Christine Bovill in der Bar jeder Vernunft: Tonight You Belong To Me

Christine Bovill in der Bar jeder Vernunft: Tonight You Belong To Me

Die Mischung war perfekt: fast schon intime Clubatmo, eine brillante Sängerin mit rauchigem Jazz- und Blues-Timbre in der Stimme, amüsante Geschichten aus den Roaring Twenties in Amerika mit Liedern, die mein Herz berühren. Christine Bovill, bekannt und ausgezeichnet für ihre Interpretation französischer Chansons, entführt ihr Publikum in die wilde Zeit zwischen 1919 und 1929, in die Roaring Twenties.

Roaring Twenties

Ihr Auftritt in Bar jeder Vernunft ist minimalistisch – nur ein wenig Dekoration , mal ein Stirnband im 20-Jahre-Look, eine Whiskeyflasche in der Hand, ein wenig Rauch aus der Nebelmaschine und schon ist ihr Publikum hundert Jahre zurück. Sie erzählt aus der Welt der „Flapper“, der eigenwilligen und sich erstmals emanzipierenden Jazz-Ladys, die sich von ihren Männern, langen Mähnen und engen Korsetts befreiten, von starken Jungs und leichten Mädchen, der Prohibition, dem Alkohol-Schmuggel und Gangstern wie Al Capone, die damit reich wurden. Babylon Berlin in Amerika.

Illegale Nachtclubs und die Anfänge des Jazz

Mehr als 30 000 illegale Nachtclubs in geheimen Kellern soll es damals in New York gegeben haben. Was für eine Zeit. Sie interpretiert die Lieder, die bis heute unvergessen sind, von Komponisten, die Geschichte geschrieben haben:  Cole Porter, Irving Berlin, George Gershwin. Tonight, You Belong To Me, Puttin’ On The Ritz, Blue Skies, Ol’ Man River, Bye Bye Blackbird – Evergreens, unvergessen, für immer Hits.

The Lady is a Tramp

Sie erzählt von F. Scott Fitzgeralds „Great Gatsby“, erinnert an die New Yorker Schriftstellerin Dorothy Parker und ihren Kampf für das Frauenwahlrecht, den Piloten Charles Lindbergh, dem im Mai 1927 erstmals mit seiner „The Spirit of St. Louis“ der Atlantiküberflug von New York nach Paris gelang, an die Jazzlegenden Betty Smith und Josephine Baker, die 1926 beinahe nackt, nur mit Bananenröcken bekleidet, auch Berlin verrückt machte und wie eine Göttin gefeiert wurde. Nach der Pause erscheint sie als Tramp mit Charlie-Chaplin-Bärtchen und interpretiert zum Weinen schön seinen Welthit „Smile“.

Schwarze Musik im New York der 20er Jahre

Aber auch die Rassendiskriminierung ist Thema, wenn sie vom Erstarken des Ku Klux Klan erzählt und dem Schicksal schwarzer Musiker auf schillernden Bühnen  – stets vor einem weißen Publikum. Die ehemalige Lehrerin aus Glasgow spricht, lacht, flirtet, haucht, singt und entführt so an den Broadway, die Clubs in Harlem und die dunklen Gassen New Yorks –  in ein wildes, melancholisches, sinnsuchendes, amüsiersüchtiges und sexbeladenes Jahrzehnt – stets wunderbar begleitet von ihrem Pianisten Michael Bradey.

Seeliges Publikum

Und nicht nur auf der Bühne ist sie greifbar, nah, charmant, amüsant. Auch beim Empfang nach der Premiere ist sie authentisch. Und glücklich, dass sie ihr Berliner Publikum erreicht hat. Ein Publikum, das ihre Witze verstanden und an den richtigen Stellen gelacht hat und beseelt mit einem Glas in der Hand auf einen perfekten Abend anstößt.  Ich bin glücklich für diesen zauberhaften Abend und die handsignierte CD, die Gesa mir geschenkt hat. Vielen Dank!!!!! Und nur um den anderen Gästen nicht den Abend zu versauen, habe ich nicht mitgesungen….

Die kommenden Auftritte

Am 9. und 10. September 2019 ist Christine Bovill nochmals in Berlin. Karten und mehr Infos gibt es in der Bar Bar jeder Vernunft!

Schönheit mit Stimme: Laura Victor im Hotel Provocateur

Schönheit mit Stimme: Laura Victor im Hotel Provocateur

Als Together Partners zu einem Abend mit Laura Victor & Band einlud, zögerte ich nicht lange mit der Zusage: Erstens weil die Events von Marina, Petra und Co. immer toll sind und zweitens weil ich neugierig auf den neuen Berliner Hotspot Hotel Provocateur in der Brandenburgischen Straße war. Von Laura Victor hatte ich noch nie etwas gehört, aber ein Abend mit Chansons aus den 30er-Jahren klang vielversprechend.  Die Veranstalterinnen hatten vorsorglich mit reichlich zeitlichem Vorlauf eingeladen, weil „die BerlinerInnen immer zu spät kommen“. So hatten wir Zeit, als echte Aperitivistas die Drinks an der Hotelbar zu testen.

Der Lillet mit Koriander in der mit dicken Samtvorhängen verdunkelten Bar war ok, Micheles Alternative mit Beerensirup schmeckte vor allem nach Letzterem. Das Boudoir-Ambiente ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig, wenn draußen die Sonne scheint, aber es passte gut zum Konzertprogramm und war die perfekte Kulisse für die bildschöne Laura Victor, die hier für die Pressefotos mit perfektem Make-up von Betty Amrhein, langen Beinen und 20er-Jahre-Wellen posierte. Wir begeben uns also ins langgezogene Basement des Hotels,  das außer ein paar Sesseln und Barhockern nur Stehplätze bot – und auch die waren knapp. Das Secret-Showcase der Newcomerin hatte sich rumgesprochen: statt der erwarteten 100 Gäste waren es fast doppelt so viele, die den Auftritt von LAURA VICTOR & BAND erleben wollten – für mich als tendenziell Klaustophobe eine echte Herausforderung.

Auch wenn das Mikro des Hotels Lauras Stimme keinen Gefallen tat, machte es Spaß, ihr zuzuhören:  ein bisschen Hildegard Knef, ein Hauch Marlene Dietrich, eine Prise Zarah Leander und ganz viel Liza Minelli – eigenwillig interpretiert und gelungener bei den 30er-Jahre-Liedern als etwa dem Cover-Song von Grönemeyers „Männer“. Auf jeden Fall war es gut, ganz nah ranzugehen an Laura Victor – dann zieht sie ihre Zuhörer optisch und akustisch in den Bann. Ich bin gespannt, wie es mit der erst 27-jährigen weiter bzw. wo die Reise hingeht – viel Erfolg!