Wenn das Schicksal Lösungen fordert

Wir haben Hunger. Aber vor allem Appetit auf Neues. Und freuen uns, dass uns viele der großartigen Restaurants in Berlin einen ToGo-Service der besonderen Art anbieten: Entweder für daheim, um die Speisen auf Temperatur zu bringen, oder bereits komplett zubereitet zum sofortigen Genuss. Deshalb wollten wir testen, wie lecker Takeaway in gehobener Qualität wirklich ist. Das macht Spaß, hilft gegen Langeweile und unterstützt lokal. Wir begeben uns also in die schöne Giesebrechtstraße, in der kürzlich das Markt12 vorm Restaurant 12seasons eröffnet hatte.

Köstliches von der Terrasse

Eigentlich sollte das 12seasons im ehemaligen Julep’s in der Giesebrechtstraße schon längst Tür und Küche geöffnet haben. Aber dann kamen Corona und damit Plan B. Statt nun Abend für Abend die Gäste IM Restaurant zu empfangen, haben die Gastgeber Tim Hansen und Vitali Müller und Küchenchef Kamel Haddad die Aktivitäten kurzerhand VOR die Tür gelegt. Das Markt12 vorm Restaurant 12seasons war geboren. Auf der hauseigenen Terrasse wartet ein improvisierter, aber dennoch höchst stylisher Tresen auf hungrige und durstige Gäste. Wer mag, kann auch Eingemachtes und Eingekochtes aus saisonalem Obst und Gemüse mit nach Hause nehmen. Quitten-Marmelade und Rosmarin-Sirup verlocken genauso zum Probieren und Kaufen wie selbstgebackenes Sauerteigbrot und köstlich angemachte Butter. Präsentiert wird das alles in einem äußerst appetitlichen Arrangement zwischen Weinflaschen und Blumen.

Coole Idee, coole Typen

Das Konzept vom 12seasons sieht vor, jeden Monat einen komplett neuen Speiseplan anzubieten; diese Idee wird nun auch als Takeaway weitestgehend umgesetzt. Trotz der doch recht widrigen Umstände wirken die Drei, die als Team bereits das NEUMOND in Mitte zum Erfolg geführt haben, recht entspannt. Ein Umstand, der möglichweise auch dem Innenleben des 12seasons geschuldet ist: Denn das Restaurant wirkt immer noch weit entfernt von fertig. Die Bar ist nur rudimentär zu erahnen, Teppiche liegen auch noch nicht. Alles wartet auf ein Finish im Dornröschenschlaf. Auch hier hat Corona zugeschlagen. Tim Hansen steht lässig an dem Bargerippe und erzählt: „Unsere beiden Tischler sind ausgefallen. Macht vier Wochen Quarantäne und damit Baustillstand.“ Aber irgendwie steht den Dreien dieser Baustellencharme gut, und sie wirken sehr lässig im schummerigen Halbdunkel des Provisoriums. Warum auch in Hektik geraten, wenn gerade alles irgendwie alles eher still steht. Vitali Müller: „Dennoch ist es uns gerade jetzt wichtig, unseren Gästen zu helfen, diese Zeit genussvoll zu überstehen.“ Ein Gedanke auf Gegenseitigkeit.

Lockdown-Menü mit Novemberfeeling

Dann wollen wir mal sehen und vor allem kosten, was so geht. Tim Hansen empfiehlt uns ein besonderes Lockdown-Menü; angepriesen als mit Liebe und Leidenschaft hergestellt. Wir starten mit köstlichen Kartoffel-Butternut-Rösti mit Gorgonzola-Salbei-Creme. Es folgt eine Wild-Bratwurst auf einem verboten leckeren Tomaten-Confit (Zitat von Chefkoch Kamel Haddad: „Dafür braucht man sehr viel Geduld“), dazu krosse Streifen aus Kartoffelschalen und Chili-Mayo. Die Fragezeichen zu den Kartoffelschalen finden die Lösung in einem höchst nachhaltigen Konzept, bei dem wirklich alles verwertet werden soll. Wir beenden den kulinarischen Novemberspaziergang mit rustikalen Rote-Beete-Gnocchi, die vegetarisch aussehen, durch eine deutliche Specknote aber herzhaft schmecken. Empfehlenswert! Wer einen kleinen Vorgeschmack auf das zukünftige Fine Dining im 12seasons bekommen möchte, ordert das nur am Wochenende verfügbare Menü zum Mitnehmen – für faire 40 Euro.

Prickelndes zum Warmwerden

Übrigens verkürzt uns ein Glas Bamberger Sekt äußerst prickelnd die Wartezeit. Wir plaudern auf Abstand und erfahren viel über Freundschaft, das durchaus durchdachte und ambitionierte Konzept und den Wunsch, mit neuen Ideen ihre durch die Berliner Restaurantlandschaft mitwandernde Fangemeinde glücklich zu machen.

12seasons, Giesebrechtstraße 3, 10629 Berlin. Tel.: 030 92258049

Mehr Infos zur Speisekarte und Öffnungszeiten: hier

Posted by:macontini

Berlinerin, Journalistin mit Zeitungs-, Radio- und TV-Vergangenheit, Autorin, PR-Frau, alleinerziehende Mutter, Hundebesitzerin, Katzenliebhaberin, Kämpferin, Träumerin und Neuerfinderin. Bewegung ist Glück. Und das am liebsten schnell… in den Fingern, im Kopf und den Beinen. Ich mag es, dem Leben immer wieder das Besondere abzutrotzen und sich den unterschiedlichsten und meistens unerwarteten Herausforderungen zu stellen. Zugegeben – das ist nicht immer einfach. Aber einfach kann ja jeder!

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