Attraktive Männer braucht das Land! So wie Heiner Knapp, in Rheine geboren, in der Pfalz aufgewachsen, in Berlin zuhause. Erst Musik- und Politik-Studium, dann vorübergehend Pianist in der Hausband des britischen Offiziersclub. Seit 1988 Redakteur und Moderator beim Radio, damals noch SFB 1, jetzt Radio BERLIN 88 8. Er moderiert seit Jahren u. a. die Deutsch-Pop-Sendung “Deutsche Vita”. Der Mann sieht nicht nur ziemlich heiß aus, hat eine sexy Stimme (deshalb ja Radio), sehr viel Humor (passt auch zum Radio) und spricht druckreif (falsches Wort, aber lebensnotwendig beim Radio). Und er liebt Musik, spielt Klarinette, Gitarre, Piano und Schlagzeug. Außerdem zeichnet er gern, mag Sport, Reisen und Lesen. Ach ja… er ist natürlich vergeben. Aber das ist heute nicht das Thema. Es geht um ein neues Format mit genialem Titel und viel Esprit: Knapp daneben! AperitiVista war neugierig – hier ist das Interview mit Heiner Knapp:

Was war zuerst da: Die Idee zur Sendung oder der wirklich witzige und treffende Titel?

Heiner Knapp: „Die Idee. Mein Chef hatte im vergangenen Jahr die Inspiration nach der Sondersendung ‚50 Jahre Hey Music‘ zu Ehren unseres damaligen Musikchefs Jürgen Jürgens. Das neue Format sollte ein munterer Plausch mit Berliner Künstlern sein; von Musik begleitet, mit mir am Piano. Wir haben in der Redaktion viel über das Konzept gesprochen und diskutiert. Den Titel hat dann eine Kollegin nach einer schlaflosen Nacht zur Frühkonferenz mitgebracht. In Kurzform: Ich sitze am Instrument neben dem Künstler und moderiere und spiele durch die Show.“

Aber diese Kurzform wird der Sendung nicht gerecht. Es ist viel mehr…

„Es geht um Spontanität, Spaß, Musik, Gespräche – ohne Netz und doppelten Boden. Und ohne Manuskript! Die Musik ist der rote Faden, daraus ergeben sich die Gespräche. Wir machen einfach! Wir agieren, improvisieren, lassen uns aufeinander ein. Mein erster Gast war Klaus Hoffmann.  Ich kenne ihn seit Jahrzehnten und er war bereit, sich auf dieses Bühnenabenteuer einzulassen. Er an der Gitarre und am Mikro, ich am Piano und am Mikro. Wir haben vorher einmal geübt, er hatte einen Wunschkatalog mit 12 Titeln dabei. Irgendwann war er so begeistert, dass er sagte: wir sollten mal zusammen auf die Bühne! Ich habe geantwortet: wir stehen gerade zusammen auf der Bühne! Das war amüsant. Er hat sehr viel erzählt aus seinem Leben. Am Ende des Abends war Klaus Hoffmann happy – das war mir wichtig. Die Sendung hat ihm, unserem Publikum und mir sehr viel Freude gemacht.“ Hier gibt’s die Sendung mit dem Berliner Liedermacher Klaus Hoffmann zum Nachsehen und -hören.

Glückwunsch! Ich kann mir vorstellen, dass ein solches Format für einen Moderator durchaus erstrebenswert ist. Warum also Du?

„Ich hatte mich während zahlreicher RBB-Weihnachtsfeiern qualifiziert…“

Es geht das Gerücht, das du alles spielen kannst – auch ohne Noten….

„Wenn ich einen Titel kenne, kann ich ihn spielen. Es wabern den ganzen Tag Songs durch mein Hirn. Wenn ich etwas höre, weiß ich, in welche Richtung es harmonisch und melodisch geht. Ich muss auch nicht üben, wenn es nicht so kompliziert ist. Aber – wir reden hier von Popsongs, nicht von Rachmaninow oder Chopin. Meine Mutter war Pianistin, ich habe mit etwa 7 Jahren angefangen. Mama war also die Inspiration und ein Klavier war vorhanden. Die Musik begleitet mich schon immer durch mein Leben. Ich habe zwar nicht super gern geübt, aber immer gern gespielt…“

War der Weg als Berufsmusiker eine Option?

„Als Popmusiker vielleicht, aber nicht als klassischer Pianist. Das hatte ich im Kopf, aber andererseits kam recht früh auch die Liebe zum Radio und ich bin ein Freund der Sicherheit. Beim Radio kann ich ja beides machen – ich habe mit Musik zu tun und kann mich meinen Radiofantasien hingeben. Eine gute Kombination.“

Haben Klavierspieler tatsächlich mehr Glück bei den Frauen?

„Sagen wir mal so: Klavierspielen stellt jetzt keine Hürde dar und ja, man erreicht eine gewisse Aufmerksamkeit und ein Wohlwollen, das an der einen oder anderen Stelle die Situation durchaus begünstigen könnte.“

Um sich davon zu überzeugen, gibt es ja das neue Format ‚Knapp daneben’. Wann sehen wir dich wieder auf der Bühne?

„Am 29. Mai kommt Dirk Michaelis Die Karten kann man nicht kaufen – nur gewinnen! . In diesem Jahr folgen dann noch zwei weitere Termine mit Max Raabe und Yvonne Catterfeld; Vollblutmusiker, die Spaß haben an der Improvisation und mutig genug sind, sich auf dieses musikalische Life-Abenteuer einzulassen. Für Künstler ist diese Sendung in gewisser Weise auch ein Drahtseilakt. Sie verlassen ihre Band, ihren Klavierspieler, ihre musikalische Komfortzone und können mich ja gar nicht einschätzen. Das könnte auch nachhaltig zu Unmut führen, wenn`s nicht klappt.“

Aber Du machst durchaus den Eindruck, dass du das Format im Griff hast: Du spielst, redest, hältst den Rhythmus der Sendung und das alles ohne nennenswerten Ablaufplan oder Moderationskarten. Respekt! Wen hättest du gern noch auf deiner Bühne?

„Till Brönner – im nächsten Jahr. Wir suchen gerade nach einem Termin. Und Reinhard Mey. Mein Idol. Ich baggere ihn gerade sehr an, in der Hoffnung, dass er kommen wird. Das wäre der Ritterschlag für mich und unsere Sendung.“

Übrigens: diese Rubrik heißt ja ‚Auf ein Glas mit‘. Da wir uns im Studio getroffen haben, gibt`s nicht mal Kaffee. Das wird auch technischen Gründen nicht gern gesehen. Alkohol sowieso nicht. Aber wäre es anders und bereits dunkel draußen: Was würde jetzt vor dir stehen?

“Da ich Alkohol noch nie etwas abgewinnen konnte, fällt die Anwort bedauerlicherweise völlig unspektakulär aus. Vermutlich ein Glas Wasser – mit Gas. Oder, wenn ich es richtig krachen lasse, eine Cola Zero.”

Kein Wunder, dass die RBB-Weihnachtsfeiern immer spitze sind, wenn der Mann am Klavier nüchtern bleibt. Vielen Dank für das inspirierende Gespräch!

 

 

 

 

Posted by:macontini

Berlinerin, Journalistin mit Zeitungs-, Radio- und TV-Vergangenheit, Autorin, PR-Frau, alleinerziehende Mutter, Hundebesitzerin, Katzenliebhaberin, Kämpferin, Träumerin und Neuerfinderin. Bewegung ist Glück. Und das am liebsten schnell… in den Fingern, im Kopf und den Beinen. Ich mag es, dem Leben immer wieder das Besondere abzutrotzen und sich den unterschiedlichsten und meistens unerwarteten Herausforderungen zu stellen. Zugegeben – das ist nicht immer einfach. Aber einfach kann ja jeder!