Diese Stadt ist nicht gerade berühmt für ihre Freundlichkeit geschweige denn ihre ausgeprägte Gastgebermentalität. Ganz anders im Grand Hyatt Berlin, das gestern seinen 20. Geburtstag feierte. Gleich am Eingang wurden wir, obwohl die Hostessen meinen Namen nicht gleich fanden, ganz selbstverständlich mit einem Bändchen versehen (und dass das beileibe nicht immer so gehandhabt wird, musste ich letzte Woche schmerzlich bei der Art Berlin erfahren). Kurz, wir fühlten uns willkommen und genossen dies sehr.

Ebenso reizend präsentierte sich das gesamte Hotelpersonal vom Service bis zum General Manager Jan Peter van der Ree, der – so wirkte es zumindest nach außen – sein Team so motiviert, dass es gerne für das 5-Sterne-Haus arbeitet. Es gehört für mich als Boutique-Hotel-Liebhaberin trotz seiner Zugehörigkeit zu einer amerikanischen Kette zu den schönsten Luxushotels Berlins. Insbesondere sticht es mit der Sammlung zeitgenössischer Kunstwerken (auch wenn mein Freund die großflächigen und durchaus dekorativen Wachsmalkreide-Arbeiten eines bekannten Künstlers etwas despektierlich als „Scarabocchi“, also Kritzeleien, beschrieb), einer bemerkenswerten Architektur und modernem Interior Design aus dem amerikanischen Mainstream hervor.

Zum Aperitif gab es den Riesling Sekt XX vom Weingut Stefan Breuer (Rheinhessen), der gut trinkbar war, jedoch gegenüber dem 2017er Riesling „Unplugged“ vom Weingut Tesch an der Nahe in seiner ganzen Fülle von herben Äpfeln, Kernobst und würzigen Tabaknoten ein wenig abfiel. Dazu wurden „Flying Lollies“ gereicht, kleine Köstlichkeiten auf Spießen, aus denen die Tomaten-Marshmallow in ihrer süß-salzigen Gelée-Konsistenz und die Artischocken-Pralinen mit Trüffelcrème herausragten.

Den Rotwein, ebenfalls von Stefan Breuer, haben wir über dem beeindruckenden Riesling ganz vergessen zu probieren, obwohl er sicherlich gut zum hinreißenden „Ochsenbacken-Cappuccino“ mit mürbem Fleisch von der deutschen Färse, sahnigem Bio-Linda- und Sellerie-Püree sowie Zitronengrasschaum gepasst hätte. Ebenfalls gelungen das perfekt „all‘ onda“ zubereitete Trüffelrisotto vom Team des Tizian, wenn auch der Reis für meinen Geschmack etwas zu al dente geraten war. Farblos dagegen die Salatherzen mit Büffelmozzarella, frisch die Nigiri mit Hokkaido-Kürbis.

Das Dessert war eine Art moderne Birne Helene aus Nashi mit Limonen-Olivenöl-Schokolade und schokolierten Haselnüssen – sehr fein und definitiv das Letzte, das ich an diesem geschmackvollen Verwöhn-Abend und vor einem letzten Ausflug zum Roulette-Tisch der Spielbank Berlin zu mir genommen habe. Vielen Dank an das Team vom Grand Hyatt Berlin und insbesondere an Kerstin Riedel!

Posted by:gesetta

Aus dem norddeutschen Flachland zog es mich schnell nach Italien und Frankreich, wo ich das mediterrane Lebensgefühl in jede Pore aufgesogen habe. Ich liebe Venedig, Aperol Spritz und gutes Essen. Schon als Kind hasste ich Jugendherbergen, praktische Kleidung und flache Schuhe. Nach unzähligen herrlichen Hotels und einem unprotestantischen Ja zum Glamour kann ich letzteren beiden inzwischen sogar etwas abgewinnen. In 10 Jahren kommt vielleicht die Zeit für Jugendherbergen, weil ich mich jung fühlen möchte. Besser nicht.

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