Rosé Wein aus Italien: Vorverkostung zur Vinitaly 2022

Rosé Wein aus Italien wird auf der Vinitaly 2022 vom 10. – 13. April in Verona eine wichtige Rolle spielen. Angesichts einer weltweit steigenden Nachfrage nehmen sich nun auch die italienischen Winzer*innen dem in Italien bisher eher vernachlässigten Trendwein an. Im Vorfeld der 54. Ausgabe der Vinitaly, der wichtigsten Messe für italienischen Wein, hatten wir die Gelegenheit, fünf bemerkenswerte Rosés zu verkosten. Durch die von der ITKAM organisierte Online-Verkostung von Rosato – italienisch für Rosé – führte der auf italienischen Wein spezialisierte Journalist Jens Priewe.

Bollicine rose: Prosecco Rosé und Chiaretto di Bardolino Spumante

Wir starten die Verkostung von Rosé Wein aus Italien mit einem Prosecco Rosé. Erst seit 2021 gibt es diese Appelation innerhalb des Prosecco-Gebietes. Sie hat in kürzester Zeit einen wahren Boom erlebt, wobei sich Deutschland bisher noch zurückhält – zu Unrecht, wie wir gleich feststellen werden. Neben der Rebsorte „Glera“ dürfen in die Rosé-Variante auch 10-15 % Pinot Noir. Pflicht ist auch die Jahresangabe, und es muss sich um Spumante handeln, also Schaumwein und keinen Perlwein. Unser Prosecco Consorzio Tutela Prosecco Doc hat 11% Alkohol, und hat als Extra Dry (der fast 70% des Prosecco Rosés ausmacht) noch ein bisschen Restzucker. Er lag 4-6 Monate auf der Hefe und wird mit der Methode Charmat, also ohne Flaschengärung, hergestellt. Zur blumigen Nase mit etwas Rose gesellen sich Himbeer- und Erdbeeraromen, auch die feine Perlage fällt auf. düfte, während beim weißen Prosecco mehr grüner Apfel oder Birne vorherrschen. )

Sehr leicht ist unser nächster Rosé Wein, der vom östlichen Ufer des Gardasees kommt: Beim Chiaretto di Bardolino Spumante fallen die hellere Farbe und die feine Säure auf, die generell das Rückfgrat aller Schaumweine bildet. Dieser sehr leichte Wein schmeckt trotzdem sehr substanziell und eignet sich sowohl als Aperitif als auch zu leichten Vorspeisen.

Anspruchsvoller Rosé vom westlichen Gardaseeufer

Der dritte Rosé Wein aus Italien stammt vom westlichen Ufer des Gardasee, das sich deutlich von der Weinkultur des Ostufers unterscheidet. Der Valtellinesi aus der typischen Rebsorte Gruppello stammt von einem kleinen Bio-Produzenten. Dieser hellere Roséweine pelzt durch die Tannine ein wenig am Gaumen und läuft über die Zunge wie Weißwein. Es handelt sich hier um einen absolut anspruchsvollen Rosé mit kräftiger, fast an Riesling erinnernder Säure. Mit 12,5 % Alkohol ist er relativ leicht, seine korallenartige Farbe bekommt er durch 22 Stunden auf den Schalen. Der Valtellinesi zeigt, dass Rosé kein Operettenwein sein muss, derdurchaus mit Weißwein mithalten kann.

Rosé mit Rotwein-Appeal: Cerasuolo d’Abruzzo

Die Abbruzzesen hören nicht gerne Rosé-Wein, weil der Cerasuolo eigentlich ein Rotwein ist. 70% der Weinberge in den Abbruzzen sind Montepulciano-Trauben. Gewünscht war eine leichtere Version des Rotweins, dennoch ist dieser Rosé aber immer als Rotwein konzipiert, vinifiziert und verstanden worden. Er besteht aus 100% Montepulciano-Trauben und , das kleine Weingut arbeitet biologisch dynamisch. Man merkt sofort, dass es sich hier um einen ganz anderen Typus als bei vorherigen Rosé Weinen aus Italien handelt. Er ist sehr viel beerenfruchtiger als die anderen Rosé-.Weine. Es steigt weniger Hefeduft in der Nase, denn hier handelt es sich in der Tat um einen leichten Rotwein, der nur 5 Stunden auf der Maische lag und trotzdem über eine kräftige, für die Montepulciano-Traube typische Farbe verfügt. Er wurde nicht im Holz ausgebaut und lag nach der Gärung lediglich ein paar Monate im Betontank, ehe er abgefüllt wurde.

Intensiver Ciro aus Kalabrien

Auf diesen Wein haben wir uns besonders gefreut, da Kalabrien zu den unterschätztesten Weinbaugebieten Italiens zählt und in Deutschland noch wenig bekannt ist. Nachts fallen die Temperaturen stark ab, was zu sehr ausdrucksstarke Weinen führt. Die Region hat eine lange Küste, und da man zu Fisch auch den richtigen Wein braucht, wird ein größer werdender Teil Kalabriens in Rosé vinifiziert. Auch hier gibt es eine große, lange Tradition von Rosé-Weinen, die allerdings mehr als Weissweine konzipiert wurden. Während Roséweine früher gerne mal aus den ausortierten Rotweintrauben vinifiziert wurden, ist das heute kaum noch möglich und bei diesem Wein schon gar nicht der Fall. Hier wurden rote Trauben speziell für die Rosé-Wein-Produktion verwendet. Cirò ist das wichtisgte Anbaugebiet in Kalabrien, und dieser Wein wurde aus dem autochtonen Gallioppo gemacht, außerdem ist 10% Syrah ist in die Cuvée eingegangen. Er hat eine etwas intensivere Farbe, Säure, und Leichtigkeit – fast wirkt er wie ein Weißwein mit lachsfarbenen Reflexen. Ganz klar handelt es sich hier um einen meditteranen Rosé, er ist aus dem Vorlaufmost gekeltert, vorsichtig ausgepresst und temperaturkotrolliert vergoren. Er ist für ein schnelles, umkompliziertes Konsumieren und eher für die mediterrane Küche denn zum Meditieren geeignet: Mit diesem Rosé aus Italien beginnt definitiv der Sommer.

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