Bonvivant Cocktail Bistro: Feine Gemüseküche trifft Drinks

So lässig sich das Bonvivant Cocktail Bistro gibt, so ausgefeilt sind die vegetarischen Gerichte und die darauf abgestimmten Cocktails: nach dem Cookie’s Cream für uns so ziemlich das Beste, was Berlin zur Zeit an Gourmet-Gemüseküche zu bieten hat. Auch Nicht-Vegetarier*innen legen wir einen Besuch des coolen Restaurants in Berlin-Schöneberg deshalb unbedingt ans Herz.

Fine Eating & Drinking

Die hervorragenden Cocktails des Bonvivant durften wir bereits im 2. Lockdown kennenlernen, als eine Box mit fünf bravourös komponierten Drinks uns den Valentinstag zu Hause erhellte. Umso gespannter sind wir auf die Küche des neuen, erst 27-jährigen Küchenchef Nikodemus Berger. Nach seiner Ausbildung im Le Meridien in seiner Heimatstadt Wien sowie Stationen im Reinstoff und im Le Faubourg hat er sich in wenigen Jahren einen Namen in der Spitzengastronomie gemacht. Zusammen mit Barchef Elias Heintz (20) will er mit der ungewöhnlichen Kategorie „Cocktail-Bistro“ eine neue Dimension kulinarischen Erlebens geben: „Mit Cocktails können wir viel genauer auf die Aromen eingehen, die die Küche in den Fokus stellt“, erklärt Heintz den gemeinsamen Ansatz. Das sei sogar einfacher als mit Wein, der schließlich als fertiges Produkt ins Glas kommt. Unsere klare Empfehlung lautet deshalb, das Menü mit entsprechender Getränkebegleitung zu wählen und sich so ungekannte Aromenhorizonte zu erschließen.

Fulminanter Einstieg

Zum Crémant essen wir Sauerteigbrot (aus der Bäckerei Keit) und Langos (hausgemacht), dazu gibt es fluffige gesalzene Butter und Curry-Aioli. So wie bei Theodor Fontane der erste Satz den ganzen Roman umspannt, stimmt das Amuse bouche auf das Niveau des Menüs ein. Im Bonvivant Cocktail Bistro starten wir so einfach wie fulminant mit einem Karotten-Kaviar auf Nori-Algenblatt, der überraschenderweise genauso auf der Zunge zerplatzt wie das Fischei-Original. Wer angesichts der unprätentiösen Holztische vor dem Lokal einfache Bistrogerichte erwartet hatte, versteht spätestens jetzt, dass sich das auf der Webseite proklamierte Motto „Eat easy“ eher auf das lockere Ambiente als auf eine vermeintliche Einfachheit der Küche bezieht. Sieben frei wählbare Gerichte stehen auf der Karte, von denen bis zu fünf zum Menü zusammengestellt werden können.

Feste und flüssige Sommergärten

Zur frischen und fermentierten Gurke mit Holunderblütenemulsion und Rauchmandeleis pairt Elias Heinz einen Drink auf Basis von gelagertem Calvados. Er verleiht dem sehr frischen Gericht eine dunkle Note und greift den Holunder in Form von selbstgemachtem Sirup auf. Aufgegossen wird der Sour mit Limette, Kaffir-Limettenblätter und Apple Cider aus Berlin. Zum Törtchen aus Tomate von Paddy’s Biolandhof gesellen sich Puffbohnen, Peperoni, Oregano und Fior di Latte-Mozzarella-Flöckchen. Erstaunlich, welche Raffinesse und welchen Aromenreichtum Nikodemus Berger aus diesen Zutaten herauskitzelt. Das im begleitenden Negroni Bianco infusionierte Olivenöl schlägt den Bogen zu den mediterranen Zutaten und schmiegt sich mit dem botanischen Tonic an die Tomate – ein ganzer Sommergarten auf dem Teller und im Glas.

Gemüse als Protagonist

Mein Lieblingsgericht der Karte kommt zum Hauptgang. Der „Lauch vom Biolandhof Bauer’s Garten“ klingt bodenständiger als er ist. Er folgt dem Prinzip der strengen Regionalität (Bar- und Küchenchef gehen sogar im Gleisdreieck-Park auf Pflückjagd ) und wie alle Gerichte auf der Karte bester ökologischer Provenienz. Indem er ihn mit Misolack (Miso ist eine von Bergers Lieblings-Würzzutaten und kommt von den Berliner „Mimiferments“) überzieht, bekommt das Gemüse genau die richtige Dosis Umami, die sonst die Röstaromen des Fleisches leisten müssen. Süßsauer eingelegte Zwiebeln, fermentierte Senfsaat und gebratene Pfifferlinge erhöhen das Ganze zu einem Ensemble, das in seiner Dichte und Präzision schwer zu toppen und definitiv yummy ist. Der dazu gereichte (alkoholfreie) Sake auf der Basis von Miso schlägt den Bogen zum Lauch, ein Extra an Säure erfährt er durch exakt sechs Tropfen Reisessig. Mir ist der Drink zu scharf, meine Begleitung hingegen liebt Sake und tauscht ihn gerne gegen den frisch-fruchtigen Drink aus Cold Brew Hibiskus Tee, Verjus (Saft unreiner Trauben), Himbeerbalsam und Rauchsirup. Er greift die Säure des Berberitzenschaums und des Zaatars (ein nahöstliches Gewürz auf Hibiskus Basis) aus dem Blumenkohl von der Bioland Gärtnerei Ulenburg auf. Der Verjus und Himbeerbalsam sorgen für eine runde fruchtbetonende Säure, der Rauchsirup rundet den Drink ab und greift gleichzeitig die Röstaromen des Blumenkohls auf.

Kräuter und Früchte zum Finale

Die Desserts sind ähnlich aufregend kombiniert und schön anzusehen wie alles auf der Karte des Bonvivant Cocktail Bistro. Rotes Sauerkirsch-Mousse und eingelegte Früchte von Rolker Ökofrucht, Drachenkopf-Eis, Haselnüsse und Caramelcrunch bestechen durch ein angenehmes Süße-Säure-Spiel. Ihre dunkel-fruchtigen Noten finden sich im begleitenden Cocktail aus dunklem Rum, süßem Portwein und Kirschlikör wieder. Sauerkirschgeist, der als Finish auf den Drink kommt, sorgt für den frisch-fruchtigen Touch. Zum Ziegenjoghurt gesellen sich im zweiten Dessert Aprikosen, Mezcal, Schokolade und Limettenbaiser. Der gelagerte Tequila des Margarita Twist harmoniert gut mit Kakao aus dem Dessert und ergänzt die Agavenaromen des Mezcal, während Limettenrand und Säure mit dem Limettenbaiser im Dessert korrespondieren. Besonders spannend ist der fermentierte Honig (ich wusste gar nicht, dass das geht), der für Komplexität und einen unerwarteten Abgang sorgt.

Eine echte Entdeckung und wohl einmalig in seiner Art: Das Bonvivant Cocktail Bistro begeistert auf ganzer Linie. Was für eine Bereicherung für die Schöneberger Restaurantszene und die vegetarische Feinschmeckerküche in Berlin überhaupt. Wer mag, kann übrigens auch einfach nur einen Cocktail an der Bar trinken oder einfach ein einzelnes Gericht bestellen – im Bonvivant ist alles erlaubt.

Geöffnet ist das Bonvivant mittwochs bis samstags ab 18:00 Uhr. Das Restaurant verfügt über 34 Plätze, an der Bar können zehn Personen und an den Hochtischen 16 Personen sitzen, während im Lounge-Bereich 20 Gäste Platz finden. Hinzu kommen die Außenterrasse mit 56 Sitzplätzen. Für spezielle Events und größere Dinner-Einladungen steht ein zusätzlicher Raum mit einem großen, runden Holztisch bereit. Reservierungen telefonisch unter +49 (0) 176-61722602 oder per Mail an info@bonvivant.berlin.

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