Der bekannteste Geheimtipp der Stadt

Was sich hinter der unauffälligen Eisentür am Schiffbauerdamm verbirgt, wissen nur Insider: Das Restaurant Cantina in der Bar Tausend gehört seit 12 Jahren zu den legendärsten Locations der Stadt. Dank der schwer zu findenden Lage ist sie von Touristen und Hipstern dennoch nie überschwemmt worden. Man traut sich kaum zu klingeln… dann aber eröffnet sich ein dunkler Ort, der dank seines unverwechselbaren Looks mit Spiegeln und beeindruckenden Lichtinstallationen bereits als Kulisse für die Kult-FernsehSerie Babylon diente. Dieses Ambiente lassen wir bei einem vorzüglichen „Berlin Mitte“-Cocktail am langen, dunklen Tresen auf uns wirken.

Octavio Osés Bravo: Kreativer und weltoffener Küchenchef

Neugierig bewegen wir uns schließlich in das nur von wenigen Spots erhellte Hinterzimmer: das Restaurant Cantina in der Bar Tausend. Unter dem Licht-Zellen-Zyklus „Flying Cells“ nehmen wir mit Blick auf die offene Küche Platz. Mit seiner Culture-Clash-Küche im Restaurant Mani hatte der Argentinier Octavio Osés Bravo Gäste und Restaurantkritiker gleichermaßen begeistert. Seit Mai geht er als Küchenchef im CANTINA kulinarisch in eine neue Richtung. Während er seiner Weltküche mit Einflüssen aus dem levantinischen, arabischen und mediterranen Raum treu bleibt, fließen in der Cantina in der Bar Tausend nun auch asiatische Einflüsse mit ein.

Atemberaubend aromareiche Vorspeisen

Wer wie ich eine Schwäche für Brot hat, sei vor dem köstlich duftenden und schmeckenden Brot mit Fenchelsamen gewarnt. Serviert mit gesalzener Butter und frischem Fenchel, hat es geradezu Suchtcharakter. Perfekt dazu passt der Blumenkohl mit fermentierter Zitrone, Mandeln, Knoblauch und Beurre blanc. Dieses oft durch Unscheinbarkeit glänzende Gemüse verwandelt sich unter Ocativio Osés Bravos Zauberhänden in eine bemerkenswert aromatische Vorspeise. Großartig auch die Rote Beete, die mit federleichtem Feta-Schnee, karamellisierter Walnuss, Chicorée und Granatapfel ein herrliches Spiel aus fruchtiger Süße und Bitterkeit offenbart. Spätestens nach den Karotten mit Minze und den ekstatischen Wohlfühllauten meines Nachbarn weiß ich, dass Fleischfreaks in der Cantina ganz mühelos zu Vegetariern mutieren.

Mediterran, asiatisch oder orientalisch

Street Food-Anspielungen gehören inzwischen zum guten Ton in der innovativen Gourmetszene. Deshalb werden die Grünen Garnelen auch direkt aus der Take-away-Schachtel verzehrt – nur dass sie statt 7 Euro im Asia-Imbiss stolze 19 Euro kosten. Dafür sind sie perfekt pikant gewürzt und bekommen durch Wirsing- und Radieschen einen besonderen Twist. Optisch und geschmacklich bemerkenswert ist auch der Pulpo mit schwarzer Kartoffel-Espuma und Paprikaöl. Der mit einer göttlichen Vinaigrette angemachte Blattsalat schließt mühelos an die Aromafülle der Vorspeisen an, so dass ich Lamm und Entrecôte getrost meinen (männlichen) Kollegen überlasse.

Metropolen-Cocktails zu Live-Musik

Nach einem aufregend exotischen Semolina-Kuchen mit Olivenöl-Eis und Sumac-Baiser gebietet der Ort einen Abstecher an die Bar. Die Drinks tragen Namen von Trendbezirken internationaler Metropolen – uns gefällt besonders die frische Kreation „Berlin-Mitte“ des Barchefs Karim Fadl. Bei großartiger Livemusik von “The Mighty Mocambos” sind wir fast versucht, mitten in der Woche einmal so richtig spät nach Hause zukommen. Schließlich wirkt das Publikum nicht so jung, dass man sich fehl am Platze fühlt und trotzdem attraktiv genug, dass das Gucken Spaß macht. Insgesamt ist die Cantina in der Bar Tausend ähnlich wie das Layla genau der richtige Ort, um hippe Freunde mit kosmopolitischen Ansprüchen in Berlin auszuführen. Die Preise dürften New Yorker oder Pariser Besucher nicht schocken, und lohnen tut sich der Besuch allemal.

Bilder: Mehr Infos: tausendbar.com

Posted by:gesetta

Aus dem norddeutschen Flachland zog es mich schnell nach Italien und Frankreich, wo ich das mediterrane Lebensgefühl in jede Pore aufgesogen habe. Ich liebe Venedig, Aperol Spritz und gutes Essen. Schon als Kind hasste ich Jugendherbergen, praktische Kleidung und flache Schuhe. Nach unzähligen herrlichen Hotels und einem unprotestantischen Ja zum Glamour kann ich letzteren beiden inzwischen sogar etwas abgewinnen. In 10 Jahren kommt vielleicht die Zeit für Jugendherbergen, weil ich mich jung fühlen möchte. Besser nicht.

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