Das Berliner Regierungsviertel feiert

Einmal im Jahr lässt es das politische Berlin so richtig krachen. In den Wochen vor und nach den großen Ferien verwandelt sich das Viertel um die Hiroshima- und die Tiergartenstraße in eine große Feiermeile. Es ist die Zeit für die politischen Sommerfeste in den Landesvertretungen. Wir waren zu Gast bei Niedersachsen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Die Eindrücke sind vielfältig – hier kommen unsere ganz persönlichen Highlights.

Die Stallwächterparty

Mit der traditionellen Stallwächter-Party starteten wir am 27. Juni in die Saison der politischen Sommerfeste. Seit 1964 findet das Fest in der Landesvertretung Baden-Württemberg (früher in Bonn, heute in Berlin) statt. Der kuriose Name wurde übrigens einst für diejenigen geprägt, die während der parlamentarischen Sommerpause die „Stallwache halten“. Heute zeigt sich jeder auf dem Fest, der im Südwesten Rang und Rahmen hat: 1.500 Gäste aus Politik, Medien, Kultur, Wirtschaft und Zivilgesellschaft nahmen an dem Fest teil, das in diesem Jahr unter dem Motto „Baden-Württemberg – Im Herzen Europa(s)“ stand.

Baden-Württemberg: im Herzen Europa(s)

„Es ist uns eine Herzensangelegenheit. Bei der Stallwächterparty weht der gute Geist des Vereinten Europa“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei der 56. Stallwächterparty in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund. Alles stand im Zeichen eines modernen Europas, auf die Landesvertretung war eine riesige EU-Flagge projiziert. In der Europa-Lounge stellten sich die Botschaften der EU-Mitgliedsstaaten vor. Zudem informieren in einem Europa-Lab unter anderem Landesministerien und europäische Institutionen über ihre Arbeit. Beim Europa-Quiz scheiterten wir zwar nicht am längsten Fluss Europas (wenn man die Wolga nicht dazu rechnet, ist es natürlich die Donau). Aber bei Fragen wie nach der niedrigsten Geburtenrate Europas (7,3 Geburten pro 1000 Einwohner in Italien) wurde es kniffliger.

Europa-Projekte und Catering aus Power-Regionen

Auch das Catering stand im Zeichen Europas. Hier präsentierten sich die Regionen Lombardei, Auvergne-Rhône-Alpes, Katalonien und Baden-Württemberg. Und warum gerade die? Weil sie alle über eine außergewöhnlich potente Wirtschaft verfügen und somit zu den Motoren Europas zählen. Wir aßen und tranken uns also genussvoll durch Maultauschen, Bagno Cauda, Trüffelpasta und französischen Käse. Dazu gab es die tolle Weine aus Württemberg und Baden, und zu unserer großen Freude war sogar die amtierende Deutsche Weinkönigin Carolin Klöckner aus Württemberg vor Ort. Spannend auch das Kunstprojekt zu Künstlicher Intelligenz, „DeepArt Installation“. Bei diesem politischen Sommerfest gab es eine Menge zu sehen und zu schmecken – und natürlich viele nette Menschen, mit denen es sich dieser laue Sommerabend hervorragend verplaudern ließ.

Das Sommerfest der niedersächsischen Landesregierung

Blendend gelaunt begrüßte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) seine Gäste zum mit 3.700 Gästen wohl größten politischen Sommerfest: „Vergesst die Grüne Woche – das könnt ihr alles hier haben“ sagte er und warb damit für die Spezialitäten aus Niedersachsen. Zum 19. Mal fand das Fest in der Landesvertretung in den Ministergärten statt. Angela Merkel ließ sich in diesem Jahr entschuldigen. Statt dessen sahen wir Ex-Bundespräsident Christian Wulff, Arbeitsminister Hubertus Heil und Familienministerin Franziska Giffey (beide SPD).

Ausflug in die Heimat

Für uns stellt es immer eine Art Heimatspiel dar, denn sowohl Gesa (Stade) als auch Martina (Cuxhaven) sind gebürtige Niedersächsinnen. Und nur deshalb hatte Gesa beschlossen, hier ihren Geburtstag zu feiern – mit fantastischen Menschen, leckerem Essen und einem Geburtstagsfoto mit dem Ministerpräsidenten und Linken-Chef Dietmar Bartsch. Auch das Wetter spielte mit. In dieser herrlich lauen Sommernacht labten wir uns an frisch von niedersächsischen Händen gepulten Nordseekrabben aus Krummhörn. Ein echtes Geschenk, denn wenn man sie nicht direkt vom Kutter kauft, kann man heute von einem Pul-Umweg über Nordafrika ausgehen. 10 Bierbrauereien waren vor Ort, wir hielten uns aber lieber an hervorragenden Winzersekt, Campari Amalfi und leckeren Rosé von Rossmann. Ganz hervorragend und außergewöhnlich waren die Pralinen von Nele Marike Eble und ihrer Pralinenmanufaktur Chokumi. Zum Glück muss man für die wahrlich „leckersten Pralinen der Welt“ nicht extra nach Braunschweig fahren, sondern kann sie online bestellen. Finanziert werden all diese Köstlichkeiten übrigens von Sponsoren, die nicht nur Sachleistungen spendeten, sondern auch ordentliche Geldsummen – erfreulich transparent einzusehen auf der Sponsorenliste.

Kultursommernacht in der Landesvertretung Sachsen-Anhalt

Nicht nur in der Lage an den S-Bahn-Bögen an der Luisenstraße, sondern auch im Titel unterscheidet sich das politische Sommerfest in der Landesvertretung Sachsen-Anhalt von den anderen Polit-Partys. Mit rund 1.000 geladenen Gästen dürfte das Fest, das in diesem Jahr am 11. September stattfand, eines der kleinsten sein. Man will sich ganz bewusst mit dem reichen Kulturerbe des Landes positionieren. Vorgestellt wurden die UNESCO-Weltkultureerbestätten in Sachsen-Anhalt wie das Bauhaus Dessau, die Luthergedenkstätten Eisleben und Wittenberg, das Gartenreich Dessau-Wörlitz sowie Stiftskirche, Schloss und Altstadt von Quedlinburg und der Naumburger Dom. Der Ehrengast, Bundeskanzlerin Angela Merkel, würdigte Sachsen-Anhalt als ein kulturgeschichtlich reiches Land, das die meisten Welterbestätten aufweisen könne. Die Kultursommernacht sei eine „tolle Idee“. Am Ende bekam sie von Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff (CDU) deshalb auch ein ganz besonderes Geschenk überreicht, einen herabgefallen Originalstein vom Naumburger Dom mit echtem Siegel.

Kulinarische Sterne: Regionale Spezialitäten aus Sachsen-Anhalt

Konsequenter als bei den anderen politischen Sommerfesten setzen die Veranstalter auf regionale Produkte, insbesondere auf die Siegerprodukte der Marketingkampagne Kulinarische Sterne. Dazu zählt auch die köstliche „Händels Halleluja“-Praline der Halloren Schokoladenfabrik aus Halle. Während wir den klebrig-süß schmeckenden Halloren-Kugeln wenig abgewinnen können, schmilzt dieses kleine Kunstwerk aus Rahmkaramell, Haselnusskrokant und Sahne-Nougat mit einem Überzug aus Zartbitterschokolade und Halloren Siedesalz ganz köstlich auf der Zunge. Bemerkenswert fanden wir auch den hervorragend zwischen Süße und Säure perfekt ausbalancierten „Weißer Riesling Gosecker Dechantenberg“ vom Landesweingut Kloster Pforta. Bei dem wie eine Tautologie anmutenden Namen handelt es sich um eine der hochwertigsten Rebsorten Deutschlands, die auf dem Buntsandstein des ältesten Terrassenweinberges an Saale und Unstrut kultiviert wird. Vor der Abfüllung reift dieser Riesling vier Jahre im Keller, davon 12 Monate im Eichenfass. Eine tolle Entdeckung und unser ständiger Begleiter auf diesem schönen, stimmungsvoll beleuchtenden Sommerfest.

Fest der Landesvertretung Nordrhein-Westfalen

Wenn AperitiVista zur Paparazza wird, dann gerne auf einem der zahlreichen Events in den heißen Tages des Jahres. So geschehen auf dem taditionellen Sommerfest der Landesvertretung Nordrhein-Westfalen #NRWFest2019: da saßen in trauter Eintracht neben uns Bundeskanzlerin Angela Merkel, Armin Laschet, Ministerpräsident von NRW, später auch noch AKK und so manch andere prominente Politiker-Nase beim Gläschen Wein, lachten und scherzten und freuten sich genauso wie wir über diesen lauen Abend. Die meisten Gäste, egal von welch politischer Couleur im wirklichen Leben, zückten ihre Smartphones für ein Erinnerungsbild. Um den Promi-Tisch herum waren übrigens Schulter an Schulter höchst attraktive Jungs aufgebaut – die Security, alle mit raspel kurzen Haaren, smartem Grinsen und Knopf im Ohr. Sie hatten, trotz der rund 2000 Gäste, die Situation an diesem Tisch immer im Griff. Es war – einfach nur ein schöner Abend: Auf den Grills brutzelten die Steaks, wer wollte, konnte zwischen Kölsch und Alt wählen, den Lidl-Champagner genießen, seine Fähigkeiten als Sommelier checken – Gesa hat mal wieder mit Bravour alles richtig gemacht – , sich mit virtual reality-Brillen in eine andere Dimension katapultieren lassen, sich vor dem gigantischen Roboter NOX fürchten, der extra aus Paris angereist war oder – Martinas Highlight – mit den Höhnern grölen. Die Kölner Kultband gab dem Abend das, was eben nur in NRW möglich ist: mitten im Berlin Hochsommer einen Hauch von Karneval! Besser geht`s nicht! Wir freuen uns jetzt schon auf das #NRWFest2020.

Posted by:aperitivista1

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