Guck mal, eine Fee: Die Botanische Nacht 2021

Guck mal, eine Fee: Die Botanische Nacht 2021

Ich habe eine große Schwäche für Feen und andere Waldwesen, Kobolde, Riesen, Magier und sprechende Bäume. Und das mitten in Berlin. Was für ein Glück, dass sich einmal im Jahr  der Botanische Garten in Steglitz genau in einen solchen Wunderwald verwandelt. Die Botanische Nacht als Botania 2021: Ein ganz besonderes Erlebnis, hat man das Talent, sich in eine Zauberwelt aus Licht, Musik und Illusionen fallen zu lassen.

Seit 2008 gibt es dieses Spektakel einmal im Jahr. Wegen des großen Erfolgs lädt der Botanische Garten inzwischen sogar an zwei Wochenenden im Sommer das lustwandelnde Volk zum flanieren und staunen zur Botanischen Nacht

Botanische Nacht: Spaß im Funkeltal

Vier Tage, die der Magie gehören. Zur Boantischen Nacht ist das riesige Gelände eingeteilt in acht Naturwelten, die so zauberhafte Namen tragen wie Idyll der Illusion, Die stummen Berge, Hain der Hoffnung, Funkeltal oder Dunkelwald. Rund 16 Kilometer Wegstrecke, auf denen Licht, Klang und Kunst warten. Manchmal überraschend aus dem Gebüsch springend, manchmal einfach als Bühnenspektakel mit durchaus irdischen Bands, die auch mal den Schnunkelhit „Cordula grün“ intonieren. Da passt vielleicht nicht unbedingt der Rhythmus dieser Botanischen nacht, aber durchaus die Farbe im Namen des Titels.

Zwischendurch warten verschiedene Fressbuden mit mehr oder weniger schmackhaften Angeboten vom Grill auf hungrige Wanderer durch die Botanische Nacht. Und natürlich gibt`s auch genügend Bier, Wein und Aperol Spritz in To-Go- Qualität. Gibt sicherlich besseres, aber darum geht es in dieser Nacht ja gar nicht. Schließlich soll ja keiner dursten auf den langen Wegen durch die Welt der Magie im Botanischen Garten. Es empfiehlt sich allerdings, nicht nur bequeme Schuhe, sondern auch ein etwas dickeres Portemonnaie einzustecken.

#BO Berlin – Botanischer Garten als Wissenszentrum

Und während es bis zwei Uhr nachts glitzert und funkelt, strahlt und klingt, duftet und die Stunden immer mehr in einem surrealen Zauber versinken, bleibt eine ganz andere Betrachtung bei Tageslicht: Der Botanische Garten Berlin ist BO Berlin – Internationales Wissenszentrum der Botanik und gehört seit 1995 zur FU Berlin.

Und in diesem Zusammenhang hat der Botanische Garten Berlin gerade erst sein Zukunftskonzept für die kommenden zehn Jahre präsentiert:  Mit der Marke BO Berlin – Internationales Wissenszentrum der Botanik unterstreicht er seine Bedeutung als einzigartiger Ort der Wissensgenerierung und -vermittlung. „Wir bewahren Wissen, wir mehren Wissen und wir teilen es mit der Welt. Im globalen Netzwerk als Knotenpunkt der Biodiversitätsforschung. Und in Berlin als Forum für Natur-Erlebnisse“, so Prof. Dr. Thomas Borsch, Direktor des Botanischen Gartens Berlin. Das Zukunftskonzept 2021-2030 umreißt die strategischen Vorhaben und zukünftigen Angebote in Garten, Museum sowie Wissenschaft und Forschung.  

Botanischer Garten steht für Biodiversität

Ein neu gegründetes Zentrum für Biodiversitätsinformatik und Sammlungsdatenintegration soll den Wissens-Hub in den kommenden zehn Jahren weiter ausbauen. Dazu gehören Planungen, gemeinsam mit wissenschaftlichen Partnerinstitutionen in aller Welt eine global vernetzte Dateninfrastruktur der Botanik zu schaffen, die zukünftig auch Data-Modeling-Projekte ermöglicht.

Ein Upgrade für Garten und Museum

Für die Gäste aus Berlin und aller Welt werden in den nächsten zehn Jahren zahlreiche neue Angebote in Garten und Museum entstehen. Mehr als 17 Millionen Euro fließen bis 2023 aus Fördermitteln der „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) in die touristische Erschließung und Verbesserung der Infrastruktur sowie die Aufwertung der Gartenanlage. Zugegeben – das klingt spektakulär. Aber zum Glück treiben nachts, wenn die Wissenschaftler schlafen, immer noch  Kobolde, Waldgeschöpfe und Feen ihr Unwesen. Und das hoffentlich noch viele Jahre während der Botanischen Nacht – und auch davor und danach.

Küchenparty im 12seasons

Küchenparty im 12seasons

Lust auf eine Küchenparty im 12seasons? Ab jetzt lädt das Charlottenburger Restaurant in der Giesebrechtstraße 3 jeden Monat einmal zum Feiern rund um Herd und Tresen. Wir waren zum Kick-off am 1. August dabei.

Für außergewöhnliche Ideen waren die Jungs vom 12seasons von Anfang offen. Als ihnen Corona einen Strich durch die geplante Neueröffnung im vergangenen Jahr machte, präsentierten sie kurzerhand einen saisonalen Pop-Up-Markt mit exklusiven To-Go-Gerichten auf der kleinen Terrasse vor dem Restaurant. So kann man den Nachbarn auch mitteilen: Hallo, wir sind die Neuen im ehemaligen Kultladen Juleps.

Ja, wir haben Lust auf die Küchenparty im 12seasons. Und der August strahlt uns in auffälligen Neonbuchstaben mit Hashtag entgegen. Der Schriftzug hängt gut sichtbar über der Szene und beleuchtet in einem auf den Rest der Einrichtung abgestimmten lila-pink Gäste, Tresen, Küche und viele Gläser, die im Laufe des Abends gefüllt und getrunken werden. Und jetzt dürfen die Gastgeber Tim Hansen und Vitali Müller mit Küchenchef Kamel Haddad endlich volle Lotte zeigen, was sie können – und bleiben natürlich dem Motto und dem Konzept treu. Jeder Monat hat sein eigenes Gesicht im Zeitenwandel – 12 Jahreszeiten = 12seasons.

Kick-Off im August

Für den August und ihr Kick-Off-Event der monatlichen Küchenparty-Reihe servieren die Herzblut-Gastronomen Lachsforelle mit Wassermelone und Harissa, Zucchini mit Avocado, weißer Schokolade und Senf, Wildente an Bohnen und Kirsche und Brie mit Aprikose. Als Abschluss werden die rund 80 Gäste der Küchenparty im 12seasons mit Pfirsich, Lavendel und Mais verwöhnt. Wer zur Weinbegleitung Abwechslung möchte, genießt die Cocktails von Mixer Andreas Andricopoulos, der aus dem Golvet für diesen Monat im 12seasons zu Gast ist. Er servierte unter anderem Paere, einen Aquavit; Birnenbrand mit Salz-Mix. Und sehr großen und außergewöhnlichen Eiswürfeln. Auch optisch eine Offenbarung. 

Black Beauty in Berlin

Für das international erprobte Gastronomen-Trio ist das Konzept vor allem trendig: „Wir widmen uns intensiv der Saisonalität, nicht nur weil es zeitgemäß und verantwortungsbewusst ist, sondern weil jede Jahreszeit hervorragende Produkte mit einem einzigartigen Geschmack bereithält“, erklärt Inhaber Tim Hansen und sein Partner Vitali Müller ergänzt: „Saisonal zu kochen ist nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern auch zeitgemäß und verantwortungsbewusst.“

So wie die Monate werden zukünftig Gerichte, Farben, Formen und auch das Wein- und Cocktailangebot wechseln. Beim stimmungsvollen Raumkonzept haben die Chefs eng mit dem Architekturbüro Neikes zusammengearbeitet. So war das Paar dann auch geladen zum Eröffnungsabend. Dazu trug Regine Neikes übrigens eine leuchtend bunte Kombination aus Rock und Bluse – diametral konträr zum Farbkonzept des 12seasons.

Der Arbeitstitel des Restaurants in der Planungsphase war nämlich „Black Beauty“. Schwarz ist dann auch die Grundstimmung des Raumes, der mit unterschiedlichen Lichtkonstruktionen zum Leben erweckt wird. Herzstück ist der Tresen rund um die Bar mit insgesamt 20 Plätzen, der die offene Küche umschließt. Der Raum wirkt modern, international und durch die Möglichkeiten der Lichtspielereien immer wieder anders. Der Bodenbelag im Missoni-Stil aus recycelten Fischernetzen und die Vinyl-Tapete waren nicht nur wirklich teuer, sondern runden das Bild ab. Für die Gründer ein magischer Ort mit sehr viel mehr Möglichkeiten als nur Restaurant; auch Raum für private Feiern, Kochschule, Events usw.

Das 12seasons mit dem schwierigen Start in die anspruchsvolle Berliner Gastro-Szene ist ihr eigener Kosmos, bei dem alles stets im Wandel ist – bis auf die hohe Qualität und der Anspruch an das Glück der Gäste.Wir freuen uns jetzt schon auf den September. Karten für die Küchenparty kosten übrigens 55 € und garantieren einen lustvollen Sonntagnachmittag.

Träumen im Kunstwerk

Träumen im Kunstwerk

Wandkünstler Michele Ormas verzaubert Schlafzimmer

Wie schön, wenn Träume wahr werden. Und wie einfach im Grunde, wenn Farbe dafür reicht. Natürlich nicht nur Farbe: Diese gelben, blauen und goldenen Töne in der Hand von Wandkünstler Michele Ormas, erfüllt mit kreativem Leben und umgesetzt in detailverliebter Genauigkeit, verzaubern ein kleines und unscheinbares Zimmer in ein Gesamtkunstwerk.

Die Idee

Mein Schlafzimmer ist im Grunde langweilig. Lang, schmal, dunkel. Trotzdem irgendwie gemütlich. Bislang eher orientalisch. Jetzt soll frischer Wind her. Anders. Kreativ. 15 m² Zimmer mit Nordfenster, Rückwand im Schatten. Ich möchte etwas anderes. Der Bühnenbildner und Wandkünstler Michele Ormas ist es, der mein Vertrauen gewinnt. Er wird der Künstler, der mein Schlafzimmer verzaubert. Ich lasse ihm freie Hand. Nur ein bisschen mische ich mich ein, den Rest mischt er. Er sieht mein Bett und mich darin als Mittelpunkt meiner nächtlichen Träume. „Alles, was Du in dieser Dimension erlebst, soll mit der Wandgestaltung illustriert werden“, sagt der charmante Italiener. Und zu Gesa sagt er: „So wie ich Martina in ihrer muntereren Intelligenz und Lebendigkeit wahrnehme, kam mir als Erstes das Bild eines Schmetterlings in den Sinn. So sind zwei Flügel, die sich gemeinsam mit ihrem Schatten bewegen, zum zentralen Gestaltungsmerkmal geworden – so als ob sie mit ihrem Rücken lebendige Spuren auf der Wand hinterlassen.“

Die Umsetzung – Wandkünstler verzaubert Schlafzimmer

Für Michele liegt in der halbdunklen Rückwand sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance. Er entscheidet sich für einen tiefblauen Anstrich (Farrow&Ball: Stiffkey Blue), der an den Seiten und an der Decke fortgeführt wird und so für eine dreidimensionale Tiefe sorgt. Als Kontrast und zur Aufhellung des Zimmers wählt er einen sonnengelben Kreis, den er mit gelber Abtönfarbe selber mischt, im Zentrum der blauen Rückwand – inspiriert vom amerikanischen Maler und Illustrator Norman Rockwell, der solche Kreise ikonenhaft als Hintergründe seiner komplexen Lebensszenen verwendet. Um den Kreis trägt er einen Rand in Blattgold auf, die Außenränder werden mit einer Zierleiste im selben Blau abgeschlossen. Für den Schmetterling erstellt er zunächst eine Schablone, die die Dimension zeigt und mit deren Hilfe er ihn auf die Wand aufträgt.

Verliebt ins Detail

Michele arbeitet gründlich. Den Kreis als Mittelpunkt klebt er exakt ab – keine Ahnung, woher er diese Präzision nimmt. Mit buddhistischer Ruhe zieht er seine Bahnen. Das gelbe Runde nimmt Formen an und strahlt schon bald wie eine Sonne. Ein interessanter Kontrast – gelb und blau. Mit goldener Farbe akzentuiert er den Kreis und teilt den Schmetterling, deren Lebendigkeit an das Farbenspiel eines Skarabäus erinnert. Michele Ormas versinkt meditativ über Stunden in das Akzentuieren der Flügel und fügt jedem Detail schon bald ein neues hinzu.

Das Glück im Kleinen

Ein bisschen dauert es, bis der Künstler final zufrieden ist. Am Ende hat er sorgfältig gearbeitet, den schwierigen Untergrund aus einer uralten Raufasertapete besiegt, ist unauffällig im Hintergrund aktiv gewesen, hat höflich gefragt, ob das Kunstwerk gefällt. Michele hat meine Gedanken gelesen, meine Wünsche erfüllt – und meine Seele berührt. Ich schlafe ab jetzt in einem Kunstwerk, meine Träume werden behütet von einem Schmetterling, und wenn ich nachts wach werde, fühle ich mich beschützt wie in einer magischen Kammer. Danke!

Markt12 vorm Restaurant 12seasons: Gehobene Gastronomie zum Mitnehmen

Wenn das Schicksal Lösungen fordert

Wir haben Hunger. Aber vor allem Appetit auf Neues. Und freuen uns, dass uns viele der großartigen Restaurants in Berlin einen ToGo-Service der besonderen Art anbieten: Entweder für daheim, um die Speisen auf Temperatur zu bringen, oder bereits komplett zubereitet zum sofortigen Genuss. Deshalb wollten wir testen, wie lecker Takeaway in gehobener Qualität wirklich ist. Das macht Spaß, hilft gegen Langeweile und unterstützt lokal. Wir begeben uns also in die schöne Giesebrechtstraße, in der kürzlich das Markt12 vorm Restaurant 12seasons eröffnet hatte.

Köstliches von der Terrasse

Eigentlich sollte das 12seasons im ehemaligen Julep’s in der Giesebrechtstraße schon längst Tür und Küche geöffnet haben. Aber dann kamen Corona und damit Plan B. Statt nun Abend für Abend die Gäste IM Restaurant zu empfangen, haben die Gastgeber Tim Hansen und Vitali Müller und Küchenchef Kamel Haddad die Aktivitäten kurzerhand VOR die Tür gelegt. Das Markt12 vorm Restaurant 12seasons war geboren. Auf der hauseigenen Terrasse wartet ein improvisierter, aber dennoch höchst stylisher Tresen auf hungrige und durstige Gäste. Wer mag, kann auch Eingemachtes und Eingekochtes aus saisonalem Obst und Gemüse mit nach Hause nehmen. Quitten-Marmelade und Rosmarin-Sirup verlocken genauso zum Probieren und Kaufen wie selbstgebackenes Sauerteigbrot und köstlich angemachte Butter. Präsentiert wird das alles in einem äußerst appetitlichen Arrangement zwischen Weinflaschen und Blumen.

Coole Idee, coole Typen

Das Konzept vom 12seasons sieht vor, jeden Monat einen komplett neuen Speiseplan anzubieten; diese Idee wird nun auch als Takeaway weitestgehend umgesetzt. Trotz der doch recht widrigen Umstände wirken die Drei, die als Team bereits das NEUMOND in Mitte zum Erfolg geführt haben, recht entspannt. Ein Umstand, der möglichweise auch dem Innenleben des 12seasons geschuldet ist: Denn das Restaurant wirkt immer noch weit entfernt von fertig. Die Bar ist nur rudimentär zu erahnen, Teppiche liegen auch noch nicht. Alles wartet auf ein Finish im Dornröschenschlaf. Auch hier hat Corona zugeschlagen. Tim Hansen steht lässig an dem Bargerippe und erzählt: „Unsere beiden Tischler sind ausgefallen. Macht vier Wochen Quarantäne und damit Baustillstand.“ Aber irgendwie steht den Dreien dieser Baustellencharme gut, und sie wirken sehr lässig im schummerigen Halbdunkel des Provisoriums. Warum auch in Hektik geraten, wenn gerade alles irgendwie alles eher still steht. Vitali Müller: „Dennoch ist es uns gerade jetzt wichtig, unseren Gästen zu helfen, diese Zeit genussvoll zu überstehen.“ Ein Gedanke auf Gegenseitigkeit.

Lockdown-Menü mit Novemberfeeling

Dann wollen wir mal sehen und vor allem kosten, was so geht. Tim Hansen empfiehlt uns ein besonderes Lockdown-Menü; angepriesen als mit Liebe und Leidenschaft hergestellt. Wir starten mit köstlichen Kartoffel-Butternut-Rösti mit Gorgonzola-Salbei-Creme. Es folgt eine Wild-Bratwurst auf einem verboten leckeren Tomaten-Confit (Zitat von Chefkoch Kamel Haddad: „Dafür braucht man sehr viel Geduld“), dazu krosse Streifen aus Kartoffelschalen und Chili-Mayo. Die Fragezeichen zu den Kartoffelschalen finden die Lösung in einem höchst nachhaltigen Konzept, bei dem wirklich alles verwertet werden soll. Wir beenden den kulinarischen Novemberspaziergang mit rustikalen Rote-Beete-Gnocchi, die vegetarisch aussehen, durch eine deutliche Specknote aber herzhaft schmecken. Empfehlenswert! Wer einen kleinen Vorgeschmack auf das zukünftige Fine Dining im 12seasons bekommen möchte, ordert das nur am Wochenende verfügbare Menü zum Mitnehmen – für faire 40 Euro.

Prickelndes zum Warmwerden

Übrigens verkürzt uns ein Glas Bamberger Sekt äußerst prickelnd die Wartezeit. Wir plaudern auf Abstand und erfahren viel über Freundschaft, das durchaus durchdachte und ambitionierte Konzept und den Wunsch, mit neuen Ideen ihre durch die Berliner Restaurantlandschaft mitwandernde Fangemeinde glücklich zu machen.

12seasons, Giesebrechtstraße 3, 10629 Berlin. Tel.: 030 92258049

Mehr Infos zur Speisekarte und Öffnungszeiten: hier

BossHoss Buchpräsentation in Berlin: Rezepte fürs Lagerfeuer

BossHoss Buchpräsentation in Berlin: Rezepte fürs Lagerfeuer

Sie sind schon wirklich cool, die Cowboys von The BossHoss. Alec Völkel und Sascha Vollmer luden zur BossHoss Buchpräsentation in Berlin mit Grill-Performance von Tomahawk-Steaks am offenen Feuer und einem Privatkonzert „unplugged“ ins Sage in der Köpenicker Straße. Hier präsentierten sie ihr erstes Grillbuch: Rock am Grill! Warum Rezepte rund um die schönste Nebensache der Welt? „Weil wir Bock darauf haben“, so BossHoss Alec. Und auch, weil sie eigentlich eher heiße Jungs sind und Cowboys, Country und offenes Feuer einfach zusammen gehören. Grillen ist eben immer noch mehr Männersache. In dem ziemlich dicken Wälzer mit wunderbarer Haptik sind unendlich vielen Fotos, entstanden beim Shooting und Grill-Tasting auf dem Sage-Gelände. Angefüttert wird Rock am Grill mit zahlreichen Storys rund um ihre Leidenschaften: essen, trinken, Musik. Fünfzig ganz unterschiedliche BBQ-Rezepte mit Fleisch, Fisch, vegetarisch und vegan sind kulinarische Anheizer und machen Lust auf Sommer. Merke: auch ganze Kerle gehen mit der Zeit.

Einfach, weil wir Bock darauf haben

 

 

Die BossHoss- Rezepte in Rock am Grill wurden den Vorlieben der Bandmitglieder angepasst: Der Mann für die Klassiker ist Elvis-Fan Sascha alias HossPower,  Alec bzw. BossBurns steht fürs Würzige mit den Finger lickin‘ tasty.

Malcom, genannt Hank, ist als Brite quasi per Geburt im Kapitel Fishing for Compliments verantwortlich für Fish & Chips. Gitarrist Rocket musste schon früh sein Brot mit Musik verdienen und steht für das Kapitel Brot und Spiele. Drummer Ansgar ist glücklich ohne Fleisch und schenkt seinen Lesern Happy without Meat. Ihm verdanken wir Köstlichkeiten wie karamellisierten grünen Spargel mit Kirschtomaten. Guss, als Jüngster, versüßt das Grillbuch in Sweets for my Sweets mit süßen Leckerein. BossHoss Ernesto Excobar Tijuna hat seine Wurzeln in Madagaskar und kann wie kein anderer echt scharf sein – mit würzigen Saucen und Marinaden.

Whiskey im Glas und in der Marinade

Die ehemaligen Werbegrafiker Alec und Sascha sind seit 2004  das deutsche Country-Dreamteam The BossHoss mit mehr als 2,5 Millionen verkaufter Alben. Und auch ohne Klampfe in der Hand sind sie medial präsent in Formaten wie The Voice und Sing meinen Song.

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Hut auf, Gitarre raus, Feuer an – let`s go!

Zur sehr lässigen BossHoss Buchpräsentation in Berlin in gechillter Stimmung kamen Freunde, Weggefährten und andere Promis, wie Simone Thomalla, Thomas Heinze und Jürgen Vogel – alle bestens gelaunt und gut drauf. Vorm Essen gab`s Getränke – gern im Mix mit Ballantine`s. Die Whiskey-Marke ist Sponsor der Jungs und allgegenwärtig. Nach einer kleiner Eröffnungs-Plauderei mit Moderatorin Enie van de Meiklokjes („Ich habe mal einen Gogelhupf gegrillt“) genossen die Gäste zunächst Grillgut und anschließend gute, handgemachte Musik.

Ein Buch – schwer wie ein Tomahawk-Steak

 

Wer also Lust hat auf ein Buch, das in etwa so viel wiegt wie ein gigantisches Tomahawk-Steak – nämlich 1044 Gramm, laut meiner Küchenwaage – kann sich auf 192 Seiten durch Rezepten stöbern: Chicken Wings Ernesto, Fire-Dancing Beer-Chicken, Ballentine`s Sparribs, Jerk Chicken & Ananas Salsa, Crazy Fish on the Stick, Spicy Lemmon Prawns, Pocket Pizzas, Indian Flatbread, Hot Banana mit Ingwer und Funky Sommersalat klingen nicht nur gut, sondern sehen auch super aus. Bonustrack sind einige Cocktail-Rezepte, wie z. B. Horse`s Neck. Definitiv nichts für Anfänger.

Rock am Grill – die besten Grillrezepte der Kultband HossHoss, ist erschienen beim Verlag Südwest, Hardcover, irre groß und schwer (21 mal 27 cm und – wie gesagt – 1044 Gramm) und kostet 22,00 €.

Lass uns angrillen, Darling!

 

 

 

 

 

Der Apfel fällt nicht weit vom Pferd – Weltpremiere in der Bar jeder Vernunft

Der Apfel fällt nicht weit vom Pferd – Weltpremiere in der Bar jeder Vernunft

Der wilde, wilde Westen fängt gleich in der Schaperstraße an. In der Bar jeder Vernunft reiten, fluchen, schießen, singen und tanzen ziemlich verruchte Kerle und parodieren alles, was Bonanza, High Chaparral, Buffalo Bill, John Wayne und alle Klischees von Freiheit und Abenteuer in staubiger und karger Landschaft so hergeben: „Die 5 glorreichen Sieben“ – eine Weltpremiere mit Cowboyhut und Lagerfeuerromantik. Und eines vorneweg: alle bislang geplanten Vorstellungen sind ausverkauft! Wann auch immer eine Show dazwischengeschoben wird – und das passiert bestimmt: Karten kaufen, hingehen, Spaß haben.

Hier ist alles einfach irre, beginnend mit dem Titel. Fünf sind in der Tat nicht wirklich sieben, machen aber Stimmung für mindestens zehn. Und das die Kerle im Stehen pinkeln und sich gerne in den Schritt greifen wäre eventuell peinlich, wenn sie wirklich Männer wären. Aber hinter angeklebten Bärten, großen Hüten und weiten Klamotten verbergen sich die grandiosen Schauspielerinnen Katharina Thalbach, Meret Becker
Anna Fischer, Anna Mateur und Andreja Schneider.

Das Fräulein Schneider der Geschwister Pfister hatte, gemeinsam mit Lutz Deisinger, die Idee für diesen Klamauk. Und beim großen Manitu: die Damen sind wirklich nicht zu erkennen! Tatort-Kommissarin Meret Becker spielt den Trickbetrüger Mysterie – und würde sie nicht am übergroßen Galgen wie am Trapez einen Spagat hinlegen – sie wäre inkognito geblieben. Die Größte aller Kleinen, Katharina Thalbach, spielt die faulste Sau von Mexiko und brummt „Wand’rin’ Star“ deutlich tiefer als jemals  Lee Marvin. Andreja Schneider selbst ist der Reverend, der sich zunächst des Halbblutes Chico (Anna Fischer) annimmt und dann auch noch vom Plappermaul Bud Butterfahrt (Anna Mateur) in Grund und Boden gequatscht wird. So genial die Verkleidung, so aufregend der erste Auftritt nach der Pause. Aus den schweren Jungs werden leichte Mädchen mit sexy Corsagen und allen Zoten, die die Damen im Saloon so hergeben können. Sie schießen gleichfalls scharf – wenn auch mit Worten.

Die 5 glorreichen Sieben sind grandiose Masken, atemberaubende Wechsel zwischen den Geschlechtern, mitreißende Musik, Lagerfeuerromatik und hinreißende Genre-Komödie. Untermalt von den Geräuschen, die am Bühnenrand von Peter Sandmann produziert werden. Knallende Backpfeifen, das Heulen des Windes und Pferde im Galopp – alles kommt aus seiner Retorte.  Während die Damen die Bühne rocken und neben grandioser Spielfreude auch den einen oder anderen Country-Song hinlegen, sorgen die Herren am Rand für den nötigen Geräuscherahmen.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Man(n) findet sich, erkennt einen gemeinsamen Feind, reitet zusammen nach Tombstone und – Achtung: Spoiler! – erledigt das fiese Dreckschwein. Ende gut, alles gut: beim Happyend reiten sie mit angeschnallten Pferdepopos gemeinsam in den Sonnenuntergang. Freunde für immer.

Genauso prominent wie auf der Bühne war das Premierenpublikum. Und egal ob Politiker, Sängerin, Schauspielerin oder Meisterkoch: Alle waren sich einig, dass es ein außergewöhnlicher Abend war.   

Dennis Creuzberg goes West

Dennis Creuzberg goes West

Kundinnen und Kunden des Star-Friseurs und Gäste wie Fernanda Brandao, Fiona Erdmann, Nico Schwanz, Britt Kanja und Günther Krabbenhöft und die AperitiVista-Girls feierten das neue Westabenteuer von Dennis Creuzberg. Ab jetzt gibt`s den Promifriseur auch in der Bleibtreustraße 42 in Charlottenburg.

Berlin war zunächst nur eine Option. Es sollte nur maximal für ein Jahr sein. Das war 2003. Inzwischen  gehört Dennis Creuzberg längst zum Hauptstadt-Adel. Wird der Name des gebürtigen Rheinländers genannt, dann gern in Verbindung mit seinem Status als Promi- bzw. Star-Friseur.  Mit Kreativität, Charme, Fleiß, Talent und Glück hat er es geschafft, sich aus der Masse der Haarkünstler in der schillernden Millionenmetropole hervorzuarbeiten. „Die Stadt und ihre Menschen inspirieren mich und im Grunde passt der Name Creuzberg ja auch perfekt zu Berlin“,  sagt er. Vor zehn Jahren hat er sich mit seinem ersten Salon in der Wielandstraße selbstständig gemacht. Dann zog ihn der turbulente Osten der Stadt in die Auguststraße nach Mitte.

Jetzt ist er mit seinem zweiten Standbein zurückgekehrt in Ku’damm Nähe, worüber die Erstberliner Mädels sehr happy sind: In der Bleibtreustraße hat er ein altes Atelier übernommen!  Zusammenarbeit mit seinem Innenarchitekten wurde es aufwendig zwar renoviert, hat aber dennoch nicht den Charme der Vergangenheit verloren. So gradlinig wie Dennis selber sind die Details, die neu interpretiert wurden. Eyecatcher ist eine türkisfarbene Wand aus Fliesen. Die Wasseranschlüsse wurden in Zusammenarbeit mit BWT, einem Spezialisten im Bereich der Wasseraufbereitung, umgebaut, um angenehm weiche Wasserqualität für die optimale Haarpflege zu ermöglichen. Das unterstützt seinen Anspruch nach Natürlichkeit und Qualität, den er Konsequent durchsetzt – auch in seinen eigenen Haarpflege-Produkten.

Dennis Creuzberg steht für Hingabe, Kreativität, Liebe zum Detail. Klar, Promis kommen, aber: „Ich behandele jeden Kunden mit dem gleichen Respekt und Interesse, um den perfekten Look zu finden und achte nicht auf Status oder Herkunft“, sagt er ernst. „Haare unterstreichen die Persönlichkeit. Der perfekte Schnitt schafft Selbstvertrauen und Sicherheit. Mir gefällt es, das Beste aus den gegebenen Möglichkeiten herauszuholen, mit Schnitt, Farbe und Fön meine Kunden glücklich zu machen.“ Nun also auch wieder im alten Westberlin. Haarlich!

Christine Bovill in der Bar jeder Vernunft: Tonight You Belong To Me

Christine Bovill in der Bar jeder Vernunft: Tonight You Belong To Me

Die Mischung war perfekt: fast schon intime Clubatmo, eine brillante Sängerin mit rauchigem Jazz- und Blues-Timbre in der Stimme, amüsante Geschichten aus den Roaring Twenties in Amerika mit Liedern, die mein Herz berühren. Christine Bovill, bekannt und ausgezeichnet für ihre Interpretation französischer Chansons, entführt ihr Publikum in die wilde Zeit zwischen 1919 und 1929, in die Roaring Twenties.

Roaring Twenties

Ihr Auftritt in Bar jeder Vernunft ist minimalistisch – nur ein wenig Dekoration , mal ein Stirnband im 20-Jahre-Look, eine Whiskeyflasche in der Hand, ein wenig Rauch aus der Nebelmaschine und schon ist ihr Publikum hundert Jahre zurück. Sie erzählt aus der Welt der „Flapper“, der eigenwilligen und sich erstmals emanzipierenden Jazz-Ladys, die sich von ihren Männern, langen Mähnen und engen Korsetts befreiten, von starken Jungs und leichten Mädchen, der Prohibition, dem Alkohol-Schmuggel und Gangstern wie Al Capone, die damit reich wurden. Babylon Berlin in Amerika.

Illegale Nachtclubs und die Anfänge des Jazz

Mehr als 30 000 illegale Nachtclubs in geheimen Kellern soll es damals in New York gegeben haben. Was für eine Zeit. Sie interpretiert die Lieder, die bis heute unvergessen sind, von Komponisten, die Geschichte geschrieben haben:  Cole Porter, Irving Berlin, George Gershwin. Tonight, You Belong To Me, Puttin’ On The Ritz, Blue Skies, Ol’ Man River, Bye Bye Blackbird – Evergreens, unvergessen, für immer Hits.

The Lady is a Tramp

Sie erzählt von F. Scott Fitzgeralds „Great Gatsby“, erinnert an die New Yorker Schriftstellerin Dorothy Parker und ihren Kampf für das Frauenwahlrecht, den Piloten Charles Lindbergh, dem im Mai 1927 erstmals mit seiner „The Spirit of St. Louis“ der Atlantiküberflug von New York nach Paris gelang, an die Jazzlegenden Betty Smith und Josephine Baker, die 1926 beinahe nackt, nur mit Bananenröcken bekleidet, auch Berlin verrückt machte und wie eine Göttin gefeiert wurde. Nach der Pause erscheint sie als Tramp mit Charlie-Chaplin-Bärtchen und interpretiert zum Weinen schön seinen Welthit „Smile“.

Schwarze Musik im New York der 20er Jahre

Aber auch die Rassendiskriminierung ist Thema, wenn sie vom Erstarken des Ku Klux Klan erzählt und dem Schicksal schwarzer Musiker auf schillernden Bühnen  – stets vor einem weißen Publikum. Die ehemalige Lehrerin aus Glasgow spricht, lacht, flirtet, haucht, singt und entführt so an den Broadway, die Clubs in Harlem und die dunklen Gassen New Yorks –  in ein wildes, melancholisches, sinnsuchendes, amüsiersüchtiges und sexbeladenes Jahrzehnt – stets wunderbar begleitet von ihrem Pianisten Michael Bradey.

Seeliges Publikum

Und nicht nur auf der Bühne ist sie greifbar, nah, charmant, amüsant. Auch beim Empfang nach der Premiere ist sie authentisch. Und glücklich, dass sie ihr Berliner Publikum erreicht hat. Ein Publikum, das ihre Witze verstanden und an den richtigen Stellen gelacht hat und beseelt mit einem Glas in der Hand auf einen perfekten Abend anstößt.  Ich bin glücklich für diesen zauberhaften Abend und die handsignierte CD, die Gesa mir geschenkt hat. Vielen Dank!!!!! Und nur um den anderen Gästen nicht den Abend zu versauen, habe ich nicht mitgesungen….

Die kommenden Auftritte

Am 9. und 10. September 2019 ist Christine Bovill nochmals in Berlin. Karten und mehr Infos gibt es in der Bar Bar jeder Vernunft!

Karl Lagerfeld ist tot. Erinnerungen an zwei außergewöhnliche Begegnungen

Karl Lagerfeld ist tot. Erinnerungen an zwei außergewöhnliche Begegnungen

Vielleicht ist es 20 Jahre her, vielleicht auch länger. Aber es gibt Begegnungen und Erinnerungen, die unvergesslich und jederzeit abrufbar sind und auch nach Jahrzehnten noch Gefühle auslösen: Bei mir ist die Begegnung mit Karl Lagerfeld verbunden mit Aufregungen, Spannung, Nervosität, Panik, Frustration und Glück. Und ich bin über mich hinausgewachsen – das Schicksal ist manchmal wirklich ein Schelm.

Damals kam Karl Lagerfeld kam nach Berlin in das von ihm neu entworfene Schlosshotel Gerhus im Grunewald.   Für seine Designideen sollte dem Meister seine nach ihm benannte Suite lebenslang zur Verfügung stehen. Lagerfeld war damals schon ein Weltstar – Modedesigner, Fotograf, Verleger, Sammler. Eine Ikone, ein Genie, Visionär; einflussreich, mächtig, leidenschaftlich. Ein Mann mit tausend Talenten, der es hasste, sich zu langweilen oder von langweiligen Menschen umgeben zu sein. Ich war für ein Interview angemeldet. Und hatte Bammel – Lagerfeld galt als schwierig und mitunter zickig, ungeduldig und anspruchsvoll. Und ich war, nun ja: frech, vorwitzig, neugierig und jung. Damals noch als Chefreporterin beim Radio und mein Chef wollte, dass ich mindestens eine Stunde – unterbrochen von Musik – mit einem aufgezeichneten Interview füllen konnte. Das war schwierig: Lagerfeld sprach schnell in kurzen Sätzen, er hetzte durch die vielen Presse-Gespräche. Also hielt ich ihm mein Mikro vor den Mund und fragte drauf los. Heute würde ich mich vieles nicht mehr trauen (Erfahrungen bremsen die Spontanität  – damals gehörte mir die Welt;-) Lagerfeld müsste von klugen Fragen inspiriert werden – sonst verlor er die Lust. Also versuchte ich ihn zu inspirieren.  Ich hatte genau 20 Minuten. Und habe sie bis zur letzten Sekunde gefüllt. Was ich gefragt habe, weiß ich nicht mehr, aber ich erinnere mich deutlich an das gelegentliche Zucken seiner Augenbrauen 😉

Mein Aufnahmegerät war so eine Art Kassettenrecorder – so haben wir damals noch Radio gemacht. Im Studio allerdings erwartete mich wenig später die größte Katastrophe, die ich bis dahin beruflich erlebt hatte: das Gerät hatte nicht aufgezeichnet! Mir wurde schwarz vor Augen und speiübel vor Angst! Kleinlaut beichtete ich diese Panne meinem Chef. „Egal wie Sie es anstellen, Frau Conradt! Sonntag läuft ein Interview mit Karl Lagerfeld. Die Ankündigung läuft bereits im Programm. Also besorgen Sie ein Interview!“ Das Gespräch war, nun ja, nicht wirklich freundlich verlaufen…

Karl Lagerfeld hatte Berlin natürlich längst wieder verlassen. Er stand kurz vor einer großen Modenschau in Paris. Rückblickend wundere ich mich über mich selber, wie ich es geschafft habe, Unmögliches möglich zu machen. Das erste Gespräch mit seinem Büro war ernüchternd: es gäbe eine Warteliste von MONATEN! Internationale Journalisten aller möglichen großen, mächtigen und einflussreichsten Zeitschriften würden geduldig warten, bis König Karl mal Zeit haben würde. Kurzum – es gäbe keinen Termin!!! Schon gar nicht für mich. So ein unbedeutender Radiosender in Berlin…. Mon Dieu!!!! Wie auch immer ich die Leute bequatscht habe… ich habe wirklich einen zweiten Termin bekommen: Am nächsten Tag in seinem Atelier bei Chanel in der Nähe der Avenue des Champs-Élysées in Paris. Ich flog also abends nach Paris – mein erstes Mal in der Stadt der Liebe. Nervös, mein Aufnahmegerät 2000mal gecheckt, völlig überfordert mit der Wahl meiner Garderobe (ich als Jeansmädchen habe mich für ein schreckliches braunes Kostüm entschieden – es muss in seinen Augen äußerst geschmerzt haben). Mein billiges Hotelzimmer war ein Dreckloch mit benutzter Bettwäsche, aber das war egal:  und meine Nerven lagen blank! Am nächsten Morgen war ich überpünktlich dort. Der Meister saß bereits an einem beeindruckend großen,  halbrunden Tisch.  Es wirkte wie eine futuristische Kommandozentrale. Vor ihm ein eleganter Behälter mit Bleistiften – alle hellgrün, in der gleichen Länge und sauber angespitzt. Ansonsten war der Tisch leer. Er arbeite schnell und konzentriert. Spindeldünne, blutjunge Models standen vor ihm, seine Schneiderinnen – alle nicht mehr jung – reagieren auf jeden Blick ihres Meisters. Sie steckten und rafften, schnitten und drapierten Stoffe auf dem Weg zur Haute Couture. Er selber dirigierte mit lässigen Handbewegungen, zuckenden Augenbrauen (das kannte ich ja bereits) und wenigen Worten. Seine Chef-Directrise schien immer schon Sekunden vorher seine Gedanken zu erraten.  Mich würdigte er keines Blickes.

So ging es Stunde um Stunde – ohne Pause. Nirgends schien auch nur eine winzige Lücke für mich eingeplant. Ich ging nicht auf Klo, aus Angst, meinen Slot zu verpassen –  und hatte nichts zu essen oder zu trinken dabei. Man bot mir auch nichts an. Ich saß am Rand des Ateliers und guckte zu. Meine Frustration und die Angst, nicht nur ohne Interview, sondern auch noch mit reichlichen Spesen meinem Chef unter die Augen zu treten, waren enorm. Nachmittags gab es eine winzige Pause. Die Models und Schneiderinnen, die Sekretärinnen, Pressemenschen und Musen, die überall rumlungerten, durften essen – es gab gekochten Schinken. NUR gekochten Schinken. Ohne Brot. Ich saß brav auf meinem Stuhl und wartete. 12 Stunden. Das war wohl meine Strafe für meine vorlaute Berliner Schnauze und die nicht so passenden Fragen, die ich gestellt hatte. Abends um 21 Uhr wurde ich erlöst. Er kam zu mir und beantwortete in seinem unnachahmlichen Stakkato meine Fragen. Ich hätte sauer sein müssen. Aber ich war nur dankbar. Ein großer Moment, den ich allein mit Karl Lagerfeld geteilt habe. Eine unvergessliche Geschichte in meiner beruflichen Biografie. Das erste Mal Paris und dann diese Begegnung. Es war die Vor-Handy-und-vor-Internet-Zeit… Kein Facebook, kein Twitter, keine Fotos. Aber die Bilder sind mir ins Herz berannt.

Heute habe ich einen Nachruf von einer bekannten Journalistin gelesen – sie hat über Lagerfelds geniales Lebenswerk referiert und es bedauert, es in 20 Jahren nicht geschafft zu haben, den Meister einmal zu interviewen. Nun, ich hatte ihn zweimal – innerhalb von drei Tagen. Und er verabschiedete mich tatsächlich mit einem Lächeln.

Lagerfeld ohne Lagerfeld.jpg

Zum Foto: Es ist ein Handy-Schnappschuss von der magnetischen Bilderwand an meinem Kühlschrank. Leider keines von mir und Karl – das gibt es nicht. Aber Arnold Schwarzenegger und Gorbatschow sind ja auch nicht so übel. Das Baby ist übrigens meine Tochter, die ich damals mangels Babysitter mit auf die Pressekonferenz geschleppt habe. Im Anschluss durfte ich ihm einen Scheck überreichen. Wofür? Keine Ahnung, lange her…

Adnan ist zurück – und „Tout Berlin“ feiert!

Adnan ist zurück – und „Tout Berlin“ feiert!

War er im Gefängnis? Oder auf der Flucht? Oder einfach untergetaucht? Alles Quatsch, sagt Adnan Oral, der Gastgebergott aus der Schlüterstraße in Charlottenburg-Wilmersdorf. Er brauchte einfach mal eine Pause nach unendlich vielen Jahren in der Gastronomie. Also lag der Laden brach, obwohl die Tische immer weiß eingedeckt blieben und nie ein anderer Gastronom das Filetstück Schlüter- Ecke Mommsenstraße besetzte. Auch wenn der Laden kalt bleib – die Gerüchteküche brodelte! Und wie ein Lauffeuer waberte durch die Stadt dann die lang ersehnte Nachricht: Adnan kommt zurück! Das führte dazu, dass „Tout Berlin“ mit Entzücken und unendlicher Vorfreude reagierte und Adnan bei Anmeldungen nur nach sagen konnte: „Kommt gerne vorbei. Aber es wird voll!“ Und es wurde voll. Um es auf den Punkt zu bringen:  Das „Klassentreffen“ war grandios und die rund 600 Gäste wurden mit Trüffelpizza, Minischnitzelchen und Austern ohne Ende verwöhnt. Nachdem im Sommer 2017 so plötzlich Schluss war, öffnete damit am 2. November 2018 ein kleines Stück der guten alten Westberliner Welt wieder seine edlen Türen.

Wer einen besonderen Draht zu den Jungs hinter der Bar aufbauen konnte (und das kann unsere Apertivista-Queen Gesetta sogar sehr gut!), kam sogar in den Genuss von Champagner. Was für ein Gastgeber! Gelernt ist eben gelernt! Die Gästeliste war dementsprechend lang und illuster: neben dem Geldadel und einigen hübschen jungen Damen und attraktiven Herren fanden sich u.a. Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, Ex-Air-Berlin-und-Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, Schauspielerin Dennenesch Zoude, Moderatorin Ulla Kock am Brink, Ex-Springer-Mann Kai Diekmann und Springer-Chef Matthias Döpfner, Bild-Kolumnist Franz-Josef Wagner und viele viele andere.

Der Kiezkönig überraschte zudem mit einem besonderes Coup: sein neuer Küchenchef ist Dennis Markov, der vorher die Gäste im Borchardt verwöhnte. Sogar einen Teil seiner Crew brachte Markov von der Franzözischen Straße in Mitte in die Charlottenburger Schlüterstraße mit. Schön zu sehen, dass nicht nur Adnans Gäste einen gelungen Abend hatten. Auch der Gastgeber strahlte – gut erholt und so selbstverständlich, als wäre er nie weg und seine Tür niemals verschlossen gewesen! „Ich freue mich, dass es jetzt wieder los geht! Denn ich gehöre zu Berlin und Berlin gehört zu mir!“, sprach der Herr der herrlich dünnen Trüffelpizza. Und Aperitivista freut sich auf viele weinselige Abende in unserem Kiez des Herzens.