In der zweiten Adventswoche bat Botschafterin Maria Theresa Dizon-De Vega zum weihnachtlichen philippinischen Dinner. Die Chefdiplomatin der philippinischen Botschaft in Berlin hatte Food-Interessierte geladen, um im Hotel Waldorf-Astoria Berlin einen Einblick in die Küche, Produkte und Getränke des südostasiatischen Inselstaates zu geben. In der philippinischen Küche spiegeln sich Geographie und Geschichte unseres Landes“, so die Botschafterin. „Daraus entwickelte sich eine sehr diverse und vielfältige Küche. Es gibt die Küchen verschiedener Regionen und ursprüngliche Gerichte, die unter anderem spanisch, chinesisch und amerikanisch beeinflusst sind.“ Die Küche der 7.641 Inseln des philippinischen Archipels im Pazifischen Ozean ist von Fleisch und Fisch geprägt. In Deutschland ist sie bisher weitgehend unbekannt, wir sind also sehr gespannt.

Fruchtig-aromatischer Start mit Streetfood und Mangolikör

Ein weihnachtliches philippinisches Dinner beginnt am besten mit Rum und Likör von den Philippinen. In der „Destileria Limtuaco“, der 1852 gegründeten ältesten philippinischen Brennerei, werden der „Very Old Captain“ Melasse-Rum und der „Paradise Mango Rum“-Likör hergestellt. Zusammen mit frischen Mangos bildete er die Basis für unseren exotischen Begrüßungsdrink. Köstlich dazu die Appetizer-Häppchen, die Bulawan Callanta vom Restaurant „Ayan“ aus der Vielfalt des philippinischen Streetfoods auswählte. Als typisch für die ausgesprochen Schweinefleisch-lastige Küche der Philippinen gelten „Longanisa“, eine philippinische Chorizo aus Schweinefleisch und „Liempo“, marinierter und gegrillter würziger Schweinebauch. Besonderes leicht und delikat waren die „Salmon Kilawin“, in Essig eingelegte Lachswürfel auf Gurke. Als vegetarische Variante wurde „Adobong Taho“, ein nach Adobo-Art in Sojasauce und Essig marinierter und zweifach frittierter Tofu, gereicht.

Die philippinische Küche: Mild, sauer und süß

Die philippinische Köchin Maite Hontiveros-Dittke ist verantwortlich für das weihnachtliche philippinische Dinner an diesem Abend. Sie ist extra aus Düsseldorf gekommen, denn nach wie vor sind philippinische Köchinnen hierzulande rar gesäht. Während in Europa am ehesten Schmorgerichte wie „Adobo“ mit seiner Sauce aus Essig, Pfeffer, Sojasauce und Lorbeerblättern oder das “Shaved Ice” „Halo Halo“ bekannt sind, wird sie einen individuellen Einblick in die vielfältige Küche der Philippinen geben. Im Gegensatz zur Küche der meisten anderen südostasiatischen Länder zeichnet sie sich durch vergleichsweise milde Würzung aus. Typisch sind die ausgeprägten salzigen, sauren, süßen und bitteren Noten. Säure ist die bestimmende Geschmacksrichtung. Charakteristisch ist vor allem die große Vielfalt von Essigen, die etwa aus Kokoswasser, Ananas, Zuckerrohr, Palmen, Bananen oder Cashews gewonnen werden. Speziellere Zutaten sind beispielsweise Bananenketchup oder „Bagoong“. Bananenketchup wurde als Ersatz für Tomatenketchup erfunden. Bagoong ist eine Paste aus fermentierten Shrimps oder Fischen. Mit ihr werden, ähnlich wie mit der Fischsauce Patis, milde Gerichte akzentuiert.

Hühnersuppe Binakol in der Kokosnuss

Zum Abendessen bat die Botschafterin in den 5th Avenue-Saal an eine festlich gedeckte Tafel mit Sitzordnung. Meine Platzierung inmitten von sympathischen philippinischen Diplomatinnen erweist sich im Verlauf des von Maite Hontiveros-Dittke komponierten Menüs als ausgesprochen hilfreich. Dank ihnen bekomme ich Insights in die philippinische Kultur und extra Erläuterungen zu den einzelnen Menüpunkten. So lerne ich, dass die zum Auftakt gereichte Hühnersuppe „Binakol“, die aus in Kokoswasser gekochtem Huhn mit grüner Papaya, Kokos und Gemüse besteht, sowohl warm als auch kalt gereicht werden kann. Und dass das zarte, aus der Schale zu kratzende Kokosfleisch auf den Philippinen sehr beliebt ist.

Die Hauptgerichte: Huhn, Fisch und Reis

Ich erfahre, dass die Oberkeulen vom Maishuhn, die mit Limette und „Annatto“, dem gelb färbenden Samen des Orleanstrauches, gewürzt, gegrillt und mit einem Zuckerrohr-Essig-Dip serviert wurden, im Original fast schwarz auf Holzkohle gegrillt werden. Die an diesem Abend servierten waren stattdessen knapp gar und fast schon unterwürzt, weshalb meine Tischnachbarinnen vermuten, dass die Köchin sich allzusehr auf den deutschen Geschmack eingestellt habe. Ein bisschen zu authentisch schmeckten hingegen die Bananenblatt-Päckchen „Pinais“, in denen sich das mit Ingwer, Knoblauch und Kokoscreme gekochte Krabbenfleisch verbarg. Als klassische Beilage gab es „Pinakbet“ – verschiedene Gemüse, die mit „Alamang“, einer Paste aus Mini-Shrimps, verfeinert wurden. Der intensiv fischige Geschmack dieses Gerichtes war für den deutschen Gaumen tatsächlich gewöhnungsbedürftig.

Fazit: Mango, Caramel und die Italiener Asiens

Die zweite Lieblingsgeschmacksrichtung der Philippinen, die süße, wurde beim Dessert ausgiebig bedient. Ein aus Klebreis, Kokoscreme und „reichlich Zucker“, so Maite Hontiveros-Dittke, gebackener „Biko“-Reiskuchen wurde von Carabao-Mangos begleitet. Die philippinischen Mangos gelten als die besten der Welt, bekräfigt die Köchin. Auf jeden Fall sind sie so hinreißend aromatisch und die Dulce de Leche-Soße so köstlich, dass ich einen zweiten Biko stibitze. Ein wunderbarer Abschluss dieses Abends, der dem etwas steifen Luxushotel-Ambiente zum Trotz von Freude und Warmherzigkeit geprägt war. “Die Philippinen gelten als das Italien Asiens”, verriet mir meine Nachbarin (und dass die Japaner hingegen mit den Deutschen verglichen werden). Die Philippinos feiern gerne und genießen das Leben. Es seien die Menschen, die neben den Traumstränden und landschaftlicher Schönheit die Attraktivität des Landes ausmachen. Ich glaube das sofort. Danke an Maria Theresa Dizon-De Vega, Alvin C. Malasig und alle anderen Botschaftsangehörigen für diesen Abend, an dem wir Foodies kulinarisches Neuland betreten und ein Stück der philippinischen Klutur kennenlernen durften.

Posted by:gesetta

Aus dem norddeutschen Flachland zog es mich schnell nach Italien und Frankreich, wo ich das mediterrane Lebensgefühl in jede Pore aufgesogen habe. Ich liebe Venedig, Aperol Spritz und gutes Essen. Schon als Kind hasste ich Jugendherbergen, praktische Kleidung und flache Schuhe. Nach unzähligen herrlichen Hotels und einem unprotestantischen Ja zum Glamour kann ich letzteren beiden inzwischen sogar etwas abgewinnen. In 10 Jahren kommt vielleicht die Zeit für Jugendherbergen, weil ich mich jung fühlen möchte. Besser nicht.

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