Jäger & Lustig: Feine Heimatküche in Berlin-Friedrichshain

Jäger & Lustig: Feine Heimatküche in Berlin-Friedrichshain

Das rustikale Ambiente ist geblieben, die Küche des neuen Restaurants Jäger & Lustig in Berlin-Friedrichshain hingegen setzt auf kreative Heimatküche. Die Eröffnung war eigentlich schon 2019, kurz danach musste das Restaurant allerdings pandemiebedingt wieder schließen. Einst traf sich hier die DDR-Politprominenz , um Wildspezialitäten zu genießen – gerne mit vorher selbst erlegtem Waldtier. Trotz moderner Holzmöbel und Neon-Installationen bleibt ein Hauch von sozialistischer Jagdromantik im 260 m2 großen Restaurant spürbar. Genau das macht es im historischen Sinn authentisch und atmosphärisch wie kulinarisch zum Unikum im ansonsten kosmopolitisch-hippen Friedrichshain.

Revival der Heimatgefühle

„Wir feiern die gute Küche, mit der wir Heimatgefühle verbinden“, sagt Inhaber Alexander Freund. Der Erfolg gibt ihm Recht: Das Jäger & Lustig ist an einem ganz normalen Winter-Mittwoch voll besetzt, und zwar quer durch alle Altersklassen. Spätestens um halb neun haben sich die letzten Tische mit deutlich jüngeren Semestern gefüllt. Freund hatte offenbar eine gute Nase: Zwischen den allgegenwärtigen Sushi, Pizza und Burgern hat sich ein neues Selbstverständnis der deutschen Küche entwickelt, das jenseits von reaktionärer Deutschtümelei anzusiedeln ist. Vielmehr tragen der Wunsch nach Nachhaltigkeit und Regionalität dazu bei, um sich neu und genussvoll traditionellen Rezepten aus Deutschland anzunähern.

Jägerbrote, Bulette und Hackepeter

Auch Freunds Jäger & Lustig-Mitstreiter Ansgar Niklas (Gastgeber) und Sven Jahn (Küchenchef) haben sich lange mit der Frage beschäftigt, was die deutsche Küche eigentlich ausmacht. Mit derber Hausmannskost und meist trister, „gutbürgerlicher“ Convenience-Küche hat das Ergebis nichts zu tun. Auch wir haben an diesem nasskalten Dezemberabend so richtig Lust auf leckeres, unkompliziertes Essen, das die Seele wärmt. Und werden nicht enttäuscht. Wir starten mit zwei Jägerbroten, einmal belegt mit gebratenen Steinpilzen, einmal mit Hackepeter. Letzterer kommt stilecht mit roten Zwiebelringen, Gewürzgurke , Eigelb und Kapernäpfeln. Zusammen mit Buletten nach Berliner Rezept ist das genau der richtige Einstieg für einen gemütlichen Abend. Erinnerungen an die Partys der letzten 20 Jahre kommen auf, und ein Battle um das beste Frikadellen-Rezept entflammt. Dazu passen ein nur hier erhältliches Kräusenbier oder eine „Schwarze Heidi“ mit Riesecco, Holunderblütensirup, frischer Minze, Johannisbeersaft und Lime Juice. Auf der Weinkarte findet sich Exklusivabfüllungen von der badischen Weingenossenschaft Durbacher, rote Raritäten aus Österreich und eine Auswahl von Markus Schneider.

Selbstbewusste Klassiker

Mit einem sauber zubereiteten, einwandfreien Wiener Schnitzel und mit Möhren garnierten Königsberger Klopsen geht die Soulfood-Reise weiter. Aufs Schönste, denn Sven Jahn legt Wert auf feine Aromen und beste Zutaten, immer mit viel Liebe zum Produkt und handwerklicher Verarbeitung. „Wir machen alles selbst und möchten die Klassiker mit feinen Nuancen selbstbewusst präsentieren, wie es die deutsche Küche verdient.“ Die Karte wechselt mindestens dreimal im Jahr und Saisonhighlights wie Kürbis, Grünkohl oder Gans – an unserem Nachbartisch wurde eine davon fachgerecht tranchiert – ergänzen das Angebot. Auch internationale (vegetarische) Klassiker wie geflämmter Ziegenkäse finden sich auf der Karte, verblassen hier geschmacklich aber ein wenig. Lieber zurück zu Speisen, die wie der Kalte Hund nach Rezept von der Berliner Oma Kindheitserinnerungen wecken und unser Mahl mit satt-wohligem Gefühl beschließen lassen.

Jäger & Lustig ist montags bis sonntags von 12:00 bis 24:00 Uhr geöffnet. Das Restaurant verfügt über 130 Plätze innen und 146 Plätze im Biergarten. Reservierungen und Event-Anfragen per E-Mail an info@jaegerundlustig.de oder telefonisch unter 030 2900 9912. Weitere Informationen unter www.jaegerundlustig.de.

Restaurant Aufwind Berlin: Frische Brise für Charlottenburg

Restaurant Aufwind Berlin: Frische Brise für Charlottenburg

Das Restaurant Aufwind Berlin ist nun seit einem Jahr in der Windscheidstraße 31 in Charlottenburg. Die Adresse in der Nähe des Lietzensees dürfte zumindest den etwas älteren Berliner Gourmets ein Begriff sein. In diesen Räumen betrieb Karl Wannemacher über 36 Jahre sein lange mit einem Michelin-Stern geziertes Restaurant Alt-Luxemburg. Als Reminiszenz an den Grandseigneur unter den Berliner Köchen versteht sich denn auch die Installation mit 36 roségoldenen Vögeln, die die Wand des Restaurants ziert. Ansonsten knüpft der Eigentümer und geschäftsführende Küchenchef Wenzel Büchold (37) allerdings nicht an die klassische Küche seines Vorgängers an. Er steht für eine vegetarisch geprägte Fusionküche mit aromenstarken, sinnlichen Gerichten, die von der Lust am Geschmack sprechen: „Appetit ist nicht Hunger. Das ist nicht dasselbe“, sagt Büchold. Für den 37-jährigen Autodidakten ist Essen eher Begehren als Bedürfnis, mehr Intuition als Konvention. Auf Fleisch und jegliche Convenience-Produkte, Zusatzstoffe oder Chemikalien verzichtet er komplett und macht von der Sauce bis zur Kräuterbutter alles selbst.

Zéro Dosage an der Bar

Nicht nur die Küche, auch die Räume des Restaurant Aufwind Berlin haben eine deutliche Veränderung erfahren. Entworfen hat das Design Wenzel Bücholds Mutter Corina, deren Ost-Berliner Band „Aufwind“ namensgebend war (und nicht etwa die Straße, wie wir vermutet hatten). Direkt am Eingang steht ein großer, korallenfarben beleuchteter Bartresen, an dem wir uns mit einem Rosé Cuvée Katharina Zéro Dosage von Wieninger auf den Abend einstimmen. Pinot Noir und Zweigelt vom Wiener Bisamberg werden für mehr Säure und weniger Alkohol etwas später gelesen, die Reife erhält er durch lange 36 Monate auf der Hefe. Ein guter Start in dem Wissen, dass wir uns bei Sommelier Niklas Voßgätter und seiner 180 Positionen umfassenden Weinkarte in guten Händen befinden. An der Bar könnte man wunderbar den ganzen Abend verbringen. Aber wir sind ja zum Essen da und beziehen unseren schönen Tisch. Wie immer fällt es schwer, sich nicht an Brot, Butter, Quark und Öl satt zu essen. Vor allem Martina, die hunger- (oder hier besser: appetit-)technisch schnell das Handtuch wirft.

Asiatisch und peruanisch inspirierte Vorspeisen

Wir reißen uns also zusammen, um uns ganz auf die kommenden vier Gänge – einmal vegetarisch, einmal mit Fisch – konzentrieren zu können. In der Küche steht heute der 27-jährige Souschef von Wenzel Büchold, Jan Johannsen. Zusammen mit Commis Mick Mogel hilft er beim Kreieren der Rezepte. Zum Einstieg bekommen wir zwei Klassiker der Karte des Restaurant Aufwind Berlin: Knusprige Süßkartoffel-Kroketten mit Gurke, roter Zwiebel, Chili und Cashewcrème, die im Zusammenspiel der Konsistenzen gut funktionieren, während im Geschmack gefällige Süße ein leichtes Übergewicht hat. Die Ceviche vom Wolfsbarsch ist in der Säure wunderbar austariert und keinen Deut zu scharf, der Hermes Diactoros II 2019 von Ômina Romana aus dem Latium fügt charaktervolle Frische hinzu. Das Herbstgemüse kommt einmal mit gegrilltem Edelweis und einmal mit confiertem Eigelb. Die vegetarische Variante schmeckt uns dank des spannend zubereiteten Eis fast besser. Schade ist, dass das an sich ansprechende Gericht mit Herbstgemüse, Edamame und Himbeer-Chili-Gelee von einer massigen Erdnuss-Curry-Sauce ertränkt wird. Hier wäre weniger mehr gewesen.

Moderne Regionalküche, exzellente Weinbegleitung

Die Hauptgänge überzeugen auf ganzer Linie mit modernen, aus regionalen Zutaten zubereiteten Gerichten. Der Herbstgarten mit kräuterwürzigem Frankfurter Püree und einem leichten Käseschaum schmeckt köstlich. Der recht klassisch anmutende Müritzzander mit Pfifferlingen, Kartoffel-Schnittlauchpüree und Sellerie-Zitronenbutter ist handwerklich und geschmacklich sauber zubereitet. Die Stilistik dieser Gerichte scheint allerdings von einer anderen Handschrift als die der Vorgänger zu stammen. So entsteht bei aller Unkonventionalität der Eindruck, dass die Küche sich noch nicht so richtig entscheiden kann, wo es hingehen soll.

Nicht so beim Wein: Niklas Voßgätter weiß, was er tut und kredenzt zum Zander einen wunderbaren Tegernseerhof Riesling Smaragd 2018 vom Ried Loibenberg aus einer opulent geschwungenen Dekantierflasche von Riedel. Zum Herbstgarten hingegen wählt er einen vollen Grünen Veltliner 2018 Ried Steinertal Smaragd. Von der Qualitätsstufe her entspricht das nach deutscher VDP-Klassifizierung dem Großen Gewächs entspricht. Ebenfalls aus Österreich kommt der herrliche Dessertwein Ruster Ausbruch 2017 von Heidi Schröck mit dem schönen Zusatz „Auf den Flügeln der Morgenröte“. In der Tat heben wir angesichts dieses perfekten Süße-Säure-Spiels in Kombination mit dem umwerfenden Snickers Deluxe-Karamell-Erdnuss-Törtchen komplett ab. Zum Finale also ganz goßes Kino. Genau wie der diskrete, kompetente und herzliche Service unter der Leitung von Peter Izarik, den wir noch aus dem Pauly Saal und dem Restaurant Cell kennen. Danke an das gesamte Team vom Restaurant Aufwind Berlin, wir haben uns sehr wohlgefühlt.

Öffnungszeiten

Restaurant Aufwind, Windscheidstraße 31, 10627 Berlin
Dienstags bis samstags ab 18 Uhr geöffnet. Die Terrasse (bei gutem Wetter) ist bis 22 Uhr geöffnet. Tischreservierung: telefonisch unter 030- 547 10 800 oder via E-Mail an kontakt@aufwind.berlin


Frühstück im Café Wintergarten: Genussort im Variété

Frühstück im Café Wintergarten: Genussort im Variété

Jeder in Berlin kennt das Wintergarten Variété, weniger bekannt dürfte hingegen das erstklassige Frühstück im neuen Café Wintergarten an der Potsdamer Straße sein. Pate für diesen Genussort stand ein Spiegelsalon aus den zwanziger Jahren, in dessen Mitte ein imposanter Kronleuchter aus Svarovski-Steinen hängt. Chic, aber entspannt und ganz im Lebensgefühl der Golden Twenties lässt es sich hier frühstücken wie in einem Wiener Caféhaus.

Neuer Küchenchef Thomas Figovc

Dazu passt, dass der neue Küchenchef aus Österreich stammt. Der gebürtige Kärtner Thomas Figovc, stellt sich – vielleicht wegen seines unausprechlichen Nachnamens – schlicht als „Chef Thomas“ vor. Er blickt auf Stationen in Tophotels auf der ganzen Welt zurück, darunter 5-Sterne-Häuser in Singapur, Vancouver und Neu-Delhi. Berlin zählt, seit er vor über zwanzig Jahren das Adlon miteröffnet und später im Four Seasons am Gendarmenmarkt gearbeitet hat, zu seinen Lieblingsstädten. Gut für uns und gut für das Frühstück im Café Wintergarten: „Endlich kann man an der Potsdamer Straße den Tag mit einem hausgemachten Müsli, Eggs Benedict auf gutem Vollkornbrot oder einer Auswahl auf der Etagère beginnen,“ freut sich Figovc. Im Café bietet er nicht nur Frühstück, sondern auch Businesslunch und Dinner an. Und das völlig unabhängig von einem Besuch des Variététheaters. Was die Menschen in den umliegenden Büros bereits sehr gerne annehmen.

Usprüngliche österreichische Produkte

Während Regionalität heute fast zwanghaft betont wird, liest sich die Frühstückskarte mit den klassischen Etagèren auf den ersten Blick traditionell. Eine echte Besinnigung auf hochwertige Zutaten, die in Berlin noch nicht so bekannt sind, erfährt man ganz unprätentiös durch die Hintertür. Chef Thomas reiste nämlich intensiv durch seine Heimat, auf der Suche nach ursprünglichen österreichischen Produkten. Es führte ihn quer durch das KärntnerJauntal, das Lavanttal und die Südsteiermark, aus denen er mit echten Schätzen und neuen Rezeptideen zurückkehrte. Dazu gehören die Holundermarmelade „Hollerröster“, ein „Kernöl-Konglomerat“ mit Kürbiskernöl, Kürbiskernlikör (to die for!) und eine „Liptauer Power Basis“ für Quark-und Käsezubereitungen. Der Lachs ist hausgebeizt, und auch der Thunfisch wird auf Basis feinster Sashimi-Qualität hausveredelt. Die frischen Backwaren und die Butter für das Frühstück im Café Wintergarten steuert Lindner Esskultur bei. Mit ihrer Konditorei füllen sie auch täglich die Kuchen-und Patisserie-Theke im Café. Natürlich profitieren auch die Varieté-Gäste mit fantastischen Menüs und erlesenen à la carte Gerichten vom neuen Küchenchef – aktuell ganz passend zur 20er-Jahre-Show.

Öffnungszeiten

Das Café Wintergarten ist zum Frühstück montags bis freitags von 8:00 Uhr bis 12:00 Uhr
und am Wochenende von 9:00 Uhr bis 14:00 Uhr geöffnet. Für à la carte Gerichte ist das
Café Wintergarten täglich ab 12:00 Uhr bis 23:00 Uhr geöffnet.

Restaurant Partenope #081 in Berlin: Frittiertes Glück

Restaurant Partenope #081 in Berlin: Frittiertes Glück

Es klingt wie das Sakrileg eines Kunstkenners, wenn Francesco Scognamiglio von seiner Abneigung nicht etwa gegen moderne Kunst, sondern gegen zeitgenössische Pizza spricht. Mit diesem Intro macht der Inhaber vom Restaurant Partenope #081 in Berlin unmissverständlich deutlich, dass er glühender Lokalpatriot und Anhänger der echten Küche seiner Heimatstadt Neapel ist. So gibt es in seinem neuen Lokal neben der wahren neapolitanischen Pizza vor allem die typischen lecker glänzenden Häppchen und spezielle Gerichte, die in Berlin nicht so einfach zu finden sind. Wir empfehlen, hungrig ins Restaurant zu gehen, keinen Gedanken an Kalorienzählen zu verschwenden und sich ganz entspannt dem paradiesischen Streetfood aus Neapel hinzugeben.

Frittierte Glücksmomente

Von der Frittatina alla Genovese, Arrancini fritti al riso, Parmigiana-Bällchen über gefüllte frittierte Zucchiniblüten und Algen-Zeppoline reichen die poetisch klingenden Vorspeisen, die in Gaumen und Magen diese unbeschreibliche, fast kindlich unschuldige Freude jenseits von Superfood und Proteinbroten auslösen. Kleine frittierte Glücksmomente sind das, die uns Francesco und seine Partnerin Paulina Olechowska im Restaurant Partenope #081 servieren. Die entzückende Paulina kommt aus Polen, parliert aber passend zum Spirit des Lokals mit perfekt süditalienischem Zungenschlag.

Authentisch neapolitanische Gerichte

„Wir wollen neapolitanische Rezepte bekannt machen, von denen Berlin nicht einmal den Namen kennt: Neben den frittierten Spezialitäten findet man bei uns zudem die zeitlose Pasta e Patate (Pasta mit Kartoffeln), die Rigatoni mit Genovese-Ragout, die Salsiccia alla Napoletana“ erklärt Francesco. Außerdem stehen ein paar neu interpretierte Klassiker wie die Pasta mit Salsiccia, Auberginen und Piennolo-Tomaten oder das Risotto mit Spargel, Guanciale und Pecorino auf der Karte – als kleines Zugeständnis an den Zeitgeist gibt es die Pasta übrigens auch glutenfrei. Selbstredend kommen alle Zutaten direkt aus Neapel: Die Pasta aus der Manufaktur “La Fabbrica della Pasta” in Gragnano, die Tomatensoße aus einer kleinen neapolitanischen Firma und der Büffelmozzarella aus Mondragone in der Provinz von Caserta.

Die Pizza von Partenope 081

Die traditionelle neapolitanische Pizza ist im Partenope 081 groß und mit einem Rand zwischen einem und zwei Zentimetern. «In Neapel nennen wir sie ‘a ruota di carretta’, (deutsch: Wagenrad) erklärt Francesco. «Wir werden sie aber auch ‘a portafoglio’ anbieten, also gefaltet wie ein Sandwich, damit man sie gleich unterwegs essen kann, genau wie in Neapel.“ Auch hier sind die Zutaten von höchster Qualität. Glücklicherweise kostet die Pizza Margherita als echtes Volksgericht hier nicht mehr als 7 Euro – statt auch gerne mal dem Doppelten in der unmittelbaren Friedrichshainer Nachbarschaft.

Homers Sirene als Namensgeberin

Hinter der #081 im Restaurantnamen versteckt sich übrigens die telefonische Durchwahl für die Provinz von Neapel. Die Sirene Partenope aus der griechischen Mythologie soll die Bucht Neapels mit ihren Tränen gefüllt haben, so dass die Stadt ihr den historischen Namen verdankt. In jedem Fall spricht das am 26. Juni 2021 eröffnete Restaurant Partenope #081 im Szene-Kiez am Boxhagener Platz ein echter Hotspot für Italien-Foodies zu werden. Weinen werden sie höchstens vor Glück.

In Zukunft wird es übrigens auch einen Online-Shop geben, damit alle Produkte direkt nach Hause bestellt werden können. Besonders attraktiv klingt das Pizza-Set mit Pizzateig und allen Zutaten, um eine echte neapolitanische Pizza zu Hause zu backen.

Partenope #081, Gärtnerstraße 15, 10245 Berlin, partenope081.com

Restaurant Lubitsch: Großes Genuss-Kino in Charlottenburg

Restaurant Lubitsch: Großes Genuss-Kino in Charlottenburg

Zwischen Ku’damm und Savignyplatz befindet sich mitten in einem der schönsten Viertel Westberlins das Restaurant Lubitsch. Und genau hier passt das französisch angehauchte Bistrot mit einem Namen, der auf den kongenialen Berliner Schauspieler und Regisseur Ernst Lubitsch zurückgeht, bestens hin. Es reiht sich nahtlos in die Tradition von Berliner Institutionen à la Borchardt, Manzini und Grosz ein. Kein Wunder, denn genau von diesen Stationen kennen und lieben wir den gebürtigen Hamburger Ole Cordua. Er ist seit 2018 Inhaber des Lubitsch und zählt für mich zu den großartigsten Gastgebern Berlins. Mit dem kurz nach dem Mauerfall gegründeten Lokal verwirklichte sich Cordua gemeinsam mit seiner Frau Caroline den Traum vom eigenen Restaurant: „Die Zeit stimmte, die Straße, die Location – das Lubitsch war und ist der perfekte Ort.“

Frische Vorspeisen mit Twist

Perfekt präsentiert sich nicht nur die Location, sondern auch das, was im Restaurant Lubitsch auf den Teller kommt. Wir starten mit etwas, das ursprünglich als Gurkensalat auf der Karte stand. Nun wird es weit orgineller in Form eines geeisten Landgurken-Süppchens mit einer Art Börek serviert. Ebenso sommerlich schmecken der Salat aus großartig aromatischen bunten Tomaten und die Romanasalatherzen mit Avocadospalten. Küchenchef Michael Weigt, der seit 2019 zum Team des Restaurant Lubitsch gehört, erweist sich als echter Glücksgriff. Der gebürtige Görlitzer hat sich u.a. als Küchendirektor von Jo Laggner, als Chef de Cuisine im Tucholsky und zuletzt als Küchenchef im Borchardt einen Namen gemacht.

Modern interpretierte Klassiker zwischen Berlin, Paris und Wien

Neben saisonal wechselnen Gerichten stehen Klassiker der Brasserie-Küche auf der Karte des Restaurant Lubitsch. Dazu zählen u.a. Steak Frites, Plateau de Fruits de Mer und Barbarie-Entenbrust genauso wie hervorragendes Wiener Schnitzel, Original Königsberger Klopse und Senfeier. Verwendet werden ausschließlich hochwertige, marktfrische und vorwiegend regionale Zutaten, die von ausgewählten Lieferanten stammen. „Wir interpretieren traditionsreiche Gerichte neu, nehmen ihnen die Schwere, das Mächtige, modeln sie dezent um, machen sie leichter und zeitgemäßer“ sagt Ole Cordua. Die Idee geht auf, denn eines dieser klassischen Gerichte schmeckt besser schmeckt als das andere. Das liegt aber nicht nur an den Zutaten, sondern auch am Savoir-faire von Michael Weigt. Bei den Senfeiern etwa sorgt das pochierte und gebackene Ei für ein wunderbares Zusammenspiel aus Cremig- und Knusprigkeit, und das Wiener Schnitzel besticht mit bestem Kalbsfleisch und hat den Anspruch, noch etwas besser zu sein als etwa das des Borchardts – das Ergebnis überzeugt auf jeden Fall.

Ganz großes Westberliner Kino

Zum Abschluss gab es dann noch einen Käsekuchen, den ich angesichts seines exorbitanten Fettgehaltes normalerweise nur in homöopathischen Dosen verzehrt hätte. Dieses Exemplar schmeckte allerdings so köstlich, dass ich ihn bis auf den letzten Krümel inhaliert habe. Er war das i-Tüpfelchen, für das sich das Restaurant Lubitsch als Ort mit hohem Wohlfühlfaktor und mit Zeug zu einer echten Westberliner Institution erwiesen hat. Jenseits des schnelllebigen Berliner Restaurant-Hypes erleben wir hier ein tröstlich konservatives Verständnis von Gastlichkeit – und großes Restaurant-Kino. Das gefällt übrigens auch der Tochter des Namensgebers, Nikola Lubitsch, die nicht nur ein treuer Gast, sondern auch eine Freundin des Hauses ist. Vielleicht schaut auch Filmproduzentin Regina Ziegler, die als Besitzerin der legendären „filmkunst 66“ zu den Nachbarinnen zählt, gelegentlich rein. Wir jedenfalls kommen auf jeden Fall wieder. Ist ja glücklicherweise quasi vor der Haustür, das Lubitsch.

Lubitsch, Bleibtreustraße, 10625 Berlin | http://www.restaurant-lubitsch.de

Täglich ab 12 Uhr mittags.“Plat du Jour/ Businesslunch mit wechselnden Gerichten von 12 bis 16 Uhr.

Ø27 in Berlin: Die weltweit erste Döner-Bowl

Ø27 in Berlin: Die weltweit erste Döner-Bowl

Döner polarisiert. Während den einen bei heißem Fleisch mit scharfer Soße das Wasser im Munde zusammenläuft, winken gesundheitsbewusste Clean Eaters genervt ab. Mit der Erfindung der Döner Bowl im neuen Restaurant Ø27 in Berlin dürfte dieser Konflikt Geschichte sein. Mühelos vereinen sich hier Deftigkeit und Frische, Fast Food und handwerkliches Können, immer auf der Basis von besten Produkten. Der Spagat gelingt leichtfüßig: So köstlich war Döner noch nie!

Nur beste Zutaten

„Not your ordinary kebab“ steht in weißer Neonschrift am Fenster des schicken Ladens am Savignyplatz. Wer jetzt an Luxus-Döner und fancy Upgrades des legendären Ur-Streetfoods denkt, liegt allerdings falsch. Im Ø27 kommen schlichtweg beste Zutaten wie aromatisch-eingelegter Rotkohl, hochwertiges Fleisch und frische Soßen ganz ohne Majonaise in die Bowl. Der „normale“ Döner heißt hier „The Classic Beef“ und zieht selbst eingefleischten Döner-Anhängern die Schuhe aus, so aromatisch schmeckt der Signature Dish des Ø27. Wem die Bowl-Variante zu fancy ist, wählt einfach den klassischen Pide oder Dürum-Sandwich. Der ist ein bisschen teurer als beim Imbiss, aber jeden Cent wert.

Vegetarische Varianten

Vegetarier und Veganer werden im Ø27 in Berlin ebenfalls fündig. Für sie gibt es köstliche vegane Döner-Varianten mit Blumenkohl („Holy Cauli“) oder frittierter Polenta. In den „Döbimpap“ hingegen sind koreanische Aromen wie gerösteter Sesam und koreanische Soße eingeflossen. Leckeres eingelegtes Gemüse, Breadsticks und frittierte Kartoffeln mit Rotkohl können als Side Dishes wild kombiniert werden, schmecken aber auch solo ausgesprochen gut. Wie alle Gerichte ist auch das einzige Dessert auf der Karte bis ins letzte Detail durchdacht. Ein pensionierter Bäcker stellt den Käsekuchen nach Omas Geheimrezept her, bevor die Köche des Ø27 ihn zu einer Creme mit Johannisbeermarmelade, Keksbröseln und Meersalz mischen. Wahrlich „Finger Lickin‘ Good“.

Berliner Club-Gastronomieszene stand Pate

Gegründet und betrieben wird die erste Döner-Bowl in Berlin von den Berliner Club-Gastronomie Urgesteinen Behnam Mashoufi & Babak Tajbakhsh (bekannt als Gründer des 808 Berlin sowie der ehemaligen Tube Station in der Berliner Friedrichstraße) in Zusammenarbeit mit dem langjährigen Freund und Kebab Connoisseur Göksel Bas. Als Küchenchef wurde kein anderer als Philipp Kossack mit an Bord geholt, der zuletzt die Küchen der Torbar und Kantine Kohlmann leitete. Der einladende Charme und die stylische Atmosphäre sind der Berliner Architektin Laura Rave zuzuschreiben, bekannt für ihre kreativen und innovativen Gastronomie-Designs (Cookies, Data Kitchen, Crackers, uvm.).

Moderne Vibes und Wohlfühlcharakter

“Als Berliner Jungs aus dem Westen, sind wir seit jeher die größten Döner-Fans. Ø27 ist unsere Hommage an das Kult-Gericht. Dabei verstehen wir unsere Kreationen weder als Luxus-Döner noch fancy Schnick Schnack. Es geht vielmehr um ein würdevolles Update des Klassikers in Kombination mit modernen Vibes und Wohlfühl-Charakter.” so Babak Tajbakhsh, Co-Founder und Geschäftsführer des neuen kulinarischen Hotspots auf der Kantstraße. Letzterer steht beim Ø27 in Berlin neben der Qualität der Produkte und Zutaten an oberster Stelle. “Wir möchten kein schnelles Lauf-Produkt verkaufen, sondern unseren Gästen eine Experience bieten. Der Gast ist eingeladen mehrere Stunden bei uns zu verbringen“ so Mashoufi.

Miraval, Ayran und Cocktails

Zusammen mit einem hervorragenden Miraval-Rosé, oder einem persisch-minzig angehauchten Ayran, der stilgerecht in der Glaskaraffe serviert wird, kommt schwerlich Imbiss-Atmosphäre auf. Von Donnerstag bis Samstag gibt es an der Bar des Ø27 auch DJ-Vibes und Cocktails – so viel Basilikum wie in ihrem Basil Smash gäbe es in Berlin sonst nirgends, versichern die Eigentümer. Der etwas sperrige Name (wo bitte findet man auf der Tastatur das Durchschnittzeichen?) des Q27 in Berlin bezieht sich übrigens auf die genau 27 cm großen Signature-Bowls. Die passen sowohl zum Business-Lunch, Sonntags-Brunch als auch zum Dinner mit Family & Friends. Die Bowls kosten zwischen 8 und 11 Euro, die Sandwiches 6 Euro und die Side-Dishes zwischen 2 Euro und 3,50 Euro.

Ø27, Kantstraße 143, 10623 Berlin | Ø27 auf Instagram

Restaurant Irma La Douce: Sinnliche französische Küche

Restaurant Irma La Douce: Sinnliche französische Küche

Fine Dining Hotspot an der Potsdamer Straße

Wer Billy Wilders Klassiker kennt, denkt unwillkürlich an verruchtes Pariser Nachtleben und eine unwiderstehliche Lebedame mit Hang zu exzentrischen Schlafmasken. So erinnern im neuen Restaurant Irma La Douce in der Potsdamer Straße denn auch ein Foto von Shirley Maclaine und eine Uhr an den legendären Film. Genau wie das Golvet, das gerade zum Aufsteigerrestaurant der Berliner Meisterköche 2019 gekürte Panama und die Victoria Bar hat es sich in der einst schmuddeligen Nachbarschaft der Potse angesiedelt. Als „Restaurant mit einem französischen Gedanken” will sich der neue Fine-Dining-Hotspot verstanden wissen. Versprochen wird eine „leichte, frische und experimentierfreudige Neuinterpretation“ der klassisch französischen Küche, begleitet von Champagner und einer vorwiegend französischen Weinauswahl.

Eingespieltes Team aus Gastro-Profis

Ins Team des Restaurants Irma La Douce hat sich Eins44-Betreiber Jonathan Kartenberg zwei Profis mit einschlägiger Gastro-Vergangenheit ins Boot geholt: Küchenchef Michael Schultz hat zuletzt die Küche im Golvet geleitet und davor im Rutz Restaurant und im Vau gekocht. Sommelier Sascha Hammer war ebenfalls im Vau und lange das Wein-Gesicht von Matthias Gleiß‘ Volt. Das Interieur im Stil einer Pariser Brasserie ist weitgehend vom Vorgänger Brasserie Lumières erhalten geblieben. Hinzu kamen unter anderem ein amtlicher Weinkühlschrank und individuell dimmbare Tischlämpchen, damit jeder Gast sich seine eigene Lichtstimmung zaubern kann. „In unserem neuen Restaurant möchten wir die moderne französische Genusswelt feiern“, erklärt Kartenberg. „Genau wie Irma aus dem gleichnamigen Film leben wir einen ganz eigenen Stil, der nichts ausschließt.“

Französisch mit Twist: Die Vorspeisen

Beim Aperitif setzt das Restaurant Irma la Douce ganz auf Champagner. Faire 10 Euro kostet das Glas Deutz, weitere 50 Sorten Champagner und 300 Weine stehen zur Auswahl. Passend zum Schampus werden typisch französische Vorspeisen gereicht, immer mit experimentellem Twist: Die Felsenaustern kommen mit Melonenschinken, geräucherter Crème fraîche und Ossietra-Kaviar, der auf einem Stück Landbrot servierte Tartar mit eingelegter Tomate. Die Entenleberterrine wird statt mit klassischer Brioche mit Mutzen serviert, aufregend ergänzt durch eine süßsaure asiatische Note aus Shiso und Pflaumenwein. Mit Früchteteearomen spielt die zusammen mit Sellerie und roter Beete angerichtete Makrele so gekonnt, dass aus dem rustikalen Fisch eine elegante, geschmacksexplosive Vorspeise wird. Nicht zu vergessen das Sauerteigbrot mit Frankfurter-Soße-Butter – einer großartig aromatischen Kräutermischung, die in Berlin viel zu selten auf den Tisch kommt.

Klassisches Handwerk, top Produkte

Das Reh mit Kürbis, Churros und Ras el Hanout ist untadelig gegart und schmeckt dank der orientalischen Gewürzmischung herrlich weihnachtlich. Ein solides Gericht, das nicht ganz so zu begeistern weiß wie die als Zwischengericht deklarierte vegetarische Geschmacksexplosion mit Schwarzwurzel. Garniert mit einer hefigen Hollandaise, Pinienkernen, Birnenessig und einer ordentlichen Portion Trüffeln begeistert sie auf ganzer Linie. Toll auch die Weinauswahl von Sascha Hammer, der an diesem Abend immer gleich zwei Weingläser zur Auswahl einschenkt. Zu unserem Glück mag er uns als dezidierter Liebhaber deutscher Weine den Riesling “Marienburg Fahrlay” Großes Gewächs von Clemens Busch nicht vorenthalten. Ansonsten dominieren hervorragende französische Positionen auf der umfangreichen Weinkarte des Irma La Douce. Die Palette reicht vom Pouilly Fumé, Domaine de Fontenille an der Loire (54 Euro) über den Silice Blanc – Saint Joseph von der Domaine Coursodon an der Rhône bis zum Spitzen-Bordeaux Chateau Cheval Blanc /Saint-Émilion Grand Cru Classé A für 571 Euro.

Süßer Abschluss und Fazit

Nicht, dass wir noch Platz für ein Dessert gehabt hätten. Aber das geht ja bekanntlich immer, und es lohnte sich für den Savarin mit Mango und einer delikaten Kamille-Honignote. Sascha Hammers Weinpairing passt auch hier perfekt: Der1995 Riesling „Thörnischer Ritsch“ Auslese Weingut Ludes von der Mosel rundet das Dessert mit gut ausbalancierter Süße wunderbar ab. Ebenfalls lecker die Käseauswahl vom Wilmersdorfer Maître Philippe beziehungsweise seinen Töchtern – besser können französische Käse in Berlin kaum sein. Ob wir das Restaurant Irma La Douce empfehlen können? Unbedingt für alle, die französisches Fine Dining in einer gepflegten Fin-de-Siècle-Atmosphäre mögen und Spaß an ungewöhnlichen Aromen und Kombinationen haben. Wein- und ChampagnerliebhaberInnen werden das Irma La Douce mit Sicherheit lieben. Zudem eignet es sich für den Pré-Theâtre-Apéritif genauso wie für ein ausgedehntes Abendessen mit Freunden. Von uns ein klares Bravó – wir wünschen dem megasympathischen Gastgeber-Trio viel Erfolg!

Irma La Douce, Potsdamer Straße 102, 10785 Berlin, irmaladouce.de

Das Nauta: Nikkei-Küche in Berlin

Das Nauta: Nikkei-Küche in Berlin

Beste Szene-Lage an der Kastanienallee

Die Lage könnte nicht besser sein: Nachdem die legendäre 103 Bar ihre Türen schloss, zog mit dem Restaurant Nauta 2017 ein ambitioniertes Gastronomieprojekt in die Kastanienallee 49. Nikkei-Küche in Berlin zu etablieren hat sich das junge Team auf die Fahnen geschrieben. Von außen betrachtet wirkt das Nauta immer noch wie ein Szenecafé. Hier soll mit blumigen Kissen und unspektakulärem Eingang offenbar der Eindruck eines mittelpreisigen Dinnerlokals vermieden werden. Die Innenräume sind hingegen aufwändig gestaltet, und außer lauter Salsamusik verzichtet das Nauta Berlin komplett auf südamerikanische Folkloreelemente. Statt dessen empfängt den Besucher ein farbenfrohes und gleichzeitig gradliniges Interior Design.

Peruanisch-japanische Nikkei-Küche in Berlin: Diego Velasquez Jimenez 06*©Marc Romero
Diego Jimenez Velasquez @Marc Romero

Neuer Chefkoch: Diego Velasquez Jimenez

Im Juni diesen Jahres wurde der bisherige Chefkoch Juan Danilo von seinem 28-jährigen Landsmann Diego Velasquez Jimenez abgelöst. Trotz seines jungen Alters kann der junge Koch bereits auf Stationen wie das Astrid e Gastón in Lima zurückblicken. Es gilt als eines der besten Restaurants der Welt und trägt, zusammen mit zwei weiteren dieses Kalibers, den Ruf peruanischer Gourmetküche seit einigen Jahren in die Welt. Das Nauta widmet sich inbesondere der vor 100 Jahren durch den Einfluss japanischer Einwanderer in Peru entstandenen Nikkei-Küche, die Jimenez‘ für Berlin neu interpretiert.

Das peruanische Nationalgetränk Pisco als Aperitif

Zum Aperitif bestellen wir Pisco Sour, einen Cocktail aus dem peruanischen Nationalgetränk Pisco (eine Art Grappa aus Traubenmost), Zitronensaft und Angostura Bitter. Getoppt wird das äußerst süffige Mixgetränk von der charakteristischen Eiweißhaube. Die säuerliche Frische täuscht uns nicht über den hohen Alkoholgehalt hinweg, weshalb wir uns nach leidiger Erfahrung an diesem Abend lieber auf ein einziges Glas davon beschränken. Hervorragend dazu passt der Gruß aus der Küche, einer Komposition aus traditionell peruanischen Zutaten. Hier federt Okopa, eine peruanische Kräutersoße aus verschiedenen Chilis, Koriander und Korianderkresse, die leicht mehlige Konsistenz der hübsch arrangierten Maniok-Bällchen aromatisch ab. Sie macht neugierig und Lust auf mehr von Diego Jimenez‘ peruanisch-japanischer Nikkei-Küche in Berlin.

Nichts für Vegetarier: Die Küche der Nauta

Es sei gleich vorangestellt: Das Nauta ist nichts für Vegetarier. Auf der aktuellen Karte befinden sich gerade mal zwei vegetarische Vorspeisen und ein Hauptgericht, von denen uns die Kellerin allerdings direkt abrät. Sie empfiehlt uns stattdessen den Vorspeisenteller Fuente de Nauta, der einen guten Querschnitt durch die Küche geben soll. Serviert wird uns dann ein großer, mit Alufolie ausgeschlagener Dampfkorb, der eine Fülle aus verschiedenen Fleisch- und Fischgerichten mit ein paar Gemüsebeilagen beinhaltet. Zum Glück habe ich in weiser Vorraussicht meinen Gourmet-Freund Bruno mitgebracht. Qua seiner französischen Herkunft ist er mit einer großen Offenheit gegenüber dem Genuss jedes einzelnen Teils vom Tier ausgestattet und weitaus toleranter als ich das mit meinen Vegetarier-Eltern je sein könnte. Er befindet das Rinderherz auf dem Fuente de Nauta als ausgesprochen zart und schmackhaft. Auch der mit Miso glasierten Schweinebauch sagt ihm sehr zu.

Ceviche, Causa und Streetfood-Optik

Das Ceviche vom Wolfsbarsch in klassischer Tigermilch finden wir ok, aber nicht herausragend. Ein Stück Lachs mit den typisch süßen japanischen Soßen schmeckt wie die unerklärlicher Weise mit Kiwischnitzen dekorierten „Vongole“ unspektakulär. Umso mehr überzeugen die in Anissirup gekochten Süßkartoffeln, deren Konsistenz perfekt al dente ist und deren süß-saure Marinade gerade göttlich schmeckt. Der Rest des Gemüses (Kartoffeln und Artischocken) kann sich geschmacklich kaum gegen das darauf geschichtete Fleisch behaupten. Die Causa (das Arme-Leute-Kartoffel-Gericht, mit dessen Verzehr peruanische Rebellen einst die Bauern unterstützen wollten) ist so kühlschrankkalt, dass sich sein Aromapotential höchstens erahnen lässt. Insgesamt wäre weniger mehr gewesen. Ganz zu schweigen von der gewöhnungsbedürftigen Straßenimbiss-Optik. Immerhin kostet diese Vorspeisenplatte stolze 44 Euro – das ist weit mehr als für Streetfood gemeinhin üblich.

Hervorragendes Lamm, guter Sauvignon Blanc zum Saibling

Als Hauptgericht entscheiden wir uns für Seco, ein Sous Vide gegartes Lamm mit Spinat, Koriander und Bohnenpüree. Es ist nicht nur hübsch anzusehen, sondern hervorragend zart gegart, delikat mariniert und gut auf die Beilagen abgestimmt. Wir küren es deshalb als unser bisheriges Highlight des Abends. Als einzige Hauptspeise mit Fisch hingegen enttäuscht der Saibling  A/Mar, der von einer schwer definierbaren Sahnesoße und den offenbar unvermeidlichen „Vongole“ begleitet wird. Schockverliebt sind wir trotz des Namens nicht, umsomehr überzeugt der 2018 Sauvignon Blanc Gutenberger Römerberg Beste Lagen. Seine feine Nase aus Zitrusfrüchten und der schönen Abgang von grünem Apfel und Limette machen Spaß. Der 2015 Malbec Hacienda de la Plata aus Argentinien hingegen hätte statt allzu vorherrschender Tannine mehr Frucht und Nachhaltigkeit aufweisen können. Insbesondere zu dem geschmacksstarken Lamm hätte ein charaktervollerer Roter besser gepasst.

Reminiszenz an Massimo Bottura

Den Nachtisch nehmen wir gemeinsam mit Diego Velasquez Jimenez ein. Der junge Chef betont, dass er statt einer bestimmten Landesküche vor allem eine individuelle Handschrift entwickeln und zeigen möchte. Deshalb schmeckten den Peruanern auch die meisten seiner Gerichte nicht. Er möchte mit Nikkei-Küche in Berlin überraschen, indem er traditionelle Gerichte neu intepretiert. Deshalb ist es wohl kein Zufall, dass sein Dessert Corazon roto (mit Nero di Seppia geschwärztem Baiser, Manjar blanco, Himbeersorbet und Knisterbrause) an die „Dekonsturierte Zitronentarte“ von Spitzenkoch Massimo Bottura (siehe dazu auch unseren Artikel über Gualtiero Marchesi) erinnert – dieser hatte seine italienischen Landleute einst mit einer völlig neu gedachten Küche schockiert.

Außergewöhnliches Eisdessert

Auch bei seiner Eisvariation zeigt Jimenez, was Aromenküche sein kann. Statt beliebiger Mainstream-Geschmacksrichtungen sorgen ungewöhnliche Zutaten wie Gurke, Süßkartoffel, Koriander und Schokolade mit Miso für echte Geschmacksexplosionen. Gleichzeitig erfreut sich das Auge an einer bunten Spielwiese aus kunterbunten Waffeln und lustigen Eispunkten.

Fazit: Peruanisch-japanische Nikkei-Küche in Berlin

Die großen Ambitionen des jungen Chefkochs haben sich für uns vor allem im Gespräch und bei den Desserts offenbart. MIt Sicherheit kann er mehr, als er uns an diesem Abend gezeigt hat. Wir wünschen dem Nauta und Diego Velasquez Jimenez, dass Konzept und Ideen konsequent, konstant und mit Liebe zum Detail umgesetzt werden. Denn Nikkei-Küche in Berlin stellt eine durchaus spannende Erweiterung der Restaurantszene dar.

P.S. Der Nikkei-Brunch am Wochenende

Was wir auf jeden Fall noch probieren wollen, ist der Nauta-Brunch mit peruanisch-japanischen Spezialitäten. Gekocht werden sie von der sympathischen Köchin Marisa, die nicht wie Diego aus Lima, sondern einer Hafenstadt im Norden Perus stammt. Pan con palta, Tamagoyaki-Rollen und gerührter Tofu mit Sauerteigbrot klingen vielversprechend – wir sind gespannt.

Das Restaurant Nauta hat 65 Sitzplätze und ist Dienstag bis Samstag von 18:30 bis 23:00 Uhr und am Wochenende zusätzlich von 11:00 bis 16:00 Uhr geöffnet. Für kleinere Events steht ein separater Raum zur Verfügung. www.nautaberlin.com

Carl und Sophie: Feine Küche an der Spree

Carl und Sophie: Feine Küche an der Spree

Innovative Küche am Wasser

Kurz vor sechs Uhr reißt der Berliner Himmel auf und taucht die Terrasse des Restaurants Carl & Sophie in leuchtende Abendsonne. Was für ein Glück, erwartetet uns doch heute Abend ein ganz besonderes Dinner. Denn zweifellos ist das Spreerestaurant eine der Top-Locations für Feinschmecker, die in Berlin am Wasser essen möchten. Für uns kommt es sogar noch besser, denn wir werden die innovative Küche von Chefkoch Maico Orso auf der schmucken Motoryacht Aida erleben.

Ein Gläschen Champagner auf der Spreeterrasse

Während wir auf der Spreeterrasse des Carl & Sophie Bollinger Special Cuvée brut aus der Magnumflasche genießen, liegt unter uns die AIDA zu Anker. Ganz wunderbar passen zum feinen Aperitif das Roastbeef black & blue und der roh marinierte Kohlrabi mit Pfifferlingen, der ein gutes Beispiel für die Gemüseküche von Maico Orso ist. Der ist leider krankheitsbedingt verhindert, wird aber durch seinen sympathischen Sous-Chef Martin Höse würdig vertreten. Neugierig gemacht von den ästhetisch wie geschmacklich anregenden Entrées begeben wir uns also beschwingt auf das Schiff.

Kulinarische Überraschungen an Bord der AIDA

Weil es plötzlich so schön warm ist, lassen wir uns geschlossen auf dem Open-Air-Teil der Aida nieder. Als erstes wird „Makrele Hausfrauen Art“ serviert, einem mit feiner Ironie gewählten Titel, der eher nach den in Sahnesoße schwimmenden Apfel- und Fischstücken meiner norddeutschen Großmutter klingt. Hier hingegen handelt es sich eher um eine Dekonstruktion des eben genannten Rezeptes, dessen traditionelle Zutaten Apfel, Zwiebel und Sauerrahm einzeln angerichtet auf dem Teller landen. Auf diese Weise machen sie als geschmacklicher Kontrapunkt zur strengen Makrele auch optisch eine äußerst elegante Figur. Ein echter Knaller ist unser erster Hauptgang „Melone medium rare“, ein unter kräftiger Barbecue-Salsa verstecktes Stück gegrillte Wassermelone. Geschmackvoll begleitet wird sie von fruchtigem Maisstampf, sahnigem Kartoffelpüree und eingelegten Jalapenos. Während Melone vom Rost gern mal eine schleimige Konsistenz annimmt, stimmen Frische und Knackigkeit hier. Darüberhinaus verbinden sich die süß-fruchtigen Aromen hervorragend mit den salzigen Rauchnoten der Sauce.

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Überzeugende Weinbegleitung

Nach einem schlanken Weissburgunder Kalkfels 2018 vom Weingut Janson Bernard aus der Pfalz steigert sich die Aromafülle im Glas beträchtlich. Im Anschluss bekommen wir nämlich einen phänomenalen 2014 Niersteiner Pettenthal Riesling GG vom Weingut Louis Guntrum aus Rheinhessen. Dieses große Gewächs vom berühmten Roten Hang überzeugt durch eine konzentrierte Frucht und einen langen, mineralischen Abgang. Wow, was für ein Riesling! Zum zweiten Hauptgang, einer geschmorten Lammschulter ohne jegliche unschöne „Hammel“-Note, schenkt uns ABION-Geschäftsführer Gunnar Gust einen 2004 Aalto PS Ribera DEL Duero aus der Magnumflasche ein. Dieser im Handel fast überall ausverkaufte Top-Wein der Bodegas Aalto aus 100% Tempranillo begeistert mit Eleganz, Power und einer ausgewogenen Frucht-Säure-Balance. In ihrer Qualität stehen beide stellvertretend für die über 120 Positionen umfassende und äußerst fair kalkulierte Weinkarte des Carl & Sophie.

Das süße Finale: Ein grünes Gemüsedessert

Als wir vor ein paar Wochen das Dessert „Grün, Grün, Grün“-Dessert im besternten Restaurant Golvet (vgl. dazu unsere Restaurantkritik vom Golvet) probierten, waren wir begeistert von dieser Neuinterpretation des süßen Abschlusses: Weg von der Frucht, hin zum Salat. Dementsprechend nicht mehr ganz so überraschend, aber nicht minder beeindruckend entpuppt sich die Gemüsedessert-Variante von Maico Orso, „Kopfsalat, Passionsfrucht, weiße Schokolade“. Herrlich zergehen die gar nicht so widersprüchlichen Aromen am Gaumen. Dieser kämpft eher mit den Bitternoten der leuchtend grünen Komposition aus der Haussekt-Cuvée, Passionsfruchtessig und Kopfsalatsaft. Beide zusammen genossen erweisen sich nach ein paar Bissen und Schlucken dann allerdings doch als Erfolg auf ganzer Linie.

Was für eine schöne Stadt: Berlin aus Wasserperspektive

Unglaublich, was Martin Höseso alles aus der Kombüse zaubert und wieviele Flaschen aus den Tiefen des Schiffsbauches auftauchen. Während wir uns dionysischen und kulinarischen Freuden hingeben, gleitet unsere Aida über das Wasser: Wir passieren das Kanzleramt. das Pergamonmuseum und die East Side Gallery, bevor wir unter der Oberbaumbrücke hindurchfahren und die Molecule Men zum Anfassen nah zu passieren. Es wird Nacht, wir sind selig ob dieser herrlichen Wasserperspektive und plötzlich versöhnt mit unserer lauten, schmutzigen, wunderschönen Stadt. Schöner kann man in Berlin am Wasser kaum essen. Danke dem Team von Carl & Sofie für diesen unvergesslichen Abend! Ach ja: Gibt es diese unwiderstehlich buttrig-süßen, in braunes Packpapier gewickelten Karamel-Bonbons auch in der Familienpackung?

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P.S. Unser Event-Tipp für alle, die Lust auf mehr bekommen haben und Maico Orsos Küche nicht nur am, sondern auch auf dem Wasser genießen möchten:

Cheese on the Water: Maico Orso und Fritz Blomeyer

An drei Freitagen gibt es in diesem Jahr die Gelegenheit, einen besonderen Käseabend mit Maico Orso und Fritz Blomeyer zu erleben: am 23. August, am 13. und 20. September – jeweils von 18:00 bis 22:00 Uhr. Inklusive Weinen, Wasser, acht verschiedenen Käsesorten und einem Vier-Gang-Menü kostet die kulinarische Spreefahrt Preis: 129 Euro pro Person. Mehr Infos: Cheese on the Water