Der wilde, wilde Westen fängt gleich in der Schaperstraße an. In der Bar jeder Vernunft reiten, fluchen, schießen, singen und tanzen ziemlich verruchte Kerle und parodieren alles, was Bonanza, High Chaparral, Buffalo Bill, John Wayne und alle Klischees von Freiheit und Abenteuer in staubiger und karger Landschaft so hergeben: „Die 5 glorreichen Sieben“ – eine Weltpremiere mit Cowboyhut und Lagerfeuerromantik. Und eines vorneweg: alle bislang geplanten Vorstellungen sind ausverkauft! Wann auch immer eine Show dazwischengeschoben wird – und das passiert bestimmt: Karten kaufen, hingehen, Spaß haben.

Hier ist alles einfach irre, beginnend mit dem Titel. Fünf sind in der Tat nicht wirklich sieben, machen aber Stimmung für mindestens zehn. Und das die Kerle im Stehen pinkeln und sich gerne in den Schritt greifen wäre eventuell peinlich, wenn sie wirklich Männer wären. Aber hinter angeklebten Bärten, großen Hüten und weiten Klamotten verbergen sich die grandiosen Schauspielerinnen Katharina Thalbach, Meret Becker
Anna Fischer, Anna Mateur und Andreja Schneider.

Das Fräulein Schneider der Geschwister Pfister hatte, gemeinsam mit Lutz Deisinger, die Idee für diesen Klamauk. Und beim großen Manitu: die Damen sind wirklich nicht zu erkennen! Tatort-Kommissarin Meret Becker spielt den Trickbetrüger Mysterie – und würde sie nicht am übergroßen Galgen wie am Trapez einen Spagat hinlegen – sie wäre inkognito geblieben. Die Größte aller Kleinen, Katharina Thalbach, spielt die faulste Sau von Mexiko und brummt „Wand’rin’ Star“ deutlich tiefer als jemals  Lee Marvin. Andreja Schneider selbst ist der Reverend, der sich zunächst des Halbblutes Chico (Anna Fischer) annimmt und dann auch noch vom Plappermaul Bud Butterfahrt (Anna Mateur) in Grund und Boden gequatscht wird. So genial die Verkleidung, so aufregend der erste Auftritt nach der Pause. Aus den schweren Jungs werden leichte Mädchen mit sexy Corsagen und allen Zoten, die die Damen im Saloon so hergeben können. Sie schießen gleichfalls scharf – wenn auch mit Worten.

Die 5 glorreichen Sieben sind grandiose Masken, atemberaubende Wechsel zwischen den Geschlechtern, mitreißende Musik, Lagerfeuerromatik und hinreißende Genre-Komödie. Untermalt von den Geräuschen, die am Bühnenrand von Peter Sandmann produziert werden. Knallende Backpfeifen, das Heulen des Windes und Pferde im Galopp – alles kommt aus seiner Retorte.  Während die Damen die Bühne rocken und neben grandioser Spielfreude auch den einen oder anderen Country-Song hinlegen, sorgen die Herren am Rand für den nötigen Geräuscherahmen.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Man(n) findet sich, erkennt einen gemeinsamen Feind, reitet zusammen nach Tombstone und – Achtung: Spoiler! – erledigt das fiese Dreckschwein. Ende gut, alles gut: beim Happyend reiten sie mit angeschnallten Pferdepopos gemeinsam in den Sonnenuntergang. Freunde für immer.

Genauso prominent wie auf der Bühne war das Premierenpublikum. Und egal ob Politiker, Sängerin, Schauspielerin oder Meisterkoch: Alle waren sich einig, dass es ein außergewöhnlicher Abend war.   

Posted by:macontini

Berlinerin, Journalistin mit Zeitungs-, Radio- und TV-Vergangenheit, Autorin, PR-Frau, alleinerziehende Mutter, Hundebesitzerin, Katzenliebhaberin, Kämpferin, Träumerin und Neuerfinderin. Bewegung ist Glück. Und das am liebsten schnell… in den Fingern, im Kopf und den Beinen. Ich mag es, dem Leben immer wieder das Besondere abzutrotzen und sich den unterschiedlichsten und meistens unerwarteten Herausforderungen zu stellen. Zugegeben – das ist nicht immer einfach. Aber einfach kann ja jeder!

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