Restaurant Aufwind Berlin: Frische Brise für Charlottenburg

Restaurant Aufwind Berlin: Frische Brise für Charlottenburg

Das Restaurant Aufwind Berlin ist nun seit einem Jahr in der Windscheidstraße 31 in Charlottenburg. Die Adresse in der Nähe des Lietzensees dürfte zumindest den etwas älteren Berliner Gourmets ein Begriff sein. In diesen Räumen betrieb Karl Wannemacher über 36 Jahre sein lange mit einem Michelin-Stern geziertes Restaurant Alt-Luxemburg. Als Reminiszenz an den Grandseigneur unter den Berliner Köchen versteht sich denn auch die Installation mit 36 roségoldenen Vögeln, die die Wand des Restaurants ziert. Ansonsten knüpft der Eigentümer und geschäftsführende Küchenchef Wenzel Büchold (37) allerdings nicht an die klassische Küche seines Vorgängers an. Er steht für eine vegetarisch geprägte Fusionküche mit aromenstarken, sinnlichen Gerichten, die von der Lust am Geschmack sprechen: „Appetit ist nicht Hunger. Das ist nicht dasselbe“, sagt Büchold. Für den 37-jährigen Autodidakten ist Essen eher Begehren als Bedürfnis, mehr Intuition als Konvention. Auf Fleisch und jegliche Convenience-Produkte, Zusatzstoffe oder Chemikalien verzichtet er komplett und macht von der Sauce bis zur Kräuterbutter alles selbst.

Zéro Dosage an der Bar

Nicht nur die Küche, auch die Räume des Restaurant Aufwind Berlin haben eine deutliche Veränderung erfahren. Entworfen hat das Design Wenzel Bücholds Mutter Corina, deren Ost-Berliner Band „Aufwind“ namensgebend war (und nicht etwa die Straße, wie wir vermutet hatten). Direkt am Eingang steht ein großer, korallenfarben beleuchteter Bartresen, an dem wir uns mit einem Rosé Cuvée Katharina Zéro Dosage von Wieninger auf den Abend einstimmen. Pinot Noir und Zweigelt vom Wiener Bisamberg werden für mehr Säure und weniger Alkohol etwas später gelesen, die Reife erhält er durch lange 36 Monate auf der Hefe. Ein guter Start in dem Wissen, dass wir uns bei Sommelier Niklas Voßgätter und seiner 180 Positionen umfassenden Weinkarte in guten Händen befinden. An der Bar könnte man wunderbar den ganzen Abend verbringen. Aber wir sind ja zum Essen da und beziehen unseren schönen Tisch. Wie immer fällt es schwer, sich nicht an Brot, Butter, Quark und Öl satt zu essen. Vor allem Martina, die hunger- (oder hier besser: appetit-)technisch schnell das Handtuch wirft.

Asiatisch und peruanisch inspirierte Vorspeisen

Wir reißen uns also zusammen, um uns ganz auf die kommenden vier Gänge – einmal vegetarisch, einmal mit Fisch – konzentrieren zu können. In der Küche steht heute der 27-jährige Souschef von Wenzel Büchold, Jan Johannsen. Zusammen mit Commis Mick Mogel hilft er beim Kreieren der Rezepte. Zum Einstieg bekommen wir zwei Klassiker der Karte des Restaurant Aufwind Berlin: Knusprige Süßkartoffel-Kroketten mit Gurke, roter Zwiebel, Chili und Cashewcrème, die im Zusammenspiel der Konsistenzen gut funktionieren, während im Geschmack gefällige Süße ein leichtes Übergewicht hat. Die Ceviche vom Wolfsbarsch ist in der Säure wunderbar austariert und keinen Deut zu scharf, der Hermes Diactoros II 2019 von Ômina Romana aus dem Latium fügt charaktervolle Frische hinzu. Das Herbstgemüse kommt einmal mit gegrilltem Edelweis und einmal mit confiertem Eigelb. Die vegetarische Variante schmeckt uns dank des spannend zubereiteten Eis fast besser. Schade ist, dass das an sich ansprechende Gericht mit Herbstgemüse, Edamame und Himbeer-Chili-Gelee von einer massigen Erdnuss-Curry-Sauce ertränkt wird. Hier wäre weniger mehr gewesen.

Moderne Regionalküche, exzellente Weinbegleitung

Die Hauptgänge überzeugen auf ganzer Linie mit modernen, aus regionalen Zutaten zubereiteten Gerichten. Der Herbstgarten mit kräuterwürzigem Frankfurter Püree und einem leichten Käseschaum schmeckt köstlich. Der recht klassisch anmutende Müritzzander mit Pfifferlingen, Kartoffel-Schnittlauchpüree und Sellerie-Zitronenbutter ist handwerklich und geschmacklich sauber zubereitet. Die Stilistik dieser Gerichte scheint allerdings von einer anderen Handschrift als die der Vorgänger zu stammen. So entsteht bei aller Unkonventionalität der Eindruck, dass die Küche sich noch nicht so richtig entscheiden kann, wo es hingehen soll.

Nicht so beim Wein: Niklas Voßgätter weiß, was er tut und kredenzt zum Zander einen wunderbaren Tegernseerhof Riesling Smaragd 2018 vom Ried Loibenberg aus einer opulent geschwungenen Dekantierflasche von Riedel. Zum Herbstgarten hingegen wählt er einen vollen Grünen Veltliner 2018 Ried Steinertal Smaragd. Von der Qualitätsstufe her entspricht das nach deutscher VDP-Klassifizierung dem Großen Gewächs entspricht. Ebenfalls aus Österreich kommt der herrliche Dessertwein Ruster Ausbruch 2017 von Heidi Schröck mit dem schönen Zusatz „Auf den Flügeln der Morgenröte“. In der Tat heben wir angesichts dieses perfekten Süße-Säure-Spiels in Kombination mit dem umwerfenden Snickers Deluxe-Karamell-Erdnuss-Törtchen komplett ab. Zum Finale also ganz goßes Kino. Genau wie der diskrete, kompetente und herzliche Service unter der Leitung von Peter Izarik, den wir noch aus dem Pauly Saal und dem Restaurant Cell kennen. Danke an das gesamte Team vom Restaurant Aufwind Berlin, wir haben uns sehr wohlgefühlt.

Öffnungszeiten

Restaurant Aufwind, Windscheidstraße 31, 10627 Berlin
Dienstags bis samstags ab 18 Uhr geöffnet. Die Terrasse (bei gutem Wetter) ist bis 22 Uhr geöffnet. Tischreservierung: telefonisch unter 030- 547 10 800 oder via E-Mail an kontakt@aufwind.berlin


Guck mal, eine Fee: Die Botanische Nacht 2021

Guck mal, eine Fee: Die Botanische Nacht 2021

Ich habe eine große Schwäche für Feen und andere Waldwesen, Kobolde, Riesen, Magier und sprechende Bäume. Und das mitten in Berlin. Was für ein Glück, dass sich einmal im Jahr  der Botanische Garten in Steglitz genau in einen solchen Wunderwald verwandelt. Die Botanische Nacht als Botania 2021: Ein ganz besonderes Erlebnis, hat man das Talent, sich in eine Zauberwelt aus Licht, Musik und Illusionen fallen zu lassen.

Seit 2008 gibt es dieses Spektakel einmal im Jahr. Wegen des großen Erfolgs lädt der Botanische Garten inzwischen sogar an zwei Wochenenden im Sommer das lustwandelnde Volk zum flanieren und staunen zur Botanischen Nacht

Botanische Nacht: Spaß im Funkeltal

Vier Tage, die der Magie gehören. Zur Boantischen Nacht ist das riesige Gelände eingeteilt in acht Naturwelten, die so zauberhafte Namen tragen wie Idyll der Illusion, Die stummen Berge, Hain der Hoffnung, Funkeltal oder Dunkelwald. Rund 16 Kilometer Wegstrecke, auf denen Licht, Klang und Kunst warten. Manchmal überraschend aus dem Gebüsch springend, manchmal einfach als Bühnenspektakel mit durchaus irdischen Bands, die auch mal den Schnunkelhit „Cordula grün“ intonieren. Da passt vielleicht nicht unbedingt der Rhythmus dieser Botanischen nacht, aber durchaus die Farbe im Namen des Titels.

Zwischendurch warten verschiedene Fressbuden mit mehr oder weniger schmackhaften Angeboten vom Grill auf hungrige Wanderer durch die Botanische Nacht. Und natürlich gibt`s auch genügend Bier, Wein und Aperol Spritz in To-Go- Qualität. Gibt sicherlich besseres, aber darum geht es in dieser Nacht ja gar nicht. Schließlich soll ja keiner dursten auf den langen Wegen durch die Welt der Magie im Botanischen Garten. Es empfiehlt sich allerdings, nicht nur bequeme Schuhe, sondern auch ein etwas dickeres Portemonnaie einzustecken.

#BO Berlin – Botanischer Garten als Wissenszentrum

Und während es bis zwei Uhr nachts glitzert und funkelt, strahlt und klingt, duftet und die Stunden immer mehr in einem surrealen Zauber versinken, bleibt eine ganz andere Betrachtung bei Tageslicht: Der Botanische Garten Berlin ist BO Berlin – Internationales Wissenszentrum der Botanik und gehört seit 1995 zur FU Berlin.

Und in diesem Zusammenhang hat der Botanische Garten Berlin gerade erst sein Zukunftskonzept für die kommenden zehn Jahre präsentiert:  Mit der Marke BO Berlin – Internationales Wissenszentrum der Botanik unterstreicht er seine Bedeutung als einzigartiger Ort der Wissensgenerierung und -vermittlung. „Wir bewahren Wissen, wir mehren Wissen und wir teilen es mit der Welt. Im globalen Netzwerk als Knotenpunkt der Biodiversitätsforschung. Und in Berlin als Forum für Natur-Erlebnisse“, so Prof. Dr. Thomas Borsch, Direktor des Botanischen Gartens Berlin. Das Zukunftskonzept 2021-2030 umreißt die strategischen Vorhaben und zukünftigen Angebote in Garten, Museum sowie Wissenschaft und Forschung.  

Botanischer Garten steht für Biodiversität

Ein neu gegründetes Zentrum für Biodiversitätsinformatik und Sammlungsdatenintegration soll den Wissens-Hub in den kommenden zehn Jahren weiter ausbauen. Dazu gehören Planungen, gemeinsam mit wissenschaftlichen Partnerinstitutionen in aller Welt eine global vernetzte Dateninfrastruktur der Botanik zu schaffen, die zukünftig auch Data-Modeling-Projekte ermöglicht.

Ein Upgrade für Garten und Museum

Für die Gäste aus Berlin und aller Welt werden in den nächsten zehn Jahren zahlreiche neue Angebote in Garten und Museum entstehen. Mehr als 17 Millionen Euro fließen bis 2023 aus Fördermitteln der „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) in die touristische Erschließung und Verbesserung der Infrastruktur sowie die Aufwertung der Gartenanlage. Zugegeben – das klingt spektakulär. Aber zum Glück treiben nachts, wenn die Wissenschaftler schlafen, immer noch  Kobolde, Waldgeschöpfe und Feen ihr Unwesen. Und das hoffentlich noch viele Jahre während der Botanischen Nacht – und auch davor und danach.

Markt12 vorm Restaurant 12seasons: Gehobene Gastronomie zum Mitnehmen

Wenn das Schicksal Lösungen fordert

Wir haben Hunger. Aber vor allem Appetit auf Neues. Und freuen uns, dass uns viele der großartigen Restaurants in Berlin einen ToGo-Service der besonderen Art anbieten: Entweder für daheim, um die Speisen auf Temperatur zu bringen, oder bereits komplett zubereitet zum sofortigen Genuss. Deshalb wollten wir testen, wie lecker Takeaway in gehobener Qualität wirklich ist. Das macht Spaß, hilft gegen Langeweile und unterstützt lokal. Wir begeben uns also in die schöne Giesebrechtstraße, in der kürzlich das Markt12 vorm Restaurant 12seasons eröffnet hatte.

Köstliches von der Terrasse

Eigentlich sollte das 12seasons im ehemaligen Julep’s in der Giesebrechtstraße schon längst Tür und Küche geöffnet haben. Aber dann kamen Corona und damit Plan B. Statt nun Abend für Abend die Gäste IM Restaurant zu empfangen, haben die Gastgeber Tim Hansen und Vitali Müller und Küchenchef Kamel Haddad die Aktivitäten kurzerhand VOR die Tür gelegt. Das Markt12 vorm Restaurant 12seasons war geboren. Auf der hauseigenen Terrasse wartet ein improvisierter, aber dennoch höchst stylisher Tresen auf hungrige und durstige Gäste. Wer mag, kann auch Eingemachtes und Eingekochtes aus saisonalem Obst und Gemüse mit nach Hause nehmen. Quitten-Marmelade und Rosmarin-Sirup verlocken genauso zum Probieren und Kaufen wie selbstgebackenes Sauerteigbrot und köstlich angemachte Butter. Präsentiert wird das alles in einem äußerst appetitlichen Arrangement zwischen Weinflaschen und Blumen.

Coole Idee, coole Typen

Das Konzept vom 12seasons sieht vor, jeden Monat einen komplett neuen Speiseplan anzubieten; diese Idee wird nun auch als Takeaway weitestgehend umgesetzt. Trotz der doch recht widrigen Umstände wirken die Drei, die als Team bereits das NEUMOND in Mitte zum Erfolg geführt haben, recht entspannt. Ein Umstand, der möglichweise auch dem Innenleben des 12seasons geschuldet ist: Denn das Restaurant wirkt immer noch weit entfernt von fertig. Die Bar ist nur rudimentär zu erahnen, Teppiche liegen auch noch nicht. Alles wartet auf ein Finish im Dornröschenschlaf. Auch hier hat Corona zugeschlagen. Tim Hansen steht lässig an dem Bargerippe und erzählt: „Unsere beiden Tischler sind ausgefallen. Macht vier Wochen Quarantäne und damit Baustillstand.“ Aber irgendwie steht den Dreien dieser Baustellencharme gut, und sie wirken sehr lässig im schummerigen Halbdunkel des Provisoriums. Warum auch in Hektik geraten, wenn gerade alles irgendwie alles eher still steht. Vitali Müller: „Dennoch ist es uns gerade jetzt wichtig, unseren Gästen zu helfen, diese Zeit genussvoll zu überstehen.“ Ein Gedanke auf Gegenseitigkeit.

Lockdown-Menü mit Novemberfeeling

Dann wollen wir mal sehen und vor allem kosten, was so geht. Tim Hansen empfiehlt uns ein besonderes Lockdown-Menü; angepriesen als mit Liebe und Leidenschaft hergestellt. Wir starten mit köstlichen Kartoffel-Butternut-Rösti mit Gorgonzola-Salbei-Creme. Es folgt eine Wild-Bratwurst auf einem verboten leckeren Tomaten-Confit (Zitat von Chefkoch Kamel Haddad: „Dafür braucht man sehr viel Geduld“), dazu krosse Streifen aus Kartoffelschalen und Chili-Mayo. Die Fragezeichen zu den Kartoffelschalen finden die Lösung in einem höchst nachhaltigen Konzept, bei dem wirklich alles verwertet werden soll. Wir beenden den kulinarischen Novemberspaziergang mit rustikalen Rote-Beete-Gnocchi, die vegetarisch aussehen, durch eine deutliche Specknote aber herzhaft schmecken. Empfehlenswert! Wer einen kleinen Vorgeschmack auf das zukünftige Fine Dining im 12seasons bekommen möchte, ordert das nur am Wochenende verfügbare Menü zum Mitnehmen – für faire 40 Euro.

Prickelndes zum Warmwerden

Übrigens verkürzt uns ein Glas Bamberger Sekt äußerst prickelnd die Wartezeit. Wir plaudern auf Abstand und erfahren viel über Freundschaft, das durchaus durchdachte und ambitionierte Konzept und den Wunsch, mit neuen Ideen ihre durch die Berliner Restaurantlandschaft mitwandernde Fangemeinde glücklich zu machen.

12seasons, Giesebrechtstraße 3, 10629 Berlin. Tel.: 030 92258049

Mehr Infos zur Speisekarte und Öffnungszeiten: hier

Bacg Berlin: Frisches Streetfood in Mitte

Bacg Berlin: Frisches Streetfood in Mitte

Mitte ruft. Wir wollen raus an diesem Mittwoch im Oktober, der Lockdown liegt schon in der Luft und ein einsamer November vor uns. Herrlich ist es hier. Vor unserem Besuch im Bacg Berlin spazieren wir am sensationellen Hinterhof am Café Cinema  in der Rosenthaler Straße vorbei. Wer braucht schon New York, wenn sich gleich hinter dem Anne Frank-Zentrum ein pittoresk-urbaner Hinterhof auftut, der Vergangenheit und Zukunft vereint und so herrlich anders ist als das gediegene Charlottenburg? Selbst die Läden von Mainstream-Anbietern sehen hier wie coole Designerboutiquen aus: im H&M The Garden hängt neben feinem Cashmere & edlen Stöffchen auch das eine oder andere Burberry-Teil. Ein paar Meter weiter entdecken wir den Picknweight-Laden in der Münzstraße. Hier kauft man Vintage nach Kilos und könnte sich perfekt für jede Mottoparty einkleiden. Martina ersteht einen Hut von Leni Gockel und strahlt.

Family-Style in Mitte

Wir sind happy und betreten beseelt das einladend leuchtende Bacg Berlin direkt am U-Bahnhof Weinmeisterstraße. Eröffnet hat das stylische Restaurant mit Diner-Anmutung erst im Sommer 2020. Das jüngste Baby von Berlins Großgastronom Roland Mary hatte trotz Selbstläufer-Lage einen schwierigen Start. Mitten in der Corona-Pandemie fehlen die internatiolen Touristen, und besonders abends ist es beängstigend leer in der sonst pulsierenden Schönhauser Allee. Das Team unter der Leitung von Sorin Madularu ist jung und international. „Die meisten von uns sind Quereinsteiger, die liebevoll mit ihrer Message umgehen“ betont der Restaurantleiter. Tatsächlich wirkt der Service ausgesprochen angenehm und zugewandt, so ganz ohne die für Berlin-Mitte so typische coole Nachlässigkeit.

Streetfood zum Teilen

So international wie das Team und das zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz in die Knie gezwungene Berlin sind auch die frisch zubereiteten Speisen aus der Showküche. Das Produkt soll im Mittelpunkt stehen, höchste Qualität ist den Machern genauso wichtig wie der Geschmack. Für die hippe, gesundheitsbewusste Crowd sind neben Kebap & Co. auch vegane und vegetarische Alternativen wie Kürbissuppe oder ein kräutrig-frischer Avocado-Salat zu finden. Deshalb am besten ganz viel bestellen und dann teilen – im Bacg Berlin ist Family Style angesagt. Dazu eine hausgemachte Limonade, ein Aperol Sprizz oder ein Moscow-Mule: der Abend fängt gut an.

Frisches Kebap-Update

„Berlin based fresh food“ lautet das Motto des Bacg Berlin. Von den „Pimped Fries“ (unbedingt die mexikanische Variante mit Tomaten-Salsa, Jalapenos und Sour Cream probieren) über die Plates bis hin zu den namensgebenden „Bags“ ist alles hausgemacht. Letztere tragen auf der Karte den Untertitel „the other kebap“ und sind tatsächlich als hippes Update des Streetfood-Klassikers zu verstehen. Ins hausgebackene Sauerteigbrot kommen jede Menge frisches Gemüse und Salat, getoppt wird das Ganze dann mit Falafel, 24-48 Stunden mariniertem Tempeh, Huhn oder Rindfleisch. Wer Low Carb bevorzugt, bestellt die „Plate-Variante“ – unser Favorit war hier das Buttermilk lemon fried chicken in Bio-Qualität, dessen wunderbar zartes, zitroniges Fleisch knusprig frittiert und absolut unwiderstehlich auf den Tisch kommt.

Hausgebackene Kuchenträume

Wir könnten nicht satter und zufriedener sein. Bis ein Blick in die Vitrine mit Kuchen aus der hauseigenen Bäckerei neue Begehrlichkeiten weckt. Wir entscheiden uns schließlich für eine Schoko-Pecan-Tarte, den American Cheesecake und einen Carrot Cake, der die Ausmaße einer kleinen Hochzeitstorte hat. Sorin hat Erbarmen und packt uns ein himmliches Doggie-Bag, das am nächsten Morgen für neue Glücksmomente sorgt. Der Cheesecake könnte nicht cremig-zitroniger sein, die Schokoladentarte schmeckt genauso schlotzig wie beste Brownies. Und der Carrot Cake? Schlichtweg großartig: Welcome to Calorie-Heaven!

Take away – auch während des Lockdowns

Kurz bevor wir den Abend beenden, erreicht uns die Nachricht, dass im November wieder alles runterfährt. Sarin Madularu behält die Nerven, denn er glaubt an sein Konzept: „Wir verhandeln gerade mit Wolt, dem finnischen Essenslieferdienst, der erst im August in Berlin startete. „Die passen mit ihrem Portfolio perfekt zu uns.“ Und genauso clever wie diese Idee ist der ans Restaurant angeschlossene Kiosk. „Take away gehörte von Anfang an zu unserem Konzept.“ Ab sofort können alle Speisen auf der Seite Bacg & Weg vorbestellt und abgeholt werden. Wir drücken die Daumen. Und freuen uns auf unseren nächsten Moscow Mule oder Aperol Spritz auf der sonnendurchfluteten Terrasse mitten in der Mitte dieser tosenden Stadt.

Bacg Berlin, Neue Schönhauser Straße 1, 10178 Berlin, Tel: +49 (0) 30 34 666 785, info@bacg-berlin.de

Restaurant Lubitsch: Großes Genuss-Kino in Charlottenburg

Restaurant Lubitsch: Großes Genuss-Kino in Charlottenburg

Zwischen Ku’damm und Savignyplatz befindet sich mitten in einem der schönsten Viertel Westberlins das Restaurant Lubitsch. Und genau hier passt das französisch angehauchte Bistrot mit einem Namen, der auf den kongenialen Berliner Schauspieler und Regisseur Ernst Lubitsch zurückgeht, bestens hin. Es reiht sich nahtlos in die Tradition von Berliner Institutionen à la Borchardt, Manzini und Grosz ein. Kein Wunder, denn genau von diesen Stationen kennen und lieben wir den gebürtigen Hamburger Ole Cordua. Er ist seit 2018 Inhaber des Lubitsch und zählt für mich zu den großartigsten Gastgebern Berlins. Mit dem kurz nach dem Mauerfall gegründeten Lokal verwirklichte sich Cordua gemeinsam mit seiner Frau Caroline den Traum vom eigenen Restaurant: „Die Zeit stimmte, die Straße, die Location – das Lubitsch war und ist der perfekte Ort.“

Frische Vorspeisen mit Twist

Perfekt präsentiert sich nicht nur die Location, sondern auch das, was im Restaurant Lubitsch auf den Teller kommt. Wir starten mit etwas, das ursprünglich als Gurkensalat auf der Karte stand. Nun wird es weit orgineller in Form eines geeisten Landgurken-Süppchens mit einer Art Börek serviert. Ebenso sommerlich schmecken der Salat aus großartig aromatischen bunten Tomaten und die Romanasalatherzen mit Avocadospalten. Küchenchef Michael Weigt, der seit 2019 zum Team des Restaurant Lubitsch gehört, erweist sich als echter Glücksgriff. Der gebürtige Görlitzer hat sich u.a. als Küchendirektor von Jo Laggner, als Chef de Cuisine im Tucholsky und zuletzt als Küchenchef im Borchardt einen Namen gemacht.

Modern interpretierte Klassiker zwischen Berlin, Paris und Wien

Neben saisonal wechselnen Gerichten stehen Klassiker der Brasserie-Küche auf der Karte des Restaurant Lubitsch. Dazu zählen u.a. Steak Frites, Plateau de Fruits de Mer und Barbarie-Entenbrust genauso wie hervorragendes Wiener Schnitzel, Original Königsberger Klopse und Senfeier. Verwendet werden ausschließlich hochwertige, marktfrische und vorwiegend regionale Zutaten, die von ausgewählten Lieferanten stammen. „Wir interpretieren traditionsreiche Gerichte neu, nehmen ihnen die Schwere, das Mächtige, modeln sie dezent um, machen sie leichter und zeitgemäßer“ sagt Ole Cordua. Die Idee geht auf, denn eines dieser klassischen Gerichte schmeckt besser schmeckt als das andere. Das liegt aber nicht nur an den Zutaten, sondern auch am Savoir-faire von Michael Weigt. Bei den Senfeiern etwa sorgt das pochierte und gebackene Ei für ein wunderbares Zusammenspiel aus Cremig- und Knusprigkeit, und das Wiener Schnitzel besticht mit bestem Kalbsfleisch und hat den Anspruch, noch etwas besser zu sein als etwa das des Borchardts – das Ergebnis überzeugt auf jeden Fall.

Ganz großes Westberliner Kino

Zum Abschluss gab es dann noch einen Käsekuchen, den ich angesichts seines exorbitanten Fettgehaltes normalerweise nur in homöopathischen Dosen verzehrt hätte. Dieses Exemplar schmeckte allerdings so köstlich, dass ich ihn bis auf den letzten Krümel inhaliert habe. Er war das i-Tüpfelchen, für das sich das Restaurant Lubitsch als Ort mit hohem Wohlfühlfaktor und mit Zeug zu einer echten Westberliner Institution erwiesen hat. Jenseits des schnelllebigen Berliner Restaurant-Hypes erleben wir hier ein tröstlich konservatives Verständnis von Gastlichkeit – und großes Restaurant-Kino. Das gefällt übrigens auch der Tochter des Namensgebers, Nikola Lubitsch, die nicht nur ein treuer Gast, sondern auch eine Freundin des Hauses ist. Vielleicht schaut auch Filmproduzentin Regina Ziegler, die als Besitzerin der legendären „filmkunst 66“ zu den Nachbarinnen zählt, gelegentlich rein. Wir jedenfalls kommen auf jeden Fall wieder. Ist ja glücklicherweise quasi vor der Haustür, das Lubitsch.

Lubitsch, Bleibtreustraße, 10625 Berlin | http://www.restaurant-lubitsch.de

Täglich ab 12 Uhr mittags.“Plat du Jour/ Businesslunch mit wechselnden Gerichten von 12 bis 16 Uhr.

72 hours True Italian Food Festival 2020: Eine Reise durch die echte italienische Küche in Berlin

72 hours True Italian Food Festival 2020: Eine Reise durch die echte italienische Küche in Berlin

Das 72 hours True Italian Food Festival 2020 ist das größte Fest der italienischen regionalen Küche in Berlin. Vom 23. bis zum 26. September 2020 geht es zum 5. Mal darum, authentische italienische Esskultur zu verbreiten. Für nur 8€ kann man eine kleine Portion verschiedener italienischer Spezialitäten zusammen mit einem Aperol Spritz, einem Glas Wein oder einem Softdrink kosten. Dass alle Maßnahmen gegen die Verbreitung von COVID-19 getroffen werden, versteht sich von selbst. Schließlich hat kein Gastronom in dieser Stadt das geringste Interesse an einem erneuten Lockdown. Deshalb bieten fast alle teilnehmende Lokale das Event-Menü auch zum Mitnehmen an.

Tasting Tour in Friedrichshain

Als kleinen Vorgeschmack auf das 72 hours True Italian Food Festival 2020 haben wir eine Tour durch ausgewählte True Italien-Restaurants in Friedrichshain gemacht. Wer jetzt karierte Tischdecken, „Buona Sera Signora“-deklamierende Kellner und glutäugige Pizzabäcker erwartet hatte, wird enttäuscht. Dieser Spaziergang spiegelte vielmehr das hippe Berlin beziehungsweise die angesagten Viertel italienischer Großstädte wider. An dieser Stelle deshalb ein großes Kompliment an Sara Trovatelli und Andrea d’Addio, die Initiatoren der True Italian-Initiative: Ihr schafft es immer wieder, das Beste aus Italien in Berlin aufzuspüren.

Steinpilz-Soufflé im MedEATerranean Trip

Wir starteten unsere Tasting-Tour im MedEATerranean Trip in der Gabriel-Max-Straße. Hier nehmen wir pünktlich um 17 Uhr einen perfekt zubereiteten Aperol Spritz ein. Für mich ist er immer noch einer der schönsten Drinks für den Aperitivo Italiano. Der Besitzer und Chefkoch Sergio Priore serviert uns das True Italian-Gericht 2020, ein Steinpilz-Soufflé, das zusammen mit einer Steinpilz-Emulsion und „Terra di Olive“, einem äußerst würzigen Pulver aus dehydrierten, gemahlenen Oliven, hersgestellt wird. Dieses feine, herbstliche Gericht schmeckt mehr nach den Alpenregionen als nach Sergios Heimat Neapel. Aber auf die will sich das MedEATerranenan auch gar nicht beschränken, sondern vielmehr die Küche des gesamten Mittelmeerraumes abbilden.

Fusion-Küche im Madre

Unseren zweiten Stopp machen wir im Madre in der Gärtnerstraße. Hier überrascht uns eine italienisch-französische Fusion-Küche mit Fokus auf vegane Rezepte und Fischgerichte. Wie meine Kollegen irritiert konstatieren, sieht das Restaurant gar nicht klischeemäßig italienisch aus. Vielmehr wirkt es mit der coolen Bar und den Zebra- und Elefantenfiguren wie ein kosmopolitischer In-Place aus. Tatsächlich hegten die Besitzer Sebastiano aus Italien und Valeriane aus Frankreich auch keinerlei Ambitionen, einen Rimini-Abklatsch aus den 50er-Jahren nach Berlin zu holen. Wir haben die Spezialität des Events probiert, eine köstliche Mischung aus der französischen Poivronnade und der italienischen Peperonata, die zusammen mit selbstgemachten Kurkuma-Fladen auf den Tisch kommt. Einen zusätzlichen Eindruck in die Originalität der Küche des Madre bekommen wir mit marinierter Rote Bete, Birnen und Büffelmozzarella und süß-salzigen Cappellacci mit Käse und Amaretto.

Klassisch-römisch im Cargo Gastronomia

Im Cargo Gastronomia serviert uns die ungarische Betreiberin Judith Kiss den großartigen Prosecco Vérv extra dry von Andreola aus Treviso – so gut schmeckt der italienische Spumante selten. Namensgeber für das Restaurant war ihr Mann, ein Pilot, und aus diesem Grund ist das Lokal auch in industriellem Stil mit Fundstücken aus der Aeronautik eingericht. Der neue Küchenchef Riccardo kommt aus Rom, weshalb die tadellose Zubereitung der „Saltimbocca alla Romana“ für ihn Ehrensache sein dürfte. Wirklich köstlich schmecken diese Kalbfleisch-Schnitzelchen, die zusammen mit Schinken und Salbei in der Pfanne garen. Die dazu gereichte Bruschetta mit Zucchini und Minze schmeckt herrlich frisch und setzt genau den richtigen Kontrapunkt zum Saltimbocca.

Die Karte der teilnehmenden Restaurants

Um diese oder eine anderen Spezialitäten zu probieren, reicht es, zwischen dem 23. und dem 26. September in eines der 30 teilnehmenden Restaurants zu gehen und nach dem speziellen 72 hours True Italian Food-Angebot zu fragen. Darüber hinaus wird jedes Lokal auch das übliche Menü anbieten. Es empfiehlt sich übrigens zu reservieren, denn das 72 hrs True Italian Food Festival hat sich herumgesprochen und die Restaurants sind während der Laufzeit meistens rappelvoll. Die Karte mit allen Restaurants kann man auf der Webseite trueitalian.top als PDF herunterladen. Es soll Menschen geben, die es in diesen vier Tagen schaffen, sich durch alle Restaurants zu probieren: Besser geht’s nicht!

Das Projekt True Italian

Das Projekt True Italian. True Italian ist ein Projekt, das die Tradition der echten italienischen Küche im Ausland durch eine Reihe an Events fördert. Die an dem Netzwerk teilnehmenden Lokale sind durch den True Italian-Aufkleber am Schaufenster erkennbar – während des 72 hrs Events sowie über das ganze Jahr hinweg. Neben dem 72 hours True Italian Food Festival organisiert True Italian auch die True Italian Pizza Week (dieses Jahr vom 15. bis zum 21. Oktober) und die True Italian Pasta Week (23. – 26. November).

Alle Infos unter: trueitalian.top

Restaurants am Schiffbauerdamm: Fünf Gastro-Profis retten Spreepromenade

Restaurants am Schiffbauerdamm: Fünf Gastro-Profis retten Spreepromenade

Berlins größte und schönste Sommerterrasse direkt an der Spree ist eröffnet! Welch herrlicher Blick! Was für eine stimmungsvolle Atmosphäre! Ein perfekter Ort fürs Feiern und die Seele baumeln lassen. Dank des gemeinsamen Auftritts der Restaurants am Schiffbauerdamm hat sich die berühmte Uferterrasse in Mitte nun zu Berlins schönster Sommerterrasse gemausert. Fast wie ein bisschen am Rhein fühlt es sich an. Oder Paris, Venedig…einfach den Booten hinterher schauen und den Sommer in der Stadt genießen.

Geniale Lösung für schwierige Zeiten

Gerade in Zeiten eingeschränkter Reisefreiheit freuen wir uns über die stilvollen, gemütlichen Kneipen, Bars und Restaurants am Schiffbauerdamm. An diesem Teil der Spree vereint sich lauschige Atmosphäre mit Großstadtfeeling und einem überraschend guten kulinarischen Angebot. Natürlich mit dem verordneten Abstand und an der frischen Luft, wo wir uns noch eine lange Zeit deutlich sicherer vor Ansteckung fühlen werden als in geschlossenen Räumen. Hut ab also vor der Initiative Die Fünf vom Schiffbauerdamm, die die Promenade gemeinsam mit dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Eigenfinanzierung neu gestaltete. So wurde das Ufer mit einem Geländer und einer durchgehenden Befestigung versehen, und die Sonnenterrasse wird nun von allen fünf Mitgliedern gemeinsam bewirtschaftet.

Gastronomische Europareise

Das einheitliche architektonische Bild kommt der Gesamtoptik der Sonnenterrasse an der Spree zugute. Umso vielfältiger präsentiert sich die Küche der fünf Restaurants am Schiffbauerdamm. Bereits die Namen klingen wie eine kleine Europareise: Das Vaporetto mit klassisch italienischer Küche, die kölsche Institution Ständige Vertretung, die Hauptstadtkneipe Berliner Republik, der irische Murphy‘s Irish Pub, das Brechts Steakhaus, die Piano Bar Vincent, die lauschige Weinbar Bar á Vin und der traditionsreiche Franzose Ganymed Brasserie. Bei den „Fünf vom Schiffbauerdamm“ machen Irland, Italien, Frankreich, das Rheinland und natürlich Berlin in erfreulicher Eintracht gemeinsame Sache. Location, Zeit und der Sommer werden geteilt und die – hoffentlich bald auch wieder internationalen – Gäste mit vielfältiger Küche, Livemusik und Kerzenschein verwöhnt.

Kulinarisch verwöhnt – von Austern bis Ziegenkäse

Was hatten wir Spaß! Endlich wieder raus. Endlich wieder gemeinsam – zwar mit Abstand, aber mit Sehnsucht im Herzen nach einem unbeschwerten Sommer. „Wir Gastronomen möchten allen Gästen unvergessene, kulinarische Momente bereiten auf der längsten und schönsten Spreeterrasse Berlins“, schwärmt Gastronom Michael Pankow. Tatsächlich konnte sich dieser Premierenabend sehen lassen. Die fünf Restaurants am Schiffbauerdamm überboten sich gegenseitig mit einem nicht enden wollenden Flying Buffet. 30 oder eher 40 unterschiedliche Leckereien waren das, jede für sich charakteristisch für die Küchen, aus denen sie kamen. Den (maskierten) Servicekräften war anzumerken, dass sie nach dem Lockdown mit viel guter Laune alles geben wollten für uns Gäste. Schließlich haben wir irgendwann aufgehört, die Gänge zu zählen. Genauso wie es uns zunehmend schwerer fiel, uns zwischen Kölsch und Cider, Lillet, Aperol Spritz und Shiraz zu entscheiden.

Von A wie Auster bis Z wie Ziegenkäse

Wer die entsprechende Ausdauer mitbringt, könnte sich hier einen kompletten Abend durch die europäische Küche essen. Zum Start deftiges hausgemachtes Irish Stew & Stepherd’s Pie aus Irland, dann ab ins Rheinland mit köstlichen Himmel un Ääd-Pralinen, Mini-Mini-Eisbeinchen mit Erbsen und Röggelchen. À la francaise folgen beste Austern „Fines de Claire“, Garnelen mit köstlichem Mangosalat, Ententerrine und Ziegenkäse. Besonders empfohlen sei hier der Oktopus, den der Küchenchef der Ganymed Brasserie zum Niederknien zart mit aufregenden Fenchelaromen kombiniert. Während das französische Restaurant Berliner Gourmets seit langem als zuverlässige Konstante für gutes Essen gilt, überrascht das als simples Steakhaus titulierte Brechts neuerdings ebenfalls mit ambitionierter Küche. Uns begeistern perfekt gewürztes Rinder- und Lachstatar, gebratene Garnelen, eine sensationelle Avocado-Mousse und Tapas wie Datteln im Speckmantel, Fenchelsalami und Hummus-Grissini. Irgendwann scheint gar nichts mehr zu gehen, bis auf den köstlichen Minimilchreis mit Äpfeln, das Tiramisu, die flambierte Créme Brûlée oder die umwerfende Mango-Panna Cotta vielleicht;-)

Glanzvolles Flair seit den 1920er Jahren

Seit den goldenen 1920er-Jahren ist das Viertel bekannt für seine unzähligen Angebote und verbindet Kunst, Kultur und Gastronomie. Das „Berliner Ensemble“ liegt direkt um die Ecke. Genauso wie die Friedrichstraße, der Tränenpalast, die Museumsinsel und das Regierungsviertel. Geplant sind weitere Attraktionen und Events, ganz wie zu den legendären Zeiten dieser Gegend: Vom Flanierfestival bis zum Kunstmarkt, Live-Musik bis zum Weinfest. Und vielleicht wird dann auch irgendwann wieder Straßenkarneval gefeiert in den Restaurants am Schiffbauerdamm.

Solidarität zählt: Die Fünf vom Schiffbauerdamm

Zum Zusammenschluss Die Fünf vom Schiffbauerdamm gehören die Familie Niederhuebner (Vaporetto), Jörn Brinkmann und Jan Bubinger (Ständige Vertretung), René Gamper mit Geschäftsführer Fabian Granow (Berliner Republik), Sam Lewin mit Betriebsleiter Till Haffner (Murphy‘s Irish Pub) und Michael Pankow (Ganymed, Brechts, Vincent und Bar à Vin). Gerade in diesen schwierigen Zeiten zahlt sich ihre Solidarität aus. Die fünf Gastronomen haben mit ihrer ungewöhnlichen Idee unsere Herzen im Sturm erobert. Unsere Lieblings-Berliner Sommerterrasse 2020 ist gesetzt.

Chin Chin Box: Glück to go

Chin Chin Box: Glück to go

Falls mich irgendwann mal jemand nach meinem persönlichen Corona-Glücksmoment fragen sollte, wird mir bestimmt die Chin Chin Box einfallen. Nach wochenlangen Koch- und Backarien war mir die Lust auf einen weiteren Samstag Abend in der Küche nämlich ziemlich vergangen. Weil ein Restaurant-Besuch uns aber noch nicht geheuer war, hatten wir – nach der Virtuellen Weinprobe mit Viola – Lust auf ein weiteres kontakloses Genuss-Abenteuer. Da kam der FB-Tipp von Bini Lee vom Restaurant Kochu Karu genau richtig und wir entschlossen uns kurzerhand, die Chin Chin Box zu bestellen.

„Setzt Euch an den Tisch, taucht ein und genießt“

Am Samstag steht die überaus sympathische Lucila Pfeifer, die unter dem Label Chin Chin Berlin normalerweise private Weinproben anbietet, dann tatsächlich persönlich vor der Tür. Die gebürtige Brasilianerin erklärt, dass sie nicht nur Sommelière, sondern auch Köchin sei. So entstand aus der Corona-Not die Tugend der Chin Chin Box. Schon das Öffnen der liebevoll verpackten Schachteln macht Freude: Hier hat sich ein ästhetischer Geist so richtig Mühe gegeben. Hübsche Bändchen, Klammern, Fläschchen und Schachteln kommen zum Vorschein, und bis auf die Dessert-Verpackung gibt es kein einziges Stück Plastik. „Setzt Euch an den Tisch, taucht ein und genießt“ ist Lucilas Motto – und genau so werden wir es machen.

Pures kulinarisches Glück

Damit unsere Night out in den eigenen vier Wänden so richtig prickelt, schlüpfen wir raus aus der Homewear rein in die schicke Klamotte plus Lippenstift, Parfüm und Tigerpumps. Zum Aperitif trinken wir köstlichen Lugana von Cà dei Frati, einem der trinkigsten seiner Art. Dazu gibt es eingelegte Auberginen und das köstlichste italienische Brot der Stadt „Il Pane di Milano“ von Sironi. Als Vorspeise folgen zart knusprige Arancini mit perfekt gegarten Garnelenstückchen. Zu den Polpette mit Rosmarin-Kartoffelstampf empfiehlt Lucila den gleichen Rotwein, der auch im Tomatensugo zu den Fleischbällchen steckt. Kraftvoll hält der Chianti „Il Biskero“ vom Weingut Salcheto in Montepulciano den Polpette genau die richtige Struktur und Würze entgegen. Als wir die Panna cotta zum herrlich frischen „Garbél“-Prosecco löffeln, sind wir bereits im siebten Geschmackshimmel. Alle Energie ist vom Kopf in den Magen gewandert, so dass wir es kaum noch schaffen, die Expertise zu diesem hervorragenden, handwerklich hergestellten Schaumwein zu lesen. Danke Lucila für ein kleines, feines, köstliches Stück Glückseligkeit in diesen bewegten Zeiten!

Wie es funktioniert

Die Chin Chin Box kostet für zwei Personen 75,00 €. Sie wird mit einer Vorbestellzeit von mind. 24 Std. für Freitag, Samstag und Sonntag innerhalb Berlins geliefert. Jeden Monat gibt es ein anderes Menü (im Mai ist es Italien). Für das Mai-Menü spendet Lucila Pfeifer pro Box 15 Euro an Ärzte ohne Grenzen Italien. Mehr Infos unter chinchin-berlin.de.

Restaurant Irma La Douce: Sinnliche französische Küche

Restaurant Irma La Douce: Sinnliche französische Küche

Fine Dining Hotspot an der Potsdamer Straße

Wer Billy Wilders Klassiker kennt, denkt unwillkürlich an verruchtes Pariser Nachtleben und eine unwiderstehliche Lebedame mit Hang zu exzentrischen Schlafmasken. So erinnern im neuen Restaurant Irma La Douce in der Potsdamer Straße denn auch ein Foto von Shirley Maclaine und eine Uhr an den legendären Film. Genau wie das Golvet, das gerade zum Aufsteigerrestaurant der Berliner Meisterköche 2019 gekürte Panama und die Victoria Bar hat es sich in der einst schmuddeligen Nachbarschaft der Potse angesiedelt. Als „Restaurant mit einem französischen Gedanken” will sich der neue Fine-Dining-Hotspot verstanden wissen. Versprochen wird eine „leichte, frische und experimentierfreudige Neuinterpretation“ der klassisch französischen Küche, begleitet von Champagner und einer vorwiegend französischen Weinauswahl.

Eingespieltes Team aus Gastro-Profis

Ins Team des Restaurants Irma La Douce hat sich Eins44-Betreiber Jonathan Kartenberg zwei Profis mit einschlägiger Gastro-Vergangenheit ins Boot geholt: Küchenchef Michael Schultz hat zuletzt die Küche im Golvet geleitet und davor im Rutz Restaurant und im Vau gekocht. Sommelier Sascha Hammer war ebenfalls im Vau und lange das Wein-Gesicht von Matthias Gleiß‘ Volt. Das Interieur im Stil einer Pariser Brasserie ist weitgehend vom Vorgänger Brasserie Lumières erhalten geblieben. Hinzu kamen unter anderem ein amtlicher Weinkühlschrank und individuell dimmbare Tischlämpchen, damit jeder Gast sich seine eigene Lichtstimmung zaubern kann. „In unserem neuen Restaurant möchten wir die moderne französische Genusswelt feiern“, erklärt Kartenberg. „Genau wie Irma aus dem gleichnamigen Film leben wir einen ganz eigenen Stil, der nichts ausschließt.“

Französisch mit Twist: Die Vorspeisen

Beim Aperitif setzt das Restaurant Irma la Douce ganz auf Champagner. Faire 10 Euro kostet das Glas Deutz, weitere 50 Sorten Champagner und 300 Weine stehen zur Auswahl. Passend zum Schampus werden typisch französische Vorspeisen gereicht, immer mit experimentellem Twist: Die Felsenaustern kommen mit Melonenschinken, geräucherter Crème fraîche und Ossietra-Kaviar, der auf einem Stück Landbrot servierte Tartar mit eingelegter Tomate. Die Entenleberterrine wird statt mit klassischer Brioche mit Mutzen serviert, aufregend ergänzt durch eine süßsaure asiatische Note aus Shiso und Pflaumenwein. Mit Früchteteearomen spielt die zusammen mit Sellerie und roter Beete angerichtete Makrele so gekonnt, dass aus dem rustikalen Fisch eine elegante, geschmacksexplosive Vorspeise wird. Nicht zu vergessen das Sauerteigbrot mit Frankfurter-Soße-Butter – einer großartig aromatischen Kräutermischung, die in Berlin viel zu selten auf den Tisch kommt.

Klassisches Handwerk, top Produkte

Das Reh mit Kürbis, Churros und Ras el Hanout ist untadelig gegart und schmeckt dank der orientalischen Gewürzmischung herrlich weihnachtlich. Ein solides Gericht, das nicht ganz so zu begeistern weiß wie die als Zwischengericht deklarierte vegetarische Geschmacksexplosion mit Schwarzwurzel. Garniert mit einer hefigen Hollandaise, Pinienkernen, Birnenessig und einer ordentlichen Portion Trüffeln begeistert sie auf ganzer Linie. Toll auch die Weinauswahl von Sascha Hammer, der an diesem Abend immer gleich zwei Weingläser zur Auswahl einschenkt. Zu unserem Glück mag er uns als dezidierter Liebhaber deutscher Weine den Riesling “Marienburg Fahrlay” Großes Gewächs von Clemens Busch nicht vorenthalten. Ansonsten dominieren hervorragende französische Positionen auf der umfangreichen Weinkarte des Irma La Douce. Die Palette reicht vom Pouilly Fumé, Domaine de Fontenille an der Loire (54 Euro) über den Silice Blanc – Saint Joseph von der Domaine Coursodon an der Rhône bis zum Spitzen-Bordeaux Chateau Cheval Blanc /Saint-Émilion Grand Cru Classé A für 571 Euro.

Süßer Abschluss und Fazit

Nicht, dass wir noch Platz für ein Dessert gehabt hätten. Aber das geht ja bekanntlich immer, und es lohnte sich für den Savarin mit Mango und einer delikaten Kamille-Honignote. Sascha Hammers Weinpairing passt auch hier perfekt: Der1995 Riesling „Thörnischer Ritsch“ Auslese Weingut Ludes von der Mosel rundet das Dessert mit gut ausbalancierter Süße wunderbar ab. Ebenfalls lecker die Käseauswahl vom Wilmersdorfer Maître Philippe beziehungsweise seinen Töchtern – besser können französische Käse in Berlin kaum sein. Ob wir das Restaurant Irma La Douce empfehlen können? Unbedingt für alle, die französisches Fine Dining in einer gepflegten Fin-de-Siècle-Atmosphäre mögen und Spaß an ungewöhnlichen Aromen und Kombinationen haben. Wein- und ChampagnerliebhaberInnen werden das Irma La Douce mit Sicherheit lieben. Zudem eignet es sich für den Pré-Theâtre-Apéritif genauso wie für ein ausgedehntes Abendessen mit Freunden. Von uns ein klares Bravó – wir wünschen dem megasympathischen Gastgeber-Trio viel Erfolg!

Irma La Douce, Potsdamer Straße 102, 10785 Berlin, irmaladouce.de

Restaurant Cantina in der Bar Tausend: Aromaküche im Hinterzimmer

Restaurant Cantina in der Bar Tausend: Aromaküche im Hinterzimmer

Der bekannteste Geheimtipp der Stadt

Was sich hinter der unauffälligen Eisentür am Schiffbauerdamm verbirgt, wissen nur Insider: Das Restaurant Cantina in der Bar Tausend gehört seit 12 Jahren zu den legendärsten Locations der Stadt. Dank der schwer zu findenden Lage ist sie von Touristen und Hipstern dennoch nie überschwemmt worden. Man traut sich kaum zu klingeln… dann aber eröffnet sich ein dunkler Ort, der dank seines unverwechselbaren Looks mit Spiegeln und beeindruckenden Lichtinstallationen bereits als Kulisse für die Kult-FernsehSerie Babylon diente. Dieses Ambiente lassen wir bei einem vorzüglichen „Berlin Mitte“-Cocktail am langen, dunklen Tresen auf uns wirken.

Octavio Osés Bravo: Kreativer und weltoffener Küchenchef

Neugierig bewegen wir uns schließlich in das nur von wenigen Spots erhellte Hinterzimmer: das Restaurant Cantina in der Bar Tausend. Unter dem Licht-Zellen-Zyklus „Flying Cells“ nehmen wir mit Blick auf die offene Küche Platz. Mit seiner Culture-Clash-Küche im Restaurant Mani hatte der Argentinier Octavio Osés Bravo Gäste und Restaurantkritiker gleichermaßen begeistert. Seit Mai geht er als Küchenchef im CANTINA kulinarisch in eine neue Richtung. Während er seiner Weltküche mit Einflüssen aus dem levantinischen, arabischen und mediterranen Raum treu bleibt, fließen in der Cantina in der Bar Tausend nun auch asiatische Einflüsse mit ein.

Atemberaubend aromareiche Vorspeisen

Wer wie ich eine Schwäche für Brot hat, sei vor dem köstlich duftenden und schmeckenden Brot mit Fenchelsamen gewarnt. Serviert mit gesalzener Butter und frischem Fenchel, hat es geradezu Suchtcharakter. Perfekt dazu passt der Blumenkohl mit fermentierter Zitrone, Mandeln, Knoblauch und Beurre blanc. Dieses oft durch Unscheinbarkeit glänzende Gemüse verwandelt sich unter Ocativio Osés Bravos Zauberhänden in eine bemerkenswert aromatische Vorspeise. Großartig auch die Rote Beete, die mit federleichtem Feta-Schnee, karamellisierter Walnuss, Chicorée und Granatapfel ein herrliches Spiel aus fruchtiger Süße und Bitterkeit offenbart. Spätestens nach den Karotten mit Minze und den ekstatischen Wohlfühllauten meines Nachbarn weiß ich, dass Fleischfreaks in der Cantina ganz mühelos zu Vegetariern mutieren.

Mediterran, asiatisch oder orientalisch

Street Food-Anspielungen gehören inzwischen zum guten Ton in der innovativen Gourmetszene. Deshalb werden die Grünen Garnelen auch direkt aus der Take-away-Schachtel verzehrt – nur dass sie statt 7 Euro im Asia-Imbiss stolze 19 Euro kosten. Dafür sind sie perfekt pikant gewürzt und bekommen durch Wirsing- und Radieschen einen besonderen Twist. Optisch und geschmacklich bemerkenswert ist auch der Pulpo mit schwarzer Kartoffel-Espuma und Paprikaöl. Der mit einer göttlichen Vinaigrette angemachte Blattsalat schließt mühelos an die Aromafülle der Vorspeisen an, so dass ich Lamm und Entrecôte getrost meinen (männlichen) Kollegen überlasse.

Metropolen-Cocktails zu Live-Musik

Nach einem aufregend exotischen Semolina-Kuchen mit Olivenöl-Eis und Sumac-Baiser gebietet der Ort einen Abstecher an die Bar. Die Drinks tragen Namen von Trendbezirken internationaler Metropolen – uns gefällt besonders die frische Kreation „Berlin-Mitte“ des Barchefs Karim Fadl. Bei großartiger Livemusik von “The Mighty Mocambos” sind wir fast versucht, mitten in der Woche einmal so richtig spät nach Hause zukommen. Schließlich wirkt das Publikum nicht so jung, dass man sich fehl am Platze fühlt und trotzdem attraktiv genug, dass das Gucken Spaß macht. Insgesamt ist die Cantina in der Bar Tausend ähnlich wie das Layla genau der richtige Ort, um hippe Freunde mit kosmopolitischen Ansprüchen in Berlin auszuführen. Die Preise dürften New Yorker oder Pariser Besucher nicht schocken, und lohnen tut sich der Besuch allemal.

Bilder: Mehr Infos: tausendbar.com