnlichen Idee unsere Herzen im Sturm erobert. Unsere Lieblings-Berliner Sommerterrasse 2020 ist gesetzt.

Die politischen Sommerfeste: Berlin feiert in den Landesvertretungen

Die politischen Sommerfeste: Berlin feiert in den Landesvertretungen

Das Berliner Regierungsviertel feiert

Einmal im Jahr lässt es das politische Berlin so richtig krachen. In den Wochen vor und nach den großen Ferien verwandelt sich das Viertel um die Hiroshima- und die Tiergartenstraße in eine große Feiermeile. Es ist die Zeit für die politischen Sommerfeste in den Landesvertretungen. Wir waren zu Gast bei Niedersachsen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Die Eindrücke sind vielfältig – hier kommen unsere ganz persönlichen Highlights.

Die Stallwächterparty

Mit der traditionellen Stallwächter-Party starteten wir am 27. Juni in die Saison der politischen Sommerfeste. Seit 1964 findet das Fest in der Landesvertretung Baden-Württemberg (früher in Bonn, heute in Berlin) statt. Der kuriose Name wurde übrigens einst für diejenigen geprägt, die während der parlamentarischen Sommerpause die „Stallwache halten“. Heute zeigt sich jeder auf dem Fest, der im Südwesten Rang und Rahmen hat: 1.500 Gäste aus Politik, Medien, Kultur, Wirtschaft und Zivilgesellschaft nahmen an dem Fest teil, das in diesem Jahr unter dem Motto „Baden-Württemberg – Im Herzen Europa(s)“ stand.

Baden-Württemberg: im Herzen Europa(s)

„Es ist uns eine Herzensangelegenheit. Bei der Stallwächterparty weht der gute Geist des Vereinten Europa“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei der 56. Stallwächterparty in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund. Alles stand im Zeichen eines modernen Europas, auf die Landesvertretung war eine riesige EU-Flagge projiziert. In der Europa-Lounge stellten sich die Botschaften der EU-Mitgliedsstaaten vor. Zudem informieren in einem Europa-Lab unter anderem Landesministerien und europäische Institutionen über ihre Arbeit. Beim Europa-Quiz scheiterten wir zwar nicht am längsten Fluss Europas (wenn man die Wolga nicht dazu rechnet, ist es natürlich die Donau). Aber bei Fragen wie nach der niedrigsten Geburtenrate Europas (7,3 Geburten pro 1000 Einwohner in Italien) wurde es kniffliger.

Europa-Projekte und Catering aus Power-Regionen

Auch das Catering stand im Zeichen Europas. Hier präsentierten sich die Regionen Lombardei, Auvergne-Rhône-Alpes, Katalonien und Baden-Württemberg. Und warum gerade die? Weil sie alle über eine außergewöhnlich potente Wirtschaft verfügen und somit zu den Motoren Europas zählen. Wir aßen und tranken uns also genussvoll durch Maultauschen, Bagno Cauda, Trüffelpasta und französischen Käse. Dazu gab es die tolle Weine aus Württemberg und Baden, und zu unserer großen Freude war sogar die amtierende Deutsche Weinkönigin Carolin Klöckner aus Württemberg vor Ort. Spannend auch das Kunstprojekt zu Künstlicher Intelligenz, „DeepArt Installation“. Bei diesem politischen Sommerfest gab es eine Menge zu sehen und zu schmecken – und natürlich viele nette Menschen, mit denen es sich dieser laue Sommerabend hervorragend verplaudern ließ.

Das Sommerfest der niedersächsischen Landesregierung

Blendend gelaunt begrüßte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) seine Gäste zum mit 3.700 Gästen wohl größten politischen Sommerfest: „Vergesst die Grüne Woche – das könnt ihr alles hier haben“ sagte er und warb damit für die Spezialitäten aus Niedersachsen. Zum 19. Mal fand das Fest in der Landesvertretung in den Ministergärten statt. Angela Merkel ließ sich in diesem Jahr entschuldigen. Statt dessen sahen wir Ex-Bundespräsident Christian Wulff, Arbeitsminister Hubertus Heil und Familienministerin Franziska Giffey (beide SPD).

Ausflug in die Heimat

Für uns stellt es immer eine Art Heimatspiel dar, denn sowohl Gesa (Stade) als auch Martina (Cuxhaven) sind gebürtige Niedersächsinnen. Und nur deshalb hatte Gesa beschlossen, hier ihren Geburtstag zu feiern – mit fantastischen Menschen, leckerem Essen und einem Geburtstagsfoto mit dem Ministerpräsidenten und Linken-Chef Dietmar Bartsch. Auch das Wetter spielte mit. In dieser herrlich lauen Sommernacht labten wir uns an frisch von niedersächsischen Händen gepulten Nordseekrabben aus Krummhörn. Ein echtes Geschenk, denn wenn man sie nicht direkt vom Kutter kauft, kann man heute von einem Pul-Umweg über Nordafrika ausgehen. 10 Bierbrauereien waren vor Ort, wir hielten uns aber lieber an hervorragenden Winzersekt, Campari Amalfi und leckeren Rosé von Rossmann. Ganz hervorragend und außergewöhnlich waren die Pralinen von Nele Marike Eble und ihrer Pralinenmanufaktur Chokumi. Zum Glück muss man für die wahrlich „leckersten Pralinen der Welt“ nicht extra nach Braunschweig fahren, sondern kann sie online bestellen. Finanziert werden all diese Köstlichkeiten übrigens von Sponsoren, die nicht nur Sachleistungen spendeten, sondern auch ordentliche Geldsummen – erfreulich transparent einzusehen auf der Sponsorenliste.

Kultursommernacht in der Landesvertretung Sachsen-Anhalt

Nicht nur in der Lage an den S-Bahn-Bögen an der Luisenstraße, sondern auch im Titel unterscheidet sich das politische Sommerfest in der Landesvertretung Sachsen-Anhalt von den anderen Polit-Partys. Mit rund 1.000 geladenen Gästen dürfte das Fest, das in diesem Jahr am 11. September stattfand, eines der kleinsten sein. Man will sich ganz bewusst mit dem reichen Kulturerbe des Landes positionieren. Vorgestellt wurden die UNESCO-Weltkultureerbestätten in Sachsen-Anhalt wie das Bauhaus Dessau, die Luthergedenkstätten Eisleben und Wittenberg, das Gartenreich Dessau-Wörlitz sowie Stiftskirche, Schloss und Altstadt von Quedlinburg und der Naumburger Dom. Der Ehrengast, Bundeskanzlerin Angela Merkel, würdigte Sachsen-Anhalt als ein kulturgeschichtlich reiches Land, das die meisten Welterbestätten aufweisen könne. Die Kultursommernacht sei eine „tolle Idee“. Am Ende bekam sie von Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff (CDU) deshalb auch ein ganz besonderes Geschenk überreicht, einen herabgefallen Originalstein vom Naumburger Dom mit echtem Siegel.

Kulinarische Sterne: Regionale Spezialitäten aus Sachsen-Anhalt

Konsequenter als bei den anderen politischen Sommerfesten setzen die Veranstalter auf regionale Produkte, insbesondere auf die Siegerprodukte der Marketingkampagne Kulinarische Sterne. Dazu zählt auch die köstliche „Händels Halleluja“-Praline der Halloren Schokoladenfabrik aus Halle. Während wir den klebrig-süß schmeckenden Halloren-Kugeln wenig abgewinnen können, schmilzt dieses kleine Kunstwerk aus Rahmkaramell, Haselnusskrokant und Sahne-Nougat mit einem Überzug aus Zartbitterschokolade und Halloren Siedesalz ganz köstlich auf der Zunge. Bemerkenswert fanden wir auch den hervorragend zwischen Süße und Säure perfekt ausbalancierten „Weißer Riesling Gosecker Dechantenberg“ vom Landesweingut Kloster Pforta. Bei dem wie eine Tautologie anmutenden Namen handelt es sich um eine der hochwertigsten Rebsorten Deutschlands, die auf dem Buntsandstein des ältesten Terrassenweinberges an Saale und Unstrut kultiviert wird. Vor der Abfüllung reift dieser Riesling vier Jahre im Keller, davon 12 Monate im Eichenfass. Eine tolle Entdeckung und unser ständiger Begleiter auf diesem schönen, stimmungsvoll beleuchtenden Sommerfest.

Fest der Landesvertretung Nordrhein-Westfalen

Wenn AperitiVista zur Paparazza wird, dann gerne auf einem der zahlreichen Events in den heißen Tages des Jahres. So geschehen auf dem taditionellen Sommerfest der Landesvertretung Nordrhein-Westfalen #NRWFest2019: da saßen in trauter Eintracht neben uns Bundeskanzlerin Angela Merkel, Armin Laschet, Ministerpräsident von NRW, später auch noch AKK und so manch andere prominente Politiker-Nase beim Gläschen Wein, lachten und scherzten und freuten sich genauso wie wir über diesen lauen Abend. Die meisten Gäste, egal von welch politischer Couleur im wirklichen Leben, zückten ihre Smartphones für ein Erinnerungsbild. Um den Promi-Tisch herum waren übrigens Schulter an Schulter höchst attraktive Jungs aufgebaut – die Security, alle mit raspel kurzen Haaren, smartem Grinsen und Knopf im Ohr. Sie hatten, trotz der rund 2000 Gäste, die Situation an diesem Tisch immer im Griff. Es war – einfach nur ein schöner Abend: Auf den Grills brutzelten die Steaks, wer wollte, konnte zwischen Kölsch und Alt wählen, den Lidl-Champagner genießen, seine Fähigkeiten als Sommelier checken – Gesa hat mal wieder mit Bravour alles richtig gemacht – , sich mit virtual reality-Brillen in eine andere Dimension katapultieren lassen, sich vor dem gigantischen Roboter NOX fürchten, der extra aus Paris angereist war oder – Martinas Highlight – mit den Höhnern grölen. Die Kölner Kultband gab dem Abend das, was eben nur in NRW möglich ist: mitten im Berlin Hochsommer einen Hauch von Karneval! Besser geht`s nicht! Wir freuen uns jetzt schon auf das #NRWFest2020.

Württemberg trifft Berlin: Lotte Lenya bekommt eigene Weinlinie

Württemberg trifft Berlin: Lotte Lenya bekommt eigene Weinlinie

 

 

Eine der berühmtesten Künstlerinnen der 20er-Jahre war Namensgeberin für eine neue, hochwertige Weinlinie: die Lotte Lenya-Edition. Am vergangenen Dienstag waren wir dabei, als sie im Württemberger Weinhaus Berlin zusammen mit einem Pairing von Berlins Käselegende Fritz Blomeyer der Presse vorgestellt wurde. Wir waren besonders gespannt auf dieses Weintasting, denn schließlich hatte die erste „Edition Spätburgunder 2013“ vom Collegium Wirtemberg bei der Berliner Weintrophy 2018 direkt Gold geholt und ist längst ausverkauft – zu Glück waren für diesen Abend einige Flaschen gesichert worden.

 

 

Moderiert wurde die Weinprobe von René Arnold, Geschäftsführer des Württemberger Weinhauses und Initiator der Lotte-Lenya-Linie. Hinter dem vor gut einem Jahr gestarteten Projekt stand seine Idee, eine genussvolle Brücke zwischen seiner Heimatstadt Berlin und der traditionellen Weinexpertise der württembergischen Weingärtnergenossenschaften zu bauen. Nach mehr als vier Jahren Zusammenarbeit mit den Württemberger Weingärtnern (das ist der schwäbische Ausdruck für Weingenossenschaften) weiß er genau, zu welchen Höchstleistungen die oft unterschätzten, für das Überleben der Weinbauern aber immens wichtigen Genossenschaften fähig sind. „Gerade die Burgundersorten eignen sich bestens für Weine auf hohem, internationalen Niveau, die in ansprechender Aufmachung auch auf dem speziellen Berliner Markt hervorragend ankommen.“ weiß Arnold. Er definierte also seine Vorstellungen von der Qualität des Weines und sorgte dafür, dass die guten Tropfen entsprechend gelabelt und vermarktet werden. Sein Grafiker entwarf die Wortmarke und die puritisch schwarz-weißen Etiketten, und nachdem er sein erstes, bemerkenswert gutes Fass vom Collegium Wirtemberg bekommen hatte, ließen sich auch weitere Kellermeister für seine Idee begeistern. „Am Anfang wurde ich mit meiner Idee für ein bisschen verrückt gehalten“ erzählt Arnold. „Trotzdem haben mich die Winzergenossenschaften und die Geschäftsführer des Weinhauses, Ulrich Breutner und Dieter Weidmann, von Anfang an auf ganzer Linie unterstützt – und das über die 630 km zwischen Berlin und Möglingen hinweg“, freut sich René Arnold.

 

Bisher umfasst „Lotte Lenya“ vier Weine: einen Spätburgunder, eine Rotwein-Cuvée, eine Cuvée aus Weiss- und Grauburgunder sowie einen Riesling Sekt. Mit letzterem starten wir in den Abend und sind direkt schockverliebt: der Riesling Sekt Brut 2017 der Winzer vom Weinsberger Tal lässt unsere Aperitiv-Herzen höher schlagen, und zusammen mit der nicht nur optisch bemerkenswerten „Engelsbrust“ vom Capriolenhof aus der Uckermark beginnt der Abend genauso, wie wir Aperitivistas es lieben. Es folgt der die Edition Weiss- und Grauburgunder 2017 von den Weingärtnern aus Cleebronn-Güglingen, die regelmässig mit ambitionierten Weinen begeistern. Von der weißen Cuvée sind alle Anwesenden hin und weg, besonders weil es dazu auch noch die sahnige „Antons Liebe“ von der Käserei zur Wies gibt.

 

Württemberg ist vor allem bekannt für seine Rotweine, und da geht weit mehr als der schwer über die regionalen Grenzen hinaus vermittelbare Trollinger. Besonders viel Potenzial haben die Burgundersorten, und genau die finden wir in der 2016er Rotweincuvée von der zweitgrößten Weingenossenschaft des Ländles, der Württembergischen Weingärtner Zentralgenossenschaft. René Arnold schreibt ihr eine „wahnsinnige Trinkigkeit“ zu, und in der Tat hat sie eine frische Note bei gleichzeitig starken Aromen, „sie riecht wie ganz Untertürkheim“ wie meine Nachbarin begeistert ausruft. Der ausgesprochen würzige Weinbauernkäse Classico von der Dorfkäserei Geifertshofen, der in der Reifephase mit Weinen aus denselben Rebsorten wie in der Rotwein Cuvée von 2016 abgerieben wurde, holt den Wein perfekt ab. Zum Abschluss gibt es den prämierten Spätburgunder aus dem eher kühlen Jahrgang 2013, der vier Jahre im 500 Liter-Faß gereift ist und bei perfekt ausbalancierter Säure eine wunderbar dunkle Aromatik von Pflaumen und Brombeeren aufweist. Das Konzept geht offenbar auf und die Zusammenarbeit zwischen Berlin und Württemberg funktioniert. Nach diesem Tasting sind wir gespannt auf die kommenden Lotte-Lenya-Editionen und wünschen René Arnold und den Württemberger Weingärtnern weiterhin viel Erfolg!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lucky us: Die Beauty2go-Lounge zur Berlin Fashion Week

Lucky us: Die Beauty2go-Lounge zur Berlin Fashion Week

Gerüchteweise soll es sieben geben! Sieben !!!! Beauty-Lounges, die übers gesamte Stadtgebiet verteilt Fashionistas, Vips, Bloggerinnen, Promis, Mitläuferinnen oder einfach nur Glückliche während der Berlin Fashion-Week in ein geheimes Mekka der Schönheit locken und vor allen Dingen einladen! Sogar Botox, Vitamin- und Hyaluron –Spritzen „auf Kosten des Hauses“ sind drin, genauso wie perfektes Hair- und Make-up-Styling, Wimpern-Lashes oder Vitaminbooster für die Haut – je nach Wunsch, Gier oder Notwendigkeit;-)

 

 

Wohl der, die eine Einladung ergattert oder auf den heißbegehrten VIP-Listen steht. Wir hatten das Glück und durften bei der Beauty2Go-Lounge, die nun schon zum 3. Mal von den Ladys von together.partners (danke Marina, Petra und Dagi) und Beauty-Tausendsassa und OK-Magazin-Kolumnistin Betty Amrhein organisiert wurde, dabei sein. Diesmal ging es ins „The Grand“ in der Hirtenstraße in Mitte, gleich um die Ecke der Schaubühne. Mit seinem Shabby Chic und trashigem Großstadtambiente brach das Hotel das glitzernde Beauty-Business wohltuend ironisch. Sehr cool, sehr Berlin. Neun Beautyplätze wurden eingerichtet und alle Slots waren  – natürlich! – sofort restlos ausgebucht.

Nach der höchst professionellen Begrüßung ging es auch gleich mit straffem Zeitplan ans weibliche Objekt mit dem Ziel, heute noch eine der Schönsten zu werden. Erster Termin: Wir begaben uns unter den Augen aller auf eine Liege und lieferten uns mit geschlossenen Augen und vor allem schweigend aus, um von ELEGANT & EXCELLENT Lashes mit natürlich wundervollen Wimpernverlängerungen verschönert zu werden. Das Ergebnis ist nachhaltig betörend und der neue Augenaufschlag durch und durch verführerisch (schade, dass die Firma nur Studios in Hannover betreibt…). Der Hammer mit unglaublichem Babyhauteffekt war dann aber das Glow Ultraschall Treatment 2go by lontoComed:  Hyaluron-Säure wird hierbei mit Ultraschalltechnik in die Haut geschleust – mit streichelzartem Ergebnis! Das hätte Suchtpotential – allerdings nur bei gleichzeitig vorhandenem Kosmetikbudget. Visagistin Alina, die extra für Betty und die Beauty2go-Lounge aus Düsseldorf nach Berlin gekommen war, gab den letzten Schliff mit tollem (und die neuen Wimpern nicht ruinierendem) Make-up mit den auch Profis überzeugenden Produkten von LOV.

Neben uns normalsterblichen Bloggerinnen geben sich bei diesen Events die Promis und VIPs die Klinke in die Hand – und manchmal sind es auch Promi-Ladys, die hier neue, hippe Produkte vorstellen: Wie zum Beispiel die unvergleichliche Ariane Sommer mit ihrem makellosen Porzellanteint. Ehemaliges It-Girl mit Professoren-IQ und als junge Wilde berühmt für ihren Hang zu medienwirksamen Aktionen wie dem berühmten Bad in Mousse au chocolat. Inzwischen ist sie seit mehr als zehn Jahren ziemlich seriös im Sonnenstaat Los Angeles zuhause, meidet die Sonne wie die Pest und lebt „a.v.a.p“ – selbst erfundene Abkürzung für „as vegan as possible“.  Jedenfalls sieht sie mit 41 immer noch perfekt aus ( liegt das an Arianes Green Lifestyle und anhaltendem Liebesglück?) und ist deshalb auch die ideale Ikone für das gemeinsam mit ihrem Mann Clay entwickelte Vitaminprodukt Dr. Spray, bei dem die Wirkstoffe einfach unter die Zunge gesprüht (vom Vitamin C-Booster bis zu Melatonin für besseren Schlaf) und so über die Mundschleimhaut wirken.

Die Krönung am Schluss, neben unzähligen Highlights während der Behandlungen, launigen Gesprächen und so viel Spaß wie ihn früher nur Mädchen-Pyjama-Partys machten, ist die wunderbar-schwere und bis an den Rand gefüllte Tüte, die es am Ende des Events gibt. Das ist wie Weihnachten und Ostern zusammen, wenn frau schon im Auto alles auspackt und bestaunt und völlig in Verzückung gerät ob all der schönen Überraschungen! Glaubt uns, Mädels: besser geht`s kaum!

Ein kleiner Tipp: Wer ein bisschen etwas von dem Kuchen schnabbulieren möchte und nicht zu den glücklich Geladenen zählt, kann es über die „käufliche“ Instyle-Lounge versuchen. Für 25 Euro Eintritt warten auch hier viele schöne Versuchungen einschließlich einer Hochglanztüte mit Geschenken.cc641db2-9695-4fd3-8ed1-912ae16d7412

Nur die Journalisten fehlen noch: Der 118. Berliner Presseball

Nur die Journalisten fehlen noch: Der 118. Berliner Presseball

 

„Wollen wir da eigentlich hin?“ fragten wir uns, als der 12. Januar 2019 näher rückte. Denn einerseits klingt Presseball nach durchtanzten Stunden, zauberhaften Kleidern, glamourösen VIPS und der Magie einer nicht enden wollenden Nacht. Der Berliner Presseball hat solche Jahrzehnte erlebt. Andererseits kamen die Wende und die Bonner, der Verein ging pleite, die Marke „Presseball“ wurde vom Berliner Journalistenverband verkauft. Die darauffolgenden Jahre machten aus diesem eleganten ehemaligen Wohltätigkeitsball für bedürfte Journalisten dann nur noch einen traurigen Abklatsch – obwohl sich unterschiedlichste Veranstalter ehrlich bemühten, schien der Zauber zerstört.  Waren früher Bundeskanzler, Bundespräsident und echte Promis gesetzt, verkümmerte das einstige Highlight der Berliner Society zu einer „Kreti-und-Pleti“-Veranstaltung.

 

Jetzt scheint der Ball einen Teil seines alten Charmes wiederzufinden. Als die Gastgeber Melanie Simond und Mario Kross am Samstag zum 118. Presseball luden, tummelten sich gutgelaunte Gäste in den Hallen des Maritim Hotel Berlin  in der Stauffenbergstraße, unzählige Sponsoren unterstützten die Veranstaltung. Unter dem Motto „70 Jahre Bundesrepublik, 30 Jahre Mauerfall“  ließen sich sogar wieder einige Prominente sehen – Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hielt eine launige Laudatio, Dieter Hallervorden wurde gesichtet, genauso wie Filmproduzentin Alice Brauner mit ihren halberwachsenen Zwillingssöhnen, Schauspieler Hardy Krüger junior mit seiner Gattin, die an Krücken über das Parkett humpelte. Das trübte die gute Laune der Neuberliner allerdings kein bisschen.

 

Zu Beginn des Abends wähnte man sich mehr in der Provinz als in der kosmopolitischen Hauptstadt: das 90er-Jahre Ambiente des Maritim-Hotels, die vielen Sponsorenstände und die bunte Bühnenshow trugen viel zum verstaubten Charme eines ein wenig in die Jahre gekommenen Westberlins bei. Aber wir wollten ja nicht nörgeln, sondern Spaß haben – und den haben wir zusammen sowieso und noch mehr in der richtigen Gesellschaft. Letztere fand sich dann auch schnell. Wir trafen die Berliner Promi-Designerin Nanna Kuckuck in einer ihrer bezaubernden Roben und ihrem nicht weniger bezaubernden Gatten Dirk, Maßschneider Andreas Weidlich von Andrews & Martin (beide hatten Mode-Gewinne für die Tombola gesponsert), Claudia Campus von rs2, Andreas Kurtz von der Berliner Zeitung (er machte uns neugierig auf seine Talkshow „Kurtz auf der Couch“, die an jedem 1. Montag im Monat im Wintergarten auf die Bühne kommt) , Amin Jmny von Le Matin. Von diesen und ein paar weiteren Ausnahmen abgesehen fehlten allerdings vor allem die (Berliner) JournalistInnen an diesem extra für sie geschaffenen Abend – toll, wenn sich in Zukunft wieder mehr unserer KollegInnen für den Ball begeistern ließen.

 

So zog sich die Nacht bis in die frühen Morgenstunden – und bis zuletzt „saß“ die Frisur. Denn wer schlau war – so wie wir;-) – startete den Abend in der Beauty-Lounge von Starfriseur Dennis Creuzberg: mit viel Spaß und in Gesellschaft einiger Berliner Supertransen, die – wie man das beim Frisör so macht – unter anderem von auf dem Nachttisch abgelegten Brüsten aus dem Nähkästchen plauderten. Die geübten VisagistInnen und StylistInnen tobten sich an den Haaren und Gesichtern der willigen Ballbesucherinnen aus und sorgten so für professionellen Glamour.

 

Ein kleiner Wermutstropfen war das auf nationale Spezialitäten (schon mal was von französischem „Coco-Bohnen-Ragout“ gehört?) aufgerüschte Büffet: mit Ausnahme von ein paar kleinen Häppchen entsprach es nicht einmal den Standards der sogenannten „internationalen Hotelküche“ (d.h. langweilig, aber mehrheitstauglich). Wie den Gästen im Saal (die immerhin ca. 1.000 Euro für die Karte gezahlt hatten) das Dinner mundete, entzieht sich unserer Kenntnis, aber im Angebot für die Flaniergäste liegt auf jeden Fall Verbesserungspotential. In der VIP-Lounge hingegen gab es tolle Austern vom Frischeparadies und hervorragenden Royal Oscietra Kaviar von Attilus (von auf der eigenen Fischfarm in Brandenburg gezüchteten Stören), und klar geht in Berlin nichts über eine Mitternachts-Currywurst, besonders wenn sie vom legendären Curry36 zubereitet wird.

 

Der beste Drink des Abends kam übrigens von Asbach Uralt, dem bekannten Synonym für megaout. Nun erfindet sich die Marke gerade neu und servierte in einer charakteristischen Blechtasse (die eine Reminiszenz an die Prohibitionszeit in Chicago darstellen soll) Asbach mit Ingwerlimonade, Eis und einer Zitronenzeste – extrem lecker. Professionell gemixt wurde er am Stand der Berliner Agentur Drinkkultur im kleinen Ballsaal. Dort gab es auch den ganz frisch gelauchten Asbach Aperitif Rosé, in dem wir als Aperivistas natürlich sofort eine potenzielle Alternative zum Aperol Spritz witterten. Mit dem hier offerierten Tonicwater schmeckte er nicht schlecht (vielleicht sollte man ihn lieber mit Prosecco probieren?), aber lange nicht so lecker wie das Tassen-Getränk.

 

Im kleinen Ballsaal spielte auch die fantastische Rock’n Roll-Band Petticoats (WestberlinerInnen bekannt von den legendären Auftritten in der Dahlemer Eierschale), später erklang „Griechischer Wein“ und wir tanzten ab wie lange nicht mehr. Ebenfalls toll die Band ABBA4you (quasi ein Selbstläufer bei Gästen unserer Generation) und als musikalisches Highlight des Abends die Weather Girls. Die Musik war top, da hat der Veranstalter wirklich ALLES richtig gemacht. In allen Säalen wurde gefeiert wie verrückt, und als wir dann noch ein Stück Marzipantorte von der Confiserie Reichert verspeist hatten und das gefühlt 10 Kilo schwere, reich bestückte Goodie-Bag und eine Rose in den Händen hielten, schwebten wir glücklich nach Hause – und freuen uns jetzt schon auf den Sommerball.

 

Württemberg goes Berlin: Lange Nacht der Weine in der Arminiusmarkthalle

Württemberg goes Berlin: Lange Nacht der Weine in der Arminiusmarkthalle

 

An das inzwischen zur lame duck mutierte Klischee der Schwabeninvasion in Berlin dachte an diesem Abend in der Arminiusmarkthalle wohl kaum einer. Neben Weingütern wie dem „Hausweingut“ der Markthalle, Dr. Heigel aus Franken, lag der Schwerpunkt diesmal auf Weinen aus Württemberg. 19 Württemberger Winzer*innen kamen nach Berlin, um über 100 Top-Weine aus neun Weinbauregionen zur Verkostung anzubieten. So besuchten die 15. Lange Nacht der Weine in der Arminiusmarkthalle über 1.000 (für Weinevents überraschend junge) BesucherInnen, um ausgiebig zu probieren und das Weinwissen zu erweitern. Klar reizt es viele, für nur 10 Euro bis Mitternacht Wein zu trinken – dennoch gebührt Christoph Hinderfeld und seinem Team Anerkennung dafür, jungen Berliner*innen Wein aus insbesondere deutschen Anbauregionen auf unkomplizierte Weise näher zu bringen.

 

Von Events wie der Langen Nacht profitieren auch die Hallengastronomen der Arminiusmarkthalle, dessen Konzept sich vor allem durch ausgezeichnete Restaurants von anderen Markthallen Berlins absetzt. So bot an diesem Abend das auf Burger spezialisierte Pound & Pence Schwäbische Deie (eine Art Flammkuchen) an, während der „Hofladen“ Kässpätzle kredenzte – beides laut der anwesenden Schwaben authentisch und in jedem Fall köstlich. Auch die Ceviche des peruanischen Restaurants Naninka mundete hervorragend zu Württemberger Riesling und Muskatrollinger Rosé. Permanent von einer Menschentraube umringt war Kult-Käsehändler Fritz Blomeyer, der eine Auswahl bester württembergischer Käse wie den Geifertshofer Schwarzbierkäse von der Geifersthofer Dorfkäserei und den Weißen Jagsttaler von den Honhardter Demeterhöfen mitbrachte.

 

Mit Württemberg verbinden die meisten Rotweine wie den Trollinger, der es außerhalb Württembergs immer noch schwer hat. Neue Wege gehen deshalb Winzerinnen wie Viola Albrecht vom Weingut Albrecht-Kiessling, die unter anderem einen Muskattrollinger Rosé mit würzig muskatbetonter Duftnote und einem leichten Duft von Veilchen und Wildrosen im Gepäck hatte: „Wir sind ein bunter Haufen starker Charaktere aus drei Generationen und ziemlich frauenlastig. Gerade befinden wir uns im Generationenübergang, eine spannende Angelegenheit“, sagte sie uns. Und das merkt man den Weinen an, zu denen auch typisch Württemberger Lemberger-Cuvées, Rieslinge und Grauburgunder (laut Aussage vieler Winzer*innen in diesem Jahr absoluter Verkaufs-Hit) gehören.

 

Für uns als Aperitivistas waren wie immer die Sekte und Aperitif-Weine besonders interessant. Unser Highlight bildete in diesem Jahr der Muskateller-Sekt – mit der charakteristischen Note und einer gewissen Restsüße sicherlich nicht jedermanns Sache, für uns aber vor allem eisgekühlt ein unwiderstehlicher Einstieg in den Abend. Auch wenn Württemberg viele gute Muskatteller-Sekte im Angebot hat, bleibt unser Favorit der 2016 Muskateller Sekt extra trocken vom Weinkonvent Dürrenzimmern aus der Region Heuchelberg – nicht umsonst wurde die Genossenschaft bereits zum dritten Mal mit dem Bundesehrenpreis ausgezeichnet. „Extra trocken“ bedeutet in diesem Fall (im Gegensatz zur Klassifizierung beim Wein) immer noch eine Restsüße von 12-20 g/l, die allerdings von der Kohlensäure im Geschmack unterdrückt wird. Das Ergebnis ist ein trockener, aber gleichzeitig aromenintensiver, fein ausbalancierter Sekt, der sich hervorragend als Einstieg zu einem üppigen Festessen oder sogar als Digestif zum Käse eignet. Ebenfalls großartig schmeckte der Sankt Veit Riesling Sekt Brut der Genossenschaftskellerei Heilbronn, bei dem ausgesuchte Rieslingweine nach traditioneller Champagner-Methode zu einem spritzig-eleganten Sekt ausgebaut werden – mir persönlich in der Variante brut noch etwas gelungener als der extra brut (der im Geschmack deutlich trockener erscheint als der vorher beschriebene Muskatellersekt.)

 

Wen nach dem Ende der Langen Nacht der Weine die Lust auf Württemberger Weine gepackt hat, kann diese im Württemberger Weinhaus im Lotte-Lenya-Bogen am Zoo probieren, sich von René Arnold beraten lassen oder am besten an einem seiner großartigen Weinabende teilnehmen. Und vielleicht gibt es im nächsten Jahr ja wieder eine Lange Nacht der Württemberger Weine in der Arminiusmarkthalle – wir fanden es klasse und den Winzer*innen hat es in Berlin auch super gefallen!

Aperitivo Italiano: 72 Stunden Happy Hour in Berlins besten italienische Küchen

Aperitivo Italiano: 72 Stunden Happy Hour in Berlins besten italienische Küchen

Wer mich kennt weiß, dass ich eine geradezu neurotische Beziehung zu Fett habe und es meide wie der Teufel das Weihwasser. Bei Emmanuele Cirillos (der meine Lieblingspizzeria Malafemmena in Friedenau betreibt) Pizza fritta und Crostini fritti setzen all diese Mechanismen auf magische Weise aus: ich nehme ein triefendes Stück, genieße es und will direkt das nächste.

Dabei war das erst der Anfang der vielen Aperitif-Spezialitäten an diesem Eröffnungsabend zu „72hrs True Italian Food“ in der Blogfabrik, zu der die großartige Initiative „True Italian Berlin“ (dahinter stehen die beiden „Echtes Italien in Berlin“-Botschafter Andrea d’Addio und Sara Trovatelli von Berlin Italian Communication) geladen hatte. Wir probierten uns durch Trüffel-Panuozzi von Pizzare, Arancini di Tartufo von Ammazza che Pizza und der leckeren Porchetta aus Rom von Prometeo (auch das empfehlenswerte Pizzerien), Caponata, Arancine und die Calamaretti (kleine Tintenfische) von der Focacceria San Francesco, und dem hochwertigen Olivenöl und den leckeren Pasten von Olio Costa.

Dazu wurden Cocktails von Amaro Lucano und Limoncetta gereicht, wobei letzterer uns als Aperitif besser, weil frischer schmeckte. Eigentlich zum Schluß waren die göttlichen sizilianischen Cannoli mit (echten!) Bronte-Pistazien von Duo Sicilian Ice Cream gedacht, wir verdrückten sie aber bereits, während wir auf die Cocktails warteten: Divini! Göttlich! Dafür werde ich in Zukunft sogar einen Abstecher an den Kotti machen… Am Eröffnungsabend nicht dabei, aber unbedingt empfehlenswert ist der der Hotspot für Eisliebhaber schlechthin: im Cuore di Vetro in der Max-Beer-Straße macht Angelica Kaswalder das wohl beste italienische Eis in Berlin.

Großartig an dem Festival ist die Idee, Berliner*innen jenseits vom Pizza-Lieferservice auf der einen und der Smoothie-Kultur auf der anderen Seite authentische italienische Küche nahezubringen – Liebe geht bekanntlich durch den Magen (oder wie die Italiener sagen: „prendere qualcuno per la gola“): „Durch True Italian wollen wir ein Netzwerk italienischer Gastlokalen schaffen, deren Produkte, Zutaten, Gerichte und Philosophie der echten italienischen Esskultur entspringen. Dieser bedeutet Originalität in den Rezepten und hochwertige Zutaten“ betonen die Organisatoren. „Durch Gerichte, die Nicht­-Italienern oft unbekannt bleiben, wollen wir die italienische Esskultur weiter verbreiten.“

Erkennbar sind die an dem Netzwerk teilnehmenden Lokale durch den True Italian-Aufkleber am Schaufenster – auch nach dem 72hrs-Event. Während des Events fragt man in einem der teilnehmenden Restaurant nach dem speziellen 72 hrs True Italian Food-Angebot, probiert etwas Anderes von der Karte oder zieht zum nächsten 72hrs-Italiener weiter.

Das Festival mit 58 teilnehmenden italienischen Restaurants in Berlin startet am Donnerstag, 27. September und geht bis zum Sonntag, 30. September. Mehr Infos dazu gibt es im Berlino Cacio Pepe Magazine. Alle teilnehmenden Restaurants findet man auf einer dem Berliner U­-Bahn-­Plan nachempfundenen Karte, auf der die True ­Italian ­Restaurants mit Öffnungszeiten und Spezialitäten neben den U­-Bahn­-Stationen eingezeichnet sind.

Nach zwei Stunden und einem sizilianischen Sänger, der das Kunststück fertigbrachte, Fabrizio di Andrés Lieder auf Genovesisch zu singen, rollten wir mehr nach Hause als dass wir gingen – gut, dass die Besucher*innen genau 72 Stunden Zeit haben, um sich durch die besten italienischen Aperitifs in Berlin zu probieren. Buon appetito!!!

„Take it easy“ – Karneval der Sinne im Wintergarten oder: die schönsten Klos der Stadt

„Take it easy“  – Karneval der Sinne im Wintergarten oder:  die schönsten Klos der Stadt

IMG_5438

Ich mag den Wintergarten an der Potsdamer Straße in Schöneberg. Für mich eine der Institutionen, die Berliner gesehen haben müssen –  und ein sicherer Tipp für jeden amüsierwilligen Touristen sowieso.

Bei der Eröffnung vor 25 Jahren war ich dabei; und damals schon restlos begeistert. Nachdem der aktuelle Hype um „Babylon Berlin“ die Stadt immer mehr in einen 20-Jahre-Sündenpfuhl mit Swing-Tanz-Veranstaltungen und verruchten Rendezvous an „Grüne-Fee-Bars“ verwandelt, scheint mir dieses eigentlich aus der Zeit gerutschte Varieté mit den roten Plüschvorhängen und livrierten Kellnern so aktuell wie nie.

Da fällt mir ein: ich mache demnächst definitiv einen Swing-Tanzkurs! Und werde natürlich berichten!  

Jetzt war ich wieder mal zu einer aktuellen Premiere geladen. Und hier schon ein kleiner Hinweis: ich erzähle zunächst über den äußerst gelungenen Auftakt der neuen Show, handwerklich sauber, abwechslungsreich, ein Spaß und kurzweilig auf jeden Fall. Dann allerdings möchte ich über die Toilette reden. Genau! Denn seit Orpheus hat wahrscheinlich nie wieder eine Unterwelt mit solchen Reizen gelockt: Ich weiß, es gab einen riesigen Bahnhof zur Eröffnung. Aber da war ich nicht dabei. Also durfte ich wie im Rausch das Klo, gestaltet von Hut-Designerin Fiona Bennett, erstmals erleben. Und war – sprachlos! Zum Glück sind die Voraussetzungen hier so ausgereift – mit Lautsprechern und fest integrierter Champagner-Bar –  dass dieses rund 270 m² große Schmuckstück auch für Partys und Empfänge gebucht werden kann.

Doch vor dem Vergnügen erst das Vergnügen: „Take it easy“ heißt die neue Show im Wintergarten und ist definitiv „kein Griff ins Klo“;-). Zur Premiere war es bitterkalt in Berlin – draußen minus 14 Grad. Drinnen jedoch ging es hoch und heiß her. Eine Show mit viel Akrobatik, Zauberkunst, Illusion und Livemusik verzauberte das Premierenpublikum. Ein „Roadtrip zu den Wurzeln des Rock und Pop“ versprach das Programm – und so war es dann auch. Hatte die Band anfangs noch Anlaufschwierigkeiten – das kann auch an den Temperaturen gelegen haben – entwickelte sich der Abend mit jedem Hit mehr.

Harte Kerle in Lederjacken, eine Truppe Akrobaten mit unglaublichen Sixpacks und noch mehr Oberarmen, eine außergewöhnliche Jonglage- und Diabolo-Nummer, eine Sexbombe, die auf einer Harley Davidson turnt, ein Liebespaar in einer unglaublich-sinnlichen Ballet- Performance, Spaß mit dem Bauchredner und ein Promi, der durch Programm führt: Tim Wilhelm, seit sechs Jahren Frontmann der Münchner Freiheit. Die Mischung hat Charme und Tempo, Humor, Sex, lässt den Besucher staunen, ist stimmungsvoll, romantisch und kurzweilig. Dazu Hit an Hit von Johnny Cash, Dolly Parton, James Blunt, Rolling Stones, Nirvana, Ed Sheeran – Country, Folk. Rock. Das Premierenpublikum tanzte am Ende begeistert mit! Also hingehen, Spaß haben und einen Abend alles eher „easy“ sehen.

Die Show läuft bis 10. Juni immer mittwochs bis sonnabends um 20 Uhr und sonntags um 18 Uhr

Zum Glück musste ich mal aufs Klo! Zuerst unfreiwillig und dann noch dreimal hintereinander – freiwillig! Ich bin selten komplett „geflasht“ – diesmal war ich es!

First Flush nennt sich das neu gestaltete Untergeschoss im Wintergarten. Wahrscheinlich das einzige „stille Örtchen“ Berlins mit eigenem Namen. Hutdesignerin Fiona Bennett, die ihren exklusiven Salon gleich gegenüber betreibt,  durfte sich hier – zusammen mit ihrem Geschäftspartner Joachim Böhme, auf Feinste ausgetoben. Fiona, die u.a. für Brad Pitt und Yoko Ono originelle Kopfbedeckungen entwarf, wurde vom Chef des Hauses, Varietè-Direktor Georg Strecker, beauftragt. Er liebt ihren Salon, ihre Phantasie und ihre Kreationen – und ließ ihr freie Hand. Vorher war der Zustand typisch: nur drei öde Damenklos im Foyer, in den Pausen stets lange Schlangen. Jetzt kann man für die auftretenden Künstler nur hoffen, dass die Damen und Herren nach der Pause vom Pullern überhaupt wieder in die Vorstellung kommen!

Über die Kosten wird nur gemunkelt – aber eins ist sicher: es war teuer, alles ist vom Feinsten und maßgeschneidert, mehr als 200 Manufakturen waren an diesem Meisterwerk beteiligt. Über die geschwungene Freitreppe geht es in die rund 270 m² großen Unterwelten. Das Männerklo – Gentlemen first – besteht aus winzigen blauen Mosaiksteinchen, Spiegelbrücken ziehen sich über den gesamten Raum, die Waschbecken sehen aus wie fallende Tropfen, sind aus Bronze und 90 Kilo schwer.  Schattenmaler haben die Silhouetten von Artisten auf die Rückseite der Kabinen gezaubert und die Spiegel geben den pinkelnden Herren die Illusion, auf dem Kopf zu stehen.

Rund drei Jahre dauerten die Vorbereitungen– aber das Ergebnis ist jeden Cent und jede Minute wert. Hier unten wird die Welt des Varietés und der Magie weitergelebt. Perfekte Illusion mit Motiven des Tingeltangel: Tauben, die aus Zylindern flattern, fliegende Bälle, Kugeln, Masken. Die Flügeltüren ins Reich der Damen sind verziert durch eine opulente Milchglasscheibe. Dahinter ein Mädchentraum: Ein Schminkspiegelbaum mit acht rosébeigefarbenen Samthockern. Die Toiletten selber befinden sich in einem Art-Deko-Tunnel, der sich perfekt für Foto-Shootings eignet. Das Abgefahrenste aber sind die Spiegel: Tritt man heran, wirbeln beinahe magisch weiße Federn vor der Glasscheibe! Fiona Bennett findet es „meditativ“, ich finde es einfach grandios. Und mag mal prophezeien: Küchenpartys sind total gestern! Heute feiert man gesellschaftliche Ereignisse auf dem Klo im Wintergarten.

Mehr Informationen zu den Künstlern, Preisen und Zeiten gibt`s hier